Theaterkompass.de Logo

Liebe in Zeiten des Krieges

Dagmar Kurtz
In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr. Elvira ist Riccardo versprochen, liebt aber Arturo. Das ist doppelt unglücklich, denn die Familie Elviras gehört zu den Puritanern, wäh...

Geld regiert die Welt

Dagmar Kurtz
Biblische Stoffe als Grundlage für eine Oper hatten es nicht nur um 1870 schwer, überhaupt aufgeführt zu werden, sondern scheinen auch heute das Publikum nicht allzu sehr zu reizen, wenn man die Auslastung des Opernhauses der Deutschen Oper am Rhein bei dieser zweiten Aufführung in Düsseldorf betrac...

Ende einer Spaßgesellschaft

Dagmar Kurtz
Eine reiche, leicht exzentrische Gesellschaft trifft sich in Hollywood zur Poolparty auf einem luxuriösem Anwesen. Sie hat sich in Schale geworfen, trägt nette 50er Jahre Sommerkleidung. Nur Hermann fällt völlig aus dem Rahmen; in seinem senfgelben Cordanzug mit Rolli ist er weder für die sommerlich...
Aromeo

Distanziert

Dagmar Kurtz
Man hat sich fein gemacht für das Fest bei den Capulets, alles glänzt und glitzert, die Damen tragen weite Tellerröcke oder Cocktailkleidchen und etwas zu viel Pailletten, der Hausherr erscheint im kanariengelben Zweireiher. Im Salon gibt es eine Felswand, vor dieser steht Juliette, die schöne Tocht...

Der schöne Rhein

Dagmar Kurtz
Drei verschrobene ältere Damen treffen sich im Gartenlokal mit Blick auf den Rhein beim Kännchen Kaffee und Kuchen, serviert auf Porzellan der Köln-Düsseldorfer Schifffahrtsgesellschaft. Später werfen sie sich verschmitzt imaginäre Wollknäuel zu. Es sind die Nornen, die hier das Schicksal knüpfen. S...

Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen

Dagmar Kurtz
Endlich geklärt: Der Lindwurm ist kein drachenartiges Wesen, sondern ein Dampf-Pflug aus der frühindustriellen Zeit. Überhaupt spielt so etwas wie märchenhafte, romantische Verklärung in Dietrich W. Hilsdorfs Inszenierung des "Siegfried" von Richard Wagner für die Deutsche Oper am Rhein keine große ...

Lustlos

Vormärz, Romantik, Biedermeier: drei Begriffe für die Epoche zwischen 1815 und 1848, die sie jeweils mit unterschiedlichen Gesichtspunkten beleuchten. Es ist die Zeit, in der Otto Nicolai lebte, dessen Oper "Die Lustigen Weiber von Windsor" jetzt an der Deutschen Oper am Rhein zu sehen ist und die...
ab28

Vom Licht zum Schatten

Heiter und beschwingt beginnt der dreiteilige b28-Ballettabend mit Paul Taylors "Esplanade", in dem Alltagsbewegungen tänzerisch umgesetzt werden. An unbeschwerte Kinderspiele erinnert das Hüpfen, Rennen, Springen, Laufen, Rutschen, Ringelreihen, das mit ungeheurer Leichtigkeit und Lockerheit zu B...

Die Fremden sind wir

Der Zuschauerraum ist durch einen schwarzen Vorhang von der Bühne abgeteilt, der Zuschauer muss sich dieses Mal selbst auf die verdunkelte Bühne begeben und wird so zum Teil der Inszenierung. Lia Rodrigues beschäftigt sich in ihrem Stück "For the sky not to fall" ausgehend von der brasilianischen ...

"b.27" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein Tänzerpaar steht hinter einem Flügel und lauscht andächtig dem ersten Satz des Konzerts für Violine und Klavier von Igor Strawinsky. In seinem "Duo Concertant" stimmt George Balanchine nicht nur seine Tänzer, sondern auch die Zuschauer auf die Musik ein. Es ist die Musik, die die Grundlage des...
adon

Spannungslos

Ein Mann spannt seinem Sohn die Verlobte aus. Das soll vorkommen, nur handelt es sich hier um König Filippo II und seinen Sohn Don Carlo. Elisabetta geht die Ehe mit Filippo nicht ganz freiwillig, sondern nur aus Staatsräson ein. Und schon ist das Verhältnis der Drei von Missgunst, Eifersucht und ...

Unter Strom

Eine glänzend gepflegte Ritterrüstung - und darin befindet sich kein Körper, wohl aber eine Stimme mit pedantischem Geist. Italo Calvinos Roman "Il cavaliere inesistente" war Ausgangspunkt für Louise Lecavaliers neueste Choreographie "Battleground", die jetzt im Tanzhaus NRW ihre Uraufführung feie...

Wahnsinnstod

Aus Liebe und Intrige wurde schon manch schönes Bühnenstück gestrickt. Bei Donizettis "Lucia di Lammermoor" kommt noch der Wahnsinn hinzu. Lucia liebt Edgardo, den Erzfeind ihrer Familie, und verlobt sich heimlich mit ihm kurz bevor er nach Frankreich fährt. Lucias Bruder Enrico drängt sie aus pol...

Eine kunterbunte Show

Von jeher übt der Zirkus eine große Faszination aus. Jubel, Trubel, Heiterkeit und Spannung. Kunterbunt und lustig geht es auch in Emmerich Kálmáns Operette "Die Zirkusprinzessin" zu, wobei der Zuschauer in das Backstage-Geschehen eingeweiht wird. Ein geheimnisumwitterter Mister X, der stets mit Ges...

Der Teufelskreis

Fasziniert von asiatischen Kulturen lässt sich Sidi Larbi Cherakaoui - seit neuestem künstlerischer Leiter des flämischen Royal Ballets in Antwerpen - immer wieder zu entsprechenden Stücken anregen. In "Fractus V", das als deutsche Erstaufführung im Tanzhaus NRW zu sehen war, verbindet er modernes...

Nichts als Tanz

Wie vielfältig klassisches Ballet interpretiert werden kann, ist im 25. Ballettabend in der Deutschen Oper am Rhein zu erleben. Martin Schläpfer hat dafür drei choreographische Werke ausgewählt, die alle keine Handlungsballette sind, sondern sich mit Bewegungen von Körpern im Raum beschäftigen. ...

Mit Tiefgang

Graf Waldner ist ein Spieler und hat immense Schulden. Die Familie wohnt in einem Hotel und die Tochter Zdenka wird als Junge ausgegeben, da das Geld nur für die adäquate Ausstattung der älteren Schwester Arabella reicht. Auf dieser liegen alle Hoffnungen, denn eine Hochzeit mit einem finanzstarke...

Vom Verschwinden

Die moderne Zivilisation hat immer mehr Ballungszentren entstehen lassen mit unübersichtlichen Megacitys, in denen Menschen in überteuerten Wohnsilos hausen. Daneben gibt es aber auch Orte, die aufgegeben wurden, sei es aus wirtschaftlicher Not, sei es durch Natur-oder menschengemachte Katastrophe...
aengel

Wahnsinnsoper

Viele unglückliche Kinder erfinden sich einen Freund. Renata imaginiert einen Engel, den sie als junge Frau in Heinrich wieder zu erkennen meint und in den sie sich verliebt. Als sie von ihm zurückgewiesen wird, steigert sie sich in erotische Obsessionen und Wahnvorstellungen. Sie begegnet Ruprech...

Die Frage nach dem Menschsein

Mondschein, zwei Männer, eine Frau begegnen sich in der Ruhe der Nacht. Die Musik setzt ein. Weitere Tänzer kommen dazu. Zu den Sonaten Nr. 6 und Nr. 10 von Alexander Skrijabin und dem Grand Valse di bravura "Le Bal de Berne" von Franz Liszt, von Denys Proshayev live gespielt, entfaltet Martin Sch...

Heitere Hommage an Schlemmer

Das "Triadische Ballett", von Albert Burger und Elsa Hötzel in Zusammenarbeit mit Oskar Schlemmer seit 1915 konzipiert, wurde 1922 in Stuttgart uraufgeführt. Ihm liegt ein stringentes Konzept vom Dreiklang in Form, Farbe, Raum zugrunde. Nachdem Schlemmer ab 1920 als Lehrer am Bauhaus tätig war und s...
apommerat

Die ewige Wiederkehr

Das Leben ein Spiel? Aus Sicht des Teufels, der in Joël Pommerats "Kreise/Visionen" als Conférencier getarnt das große Unendlichkeitsspiel durchführt, sicherlich. Wieweit bleibt man sich selbst treu und welche Konsequenzen ergeben sich aus Handeln ober auch Nichthandeln? Lässt man sich betrügen un...

Festival tanz nrw im Tanzhaus NRW Düsseldorf

Von der Vielfalt der Tanzszene in Nordrhein-Westfalen konnte man sich mittlerweile schon zum fünften Mal bei der Biennale tanz nrw überzeugen. In Düsseldorf bot das Tanzhaus NRW an einem Abend gleich drei Stücke an. "The boy who cries wolf" von Reut Shemesh & Overhead Project Die in Köln...
agoldbergvariationen 005 abbasstatisteriebuehlergalkewerth

Bibeltheater

Ein neues Theaterstück soll geprobt werden. Nichts Geringeres als die Geschichten der Bibel von der Schöpfung bis zur Auferstehung sind das Thema des Dramas, das Jay inszeniert. Die Probenzeit beträgt sieben Tage, genauso so lange wie die Schöpfung der Welt laut Bibel selbst gedauert hat. Das kann...

Lebenskampf

Ein dunkler Raum, eine Karree voller Sand, in dem sich sechs liegende Männer im Zeitlupentempo um die eigene Achse drehen, monotoner, ohrenbetäubender Motorenlärm, der die Sinne abstumpft, betäubt. Irgendwann lässt sich dazwischen das Geräusch der Meeresbrandung ausmachen. Die erschöpft wirkenden ...

Zwischen Himmel und Erde

Auf einer Galerie im Bühnenhintergrund sind Kleiderpuppen mit kostbaren Krinolinen-kostümen drapiert. Sie sind das einzige Requisit für eine ansonsten leere Bühne in Martin Schläpfers neuestem choreographischen Werk zu Mozarts "Symphonie in G-Moll". Mit eleganter Wehmut erzählt Schläpfer von Paarb...
Schneewittchen - breaking out | Anna Vita | GP 26.02.2015

Rendezvous mit dem Pizzaboten

Schneewittchen herzt und küsst den alten Vater liebevoll. Die böse Stiefmutter indes streckt angewidert die Hand nach dem Mann im Rollstuhl aus, verweigert einen Kuss auf die Wange und will nur eins: schön sein auf dem Laufsteg. Menschliche Wärme prallt in dem Crossover-Tanzprojekt „Schneewittchen...

Mutterschaft

Dualistisch ist das Drama "Die Ratten" von Gerhart Hauptmann angelegt. Einerseits die tragische Geschichte um Frau John, deren Sohn kurz nach der Geburt gestorben ist und die die ungewollt schwangere Pauline Piperkarcka dazu überredet, das Kind auszutragen und ihr zu übergeben. Ihrem Mann täuscht ...
atrittico

Todesarten

Drei inhaltlich sehr unterschiedliche Einakter hat Giacomo Puccini zu "Il trittico" zusammengefasst. Da ist zum einen "Gianni Schicchi", das in der Renaissance in Florenz spielt, sich komisch mit Erbstreitigkeiten und Testamentsschwindel im großbürgerlich-familialen Kreis auseinandersetzt und dies...

„BACH / PASSION / JOHANNES“

In mittelalterlichen skulpturalen Passionsgruppen sieht man sie manchmal: die Menschen aus dem Volk, die dem Geschehen mit offenen Mündern erstarrt zuschauen. Und diese Position sieht man in Laurent Chétouanes Interpretation der Johannespassion von Bach häufig. Die Leidensgeschichte Jesus beginnt ...

Ein Künstlerleben

Von ihrem Geliebten Theseus verlassen, sitzt Ariadne trauernd auf Naxos und sehnt den Tod herbei, bis sie von Gott Bacchus begehrt wird und neue Freude erfährt. So kurz ließe sich der Inhalt der Oper "Ariadne auf Naxos" beschreiben, hätten Richard Strauss und Hugo von Hoffmannsthal nicht ihre Erfa...

Sehnsucht

Gemessen schreitet Raimund Hoghe in Stöckelschuhen über die Bühne zu Beginn seines neuen Stückes "Quartet", das jetzt im Tanzhaus NRW uraufgeführt wurde. Er verteilt dabei aus einem Säckchen goldene, nussartige Kugeln auf dem Boden. Er nimmt sich Zeit und schafft so eine Ruhe und Konzentriertheit,...

Lebensfreude

Das Leben ein Vergnügen! Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man das Gemeinschaftswerk „Coup Fatal“ von KVS & les ballets C de la B/Serge Kakudji, Rodriguez Vangama, Fabrizio Cassol, Alain Platel im Tanzhaus NRW sieht. „Coup Fatal“ ist eher Konzert denn Tanztheater, da die Bewegungen lediglich d...
ab21

Nachdenken über den Tanz

Serenade von George Balanchine, Alltag (Uraufführung) von Hans van Manen, Johannes Brahms - Symphonie Nr. 2 von Martin Schläpfer. - Mit "Serenade" eröffnet der 21. Ballettabend unter der Ägide von Martin Schläpfer. 1934 entstanden und dann jahrelang weiterentwickelt, huldigt George Balanchine d...
afields

Es war einmal

Strukturwandel ist das Thema der drei unter dem Titel "Recording Fields" produzierten Auftragswerke, die zugleich eine Reminiszenz an die in Nord- und Osteruropa längst aufgegebene Bergbau- und Industriearbeit sind. Schlesien, Nordrhein-Westfalen und die Region Nord-Pas de Calais sind dafür beispi...
asommernachtstraum

Die Traumfabrik

Offenbar hat sich der Regisseur Àlex Rigola von der Tatsache, dass Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ von Liebesverwicklungen handelt, dazu angeregt gefühlt nach heutigen Parallelen zu suchen. Gelandet ist der dabei in Andy Wahrhols in den 1960er Jahren sehr hippen Factory-Kommune. Das war dann ...
DRAMA2012197-4042

Ein Feuerwerk an Ideen

"1927", so nennen Suzanne Andrade und Paul Barritt ihre Performancegruppe, die jetzt zusammen mit Barrie Kosky in einer Kooperation mit der Komischen Oper in Berlin und der Deutschen Oper am Rhein Mozarts "Zauberflöte" neu inszeniert hat. Der Name ist zugleich Programm, denn es finden sich zahlreich...

Fragilität des Seins

Einen Blick in die unendlichen Weiten des Universums ermöglichte das Hubble-Weltraumteleskop. Von diesen Bildern hat sich Adriana Hölszky für ihre Komposition "Deep Field" anregen lassen, eine Auftragsarbeit für Martin Schläpfers Balletcompanie an der Deutschen Oper am Rhein. Entstanden ist eine 1...

Begrenzter Raum

Ein Sofa ist gemeinhin der Inbegriff der Gemütlichkeit. Dem ist nicht so in Reinhild Hoffmanns "Solo mit Sofa". Über eine Lehne des Möbels hingestreckt liegt eine Frau zu Beginn des Stückes. Mit dem Überwurf ist sie unentrinnbar verbunden, ist er doch zugleich Verlängerung ihres Gewandes. Bewegung...

It's a man's world

Es gab Zeiten, da konnte man die Windrichtung anhand des Niederschlags der Rußpartikel auf der Fensterbank bestimmen. Es gab Zeiten, da definierte sich eine ganze Region über den Steinkohlebergbau und die Stahlherstellung, da stand der Kumpel als Synonym für den Wiederaufbau. Susanne Linke zeigt i...

Kein Anschluss

Während das Publikum noch auf den Beginn der Vorstellung wartet, klingelt irgendwo ein Telefon, klingelt und klingelt, niemand hebt ab. Ein Schuss fällt. Der Bühnenvorhang öffnet sich. In einem Sessel sitzend stirbt Werther in einem langen Todeskampf, in dem er sein Leben wie in einem halluziniert...
cs

Leere Versprechungen

Jenseits von Makartscher Schwülstigkeit inszenierte Joan Anton Rechi Emmerich Kálmáns Operette "Die Csárdásfürstin". In einem mondänen Ambiente, angelehnt an das 1910 von Adolf Loos entworfene Gebäude für das Nobelgeschäft Goldman & Salatsch in Wien, spielt sich die Liebelei zwischen dem gefei...

Wenn Theater zum Film wird

„Fromm und gewöhnlich“ ist Mendel Singer. Ärmlich wohnt er in einem russischen Dorf mit vier Kindern und seiner Frau Deborah, die er einst genoss, der er sich dann verschloss. Die Liebe zu verweigern war wohl die einzige Sünde dieses gläubigen Menschen. Nach der biblischen Geschichte „Hiob“ schrie...

Mutmassungen über Willie

Eine Landschaft aus Stahlskeletthügeln, wie nach einer Katastrophe, eine ort- und zeitlose Welt. Mittendrin ein blauer Hügel, in dem Winnie bis zur Taille feststeckt. Der blaue Hügel als Welt, als Sinnbild für die Sehnsucht, die sie immer noch trägt? Winnie plappert unentwegt vor sich hin, pflegt ...
ab19

Beziehungsmuster

Was Nussknacker nachts treiben, so dass Maschinen irrtümlich als bezaubernde Mädchen erachtet werden, haben wir bereits in der Tanzgeschichte erfahren. Im 21. Jahrhundert sehen die Wesen, die uns in der Phantasie beschäftigen, aber ganz anders aus. Antoine Jully hat für seine Choreographie "Hidden...

Momentaufnahmen der 1920er Jahre

Stummfilm, Radio, Kabarett, Revue, Modetänze, Jazz, episches Theater, neue Tendenzen der bildenden Künste, aber auch Gesellschaftskritik finden Nachhall in Karl Amadeus Hartmanns 1929-1930 komponiertem und von Erich Bormann librettiertem "Wachsfigurenkabinett". Es sind Momentaufnahmen des Lebens d...
atraviata

Ein glänzendens Parkett

Illusionistische Räume sucht man in dieser Inszenierung der "La Traviata" von Andreas Homoki vergebens. Die Bühne, eine spiegelnde, leicht schräg abfallende, glatte Fläche: sie symbolisiert das glänzende Parkett, auf dem Violetta sich bewegt, dient als Metapher für den trügerischen Schein. Zwar le...

Turbulenter Urlaub

Als alpenländische Fernsehklamotte hat sich das Singspiel "Im weißen Rössl" in die Erinnerung eingebrannt. Dass es sich bei der Uraufführung 1930 in Berlin noch ganz anders anhörte, nämlich viel jazziger, spritziger zeigt die 2009 wiederentdeckte Originalpartitur, komponiert für 80 Musiker. Es ver...

Mit Wehmut

Ein schwarzer Rollkoffer, allein, mitten auf dem weißen Tanzboden der leegeräumten Bühne. Dazu erklingen Songs von Judy Garland, mit der Patina und dem so unnachahmlichen Orchester-Sound der Nachkriegsära. Als das Fernsehen noch neu war, als man nach Glamour hungerte, als der Krieg gerade vorüber ...

Wie gemalt

In 200 Jahren hat die Welt sich ziemlich gewandelt und von der politische Brisanz des Stoffes der "Nozze di Figaro" in Mozarts Oper nach der Komödie von Beaumarchais ist nichts mehr übrig geblieben. Die Standesschranken und die Allmacht des Adels ist verschwunden und mit ihr das jus primae noctis ...

Was bleibt?

Verschwinden, Bewahren, Erinnern, darum kreisen Ludwig Haugk und Stefan Schneider in ihrer Collage "Enthusiasm IX". In Hoyerswerda erobert sich die Natur ein Abrissgebiet zurück, in Wuppertal verschwindet das Naturkundemuseum, in Düsseldorf verschwinden die Tierplastiken des Künstlers Josef Pallen...

Der Retter in der Not

Im Nu sind die Plakate der Occupy Bewegung von der Fassade des Bankgebäudes entfernt, und die Mini-Demonstration aufgelöst. Das Gebäude mit grünem Marmor und Holzvertäfelung erinnert in seiner imposanten Architektur an ein Institut an der Kö. Leicht ironisiert wird dieses Gebäude der Machtdarstell...

Unheimlich

Nichts ist, was es scheint in Benjamin Brittens Oper "The Turn of the Screw" nach der Erzählung von Henry James. Eine Gouvernante tritt ihre neue Stelle auf dem Lande an, wo sie zwei elternlose Kinder betreuen soll. Unter ihr unbekannten Umständen sind der Verwalter Peter Quint und die vorherige G...

Körperarbeit

Schrilles Geschrei wie von hoch in der Luft fliegenden Schwalben ertönt, ein Video zeigt Körperformationen in kaleidoskopartiger Verzerrung, unterbrochen von Kreuzzeichen. Dann setzt ohrenbetäubendes Grillengezirpe ein. Der Frühling ist bereits vorbei. Langsam bewegt sich ein Tänzer aus dem Dunkel...

Die Frage nach dem richtigen Handeln

Kapitän Vere wird sich erst am Ende seines Lebens bewusst, dass er sich auch hätte anders verhalten und so den Tod eines Menschen hätte verhindern können. In einer Rückblende erzählt Benjamin Brittens Oper "Billy Budd" von den Geschehnissen auf einem britischen Kriegsschiff Anfang des 19. Jahrhund...

Verloren in der Welt

Zunächst ein einzelner, geduckter Tänzer auf der Bühne, damit ist schon zu Beginn von Martin Schläpfers "7" der Ton seiner neuen Choreographie angestimmt. Gustav Mahlers 7. Sinfonie bildet die musikalische Grundlage und in der episodenhaften Ausgestaltung nimmt er Bezug auf Mahlers Biografie, Mahl...

Opferung

Kirchturmglocken erklingen in der Dunkelheit. Es ist Nacht und damit Zeit für das Erscheinen traumhafter Wesen. Diese sind Transformationen mythischer Gestalten. Angeregt von Igor Strawinskys "Le Sacre du printemps", dessen Uraufführung sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt, verknüpft Akram Khan ...

Liebe in Zeiten der poltischen Unruhe

Auch wenn es paradox klingt: es sind vergleichsweise ruhige Zeiten, in denen man sich Eifersucht leisten kann. Wie die desolaten politischen Verhältnisse eines Polizeistaates das private Glück beeinträchtigen können, zeigt die Oper "Tosca". Die titelgebende Heldin lebt zu Anfang noch ganz der Kuns...

Luisa im Puppenheim

Luisa ist jung, aber so jung denn doch nicht, wie Carlos Wagner sie macht! In seiner Inszenierung von Verdis Oper "Luisa Miller" für die Deutsche Oper am Rhein räkelt sich die Protagonistin im Nachthemd, aus dem sie nicht mehr herauskommt, behaglich im Bett ihres Kinderzimmers. Dieses ist mit kind...

Alptraumhafter Mythos

Ein eckiger grauer Bau, mit gezackten Türschlitzen und offenen dunklen Fensterhöhlen, einladend ist der Königsplast nicht, stattdessen düster und abweisend. Man ahnt, dass hier das Vergnügen nicht zu Hause ist. Er füllt fast die ganze Bühne aus, bedrängt den Agierenden und lässt ihm kaum Bewegungs...

Zwischenzeilen

Zeitungen liefern Informationen zu Ereignissen von gestern oder weisen auf Zukünftiges hin, das Gegenwärtige, gerade Stattfindende bleibt jedoch ausgespart. Mit "Re:Zeitung" beziehen sich sechs Tänzer von P.A.R.T.S. FOUNDATION/Anne Teresa De Keersmaeker auf ihr 2008 produziertes Stück "Zeitung". A...

Variationen von Einsamkeit

Faune und Nymphen sind aus unserem profanen Leben inzwischen ganz verschwunden, aber die narzisstische Einsamkeit mythologischer Wesen lässt sich auch in heutigen Menschen wiederfinden. Jerome Robbins hat seine 1953 kreierte choreographische Interpretation von Debussys "Prélude à l’après-midi d’un...

Verwandlungen

Wie schnell ist der Zauber der ersten Tage verschwunden! Die Kaiserin ist noch nicht erwacht, da begibt sich ihr Gatte schon zum Jagdvergnügen. Die Färberin findet sich in einem Hausstand voller unnützer, sie plagender Verwandter wieder, während ihr Mann seiner Arbeitswut frönt oder sich ein Gläsc...

Kirmesvergnügen

Auf der Kirmes kann schon mal die Liebe abhandenkommen. Karoline will Spaß, Achterbahn fahren und Eis essen. Kasimir hat gerade seine Arbeit verloren, ist daher unausstehlich und vermasselt den ganzen Abend. Kein Wunder, dass sich Karoline bald mehr für den smarten Schürzinger interessiert, zumal ...

Kontrollverlust?

Er versteht sie nicht, sie versteht ihn nicht. Wie sollten sie auch? Verstehen sie sich selbst doch nicht. Dass Männer und Frauen Kommunikationsschwierigkeiten haben, ist alt bekannt. Im Stück "Rausch" von Falk Richter und Anouk van Dijk wird dieses private Beziehungsgeflecht im ersten Teil in ...
ariepe

Nebelschwaden

Laute Musik zieht den Zuschauer in den Theaterraum. Vier Männer im weißen Tennisdress spielen ein imaginäres Tennisspiel in Nebelschwaden. So beginnt Ben J. Riepes Stück "Don't Ask. Don't Tell", das in Zusammenarbeit mit dem indischen Tänzer und Choreographen Navetej S. Johar im Jahr 2012 entwicke...
ab15

Die Natur erwacht

Wie ein großer Vogelschwarm erscheinen die Tänzer auf der Bühne, die Türen wurden eben erst geschlossen, das Licht im Zuschauerraum ist noch nicht erloschen. Das erste Stück des Ballettabends in der deutschen Oper am Rhein beschäftigt sich mit dem Individuum und der Gruppe. Aus der dynamisch-heite...

Wer zuletzt lacht

Von "politischer Korrektheit" hat man zu Verdis Zeiten noch nichts gehört, und so wird Falstaff in zahlreichen Varianten als Dickwanst beschimpft. Der Umfang seines Bauches deutet auf die Freuden sinnlicher Genüsse hin und steht proportional umgekehrt zum Inhalt seiner Geldbörse: Falstaff ist plei...

Triumph der Liebe

Was im Barock an Ausstattungsopulenz bereits üblich war, hier findet es seine adäquate Wiederkehr: falsche Tiere, illusionistische Bühnenmalerei, Drehbühne und ausgeprägte Bühnenmaschinerie, prächtige Kostüme, Geschlechterwechsel in den Rollenbesetzungen mit entsprechenden Verkleidungen und Handlu...

Ein afrikanischer Schwan

Die Geschichte vom weißen und schwarzen Schwan des Balletts "Schwanensee" von Pjotr Tschaikowski hat schon viele Interpretationen erfahren und viele Filmplots inspiriert. Aber wie stellt sie sich einem Ballettunerfahrenem ohne jegliche Vorkenntnisse dar, wie interpretiert er das Bühnengeschehen? D...
aumeda

Auflösung

Ein rechteckiger Lichtfleck auf dem Bühnenboden bezeichnet den Aktionsradius von Hiroaki Umeda in seinem Solostück "Accumulated layout". Zunächst bewegt er kaum merklich nur eine Hand, um dann mit gewohnt weichen, präzisen Bewegungen zu elektronischer Musik seine Bewegungen allmählich bis zur Ersc...
a Don Giovanni

Der verführte Verführer

Don Giovanni der Verführer, der ewige Frauenheld? Karoline Gruber wirft in ihrer Insze¬nierung für die Deutsche Oper am Rhein einen genaueren Blick auf das Libretto und zeigt, dass die Damen sich nur allzu gern von ihm verführen lassen, sind ihre Verlobten doch durchweg spießige Langeweiler. Und d...

Im Strudel der Gefühle

Ein zunächst leichter, leiser Bewegungsimpuls entwickelt sich in atemberaubenden Tempo in fließenden Bewegungen weiter. Körperzittern wird bei Louise Lecavalier zu einer ungeheuer faszinierenden weichen Gelenkigkeit, die an Schlenkerpuppen ohne Knochenbau denken lässt. Ihr Bewegungsvokabular orien...
ab13

Beziehungen

Es ist das Vokabular des klassischen Tanzes, das George Balanchine in seinem 1941 uraufgeführten Werk "Concerto Barrocco" verwendet, jedoch erlaubt er sich subtile Modifikationen. Er lässt Arme schwingen, Hüften werden ausgestellt, parallele Fußstelllungen werden mit angezogenem Knie und herausges...
ahoghe

Die Schönheit der Reduktion

Die Bühne ein leerer dunkler Raum. Zu Bachs "Air" erscheinen nach und nach acht Tänzer und schreiten das Bühnenkaree ab. Im Rhythmus dazu das Klackern der Stöckelschuhe der beiden Tänzerinnen. Nichts weiter als Gehen in einem sich repetierenden Fluss. Körper, die der Musik zu lauschen scheinen. Kö...

Es bleibt in der Familie

Richard von Gloucester wird weder gefürchtet noch geliebt. In Staffan Valdemar Holms Inszenierung für das Düsseldorfer Schauspielhaus macht man sich lustig über ihn, imitiert sein Krüppeltum, hetzt verbal eine Hundemeute auf ihn. Auf einem Sammelsurium von Stühlen haben die Schauspieler Platz geno...

“Narcisses” von Coraline Lamaison im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Die Selbstbeweihräucherung der Kunstszene nimmt Kate Strong ironisch auf die Schippe. Das scheinbar nicht enden wollende Name-dropping von illustren Regisseuren und Choreographen kehrt sie um, indem sie behauptet von diesen allen gefeuert worden zu sein, was natürlich impliziert, dass sie zunächst...
„Journey Upwind“

Endloses Warten

Wie Marionetten hängen die Tänzerinnen an Gurten bevor sie von einem Magier zum Tanzen gebracht werden. "Non finito" von Evgeny Panfilov Ballet/Larisa Alexandrova spielt mit der Geschichte der mechanischen Puppe wie sie auch schon in Coppélia erzählt wird. Neu ist hier die freakhafte Gestalt des M...

Freiheit bis in den Tod

Leidenschaft, Eifersucht und unbändiger Freiheitsdrang, das sind die Ingredienzien von Georges Bizets Oper "Carmen", die aufgrund ihrer Erzählstruktur und der eingängigen Musik zu einer der beliebtesten Opern zählt. Carmen ist eine Frau, die sich keiner Regel und keinem Menschen unterwerfen will u...

Ein teuflischer Pakt

William Hogarths berühmte Kupferstichserie aus den Jahren 1732/33 über die Abenteuer eines Wüstlings hat Igor Strawinsky zu seiner gleichnamigen Oper "The Rake's Progress" inspiriert. Hogarth ist dabei moralisch-satirisch, Strawinsky macht daraus eine Moritat in Mozart'scher Manier. Größer könn...
ab12

Tänzerische Verführungen

Wie entsteht ein Kunstwerk? Antoine Jully gibt in seiner Choreographie von "Inside" einen Einblick in den künstlerischen Schaffensprozess und beantwortet diese Frage auf unge¬wöhnliche Weise. Ein Künstler sitzt an einem Zeichentisch und führt eine Tänzerin als Pinsel über ein imaginäres Stück Papier...

Im Kino der Gefühle: Rolle rückwärts ins Glück?

Im nordischen Irgendwo stehen Wohncontainer in schneeiger Landschaft. Hell beleuchtet gewähren sie dem Zuschauer Einblicke ins Alltagsleben eines verliebten Pärchens, einer schwangeren Singlefrau, eines Arbeitslosen auf Freiersfüßen, eines Callboys. In "32 rue Vandenbranden" erzählt Peeping Tom ein ...

Vom Schaufeln der Erde

Erde, tonnenweise dunkelbraune Erde den Bühnenboden bedeckend. Keine Spuren von Vegetation. Hinter einem kleinen Hügel steigen menschliche Wesen hervor. Assoziationen zu Bildern anderer Stücke stellen sich ein, an die in Erde eingegrabene Winnie aus Becketts "Glückliche Tage", an Pina Bauschs "Sacre...

Schwärmen in Sevilla

Es ist eine alte Geschichte um Liebe, Rivalität und Geld, wobei letzteres bei weitem das Hauptinteresse zu sein scheint. Die reizende Rosina wird von ihrem Vormund Doktor Bartolo wie eine Gefangene gehalten. Um sie sich und vor allen Dingen ihr Vermögen zu sichern, bereitet Bartolo die Hochzeit mit ...

Sportlich

Anlässlich einer Ausstellung zum Werk von Yvonne Rainer im Kölner Museum Ludwig waren im Tanzhaus NRW in Düsseldorf zwei ihrer Stücke als deutsche Erstaufführung zu sehen. Yvonne Rainer gründete 1962 zusammen u. a. mit Trisha Brown und Meredith Monk das Judson Dance Theater, in dem der postmoderne T...

Die Tragik der Illusion

Ein riesiger schwarzer Schiffsbug ragt in die mit japanischen Papierwänden umstellte Bühne. Rote Stege mit der Kontur der japanischen Inseln bedecken den Boden. Die Bühnenaus¬stattung weist damit symbolisch auf den Konflikt in der Oper "Madama Butterfly" hin, die jetzt als Wiederaufnahme einer Ins...

Lichtblitze in der Dunkelheit

Ein Lichtband, das über die Bühnenwand läuft, ist zunächst das Einzige, was sich in Saburo Teshigawara Stück "Mirror and Music" bewegt, während ein Tänzer, es ist Teshigawara selbst, bewegungslos bleibt. Dann fallen kurze Spotlights auf einzelne Szenen, während der Rest der Bühne in vollkommener D...

Verborgenes

Ein Vorhang aus eisernen Ketten schirmt den quadratischen Hinterhof ab. Es ist ein Ort der sexuellen Übergriffe, der Gewalt, ein Ort, der dem Blick der Öffentlichkeit entzogen ist. Das Geschehen spielt sich im Verborgenen ab, bis die Ketten krachend zu Boden fallen. In Ihrem Stück "Backyard" nehme...

Ein Leben in Angst

Das Gefühl der Angst bestimmt Blanches Leben von Geburt an. Ihre Mutter musste anlässlich eines Festes vor der in Panik geratenen Menge fliehen, bei der zu frühen Niederkunft stirbt sie. Während der Vater Blanches Ängste gar nicht wahrnimmt, neigt ihr Bruder dazu, sie zu sehr zu beschützen, was er...

Liebeswirren

Ein Opernstoff im Kleines Haus des Schauspielhauses, kann das gut gehen? Ja, es kann. Können die singen? Ja, sie können (jedenfalls fast alle). Eine halbrunde Bühnenwand aus lauter Tapetentüren, oben, unten, mittig, rechts und links, ein kostbares Intarsienparkett und zwei Cembali reichen als Büh...

Kein Glück nirgends

Glück, was ist das? Ein mehr oder weniger kurzer Zustand vollkommener Zufriedenheit und Wunschlosigkeit, ein erhebendes Gefühl, das man zu erhaschen und festzuhalten sucht. In "The Happy Living Trilogy" scheinen Stephanie Thierschs Protagonisten jedoch meilenweit vom Glück entfernt. In dem Solo...

Ein himmlischer Festakt

Castor und Pollux sind Zwillingsbrüder, in einer Nacht gezeugt, dieselbe Mutter, zwei verschiedene Väter. Jupiter ist der Vater von Pollux, was diesen zum Halbgott und damit unsterblich macht. Castor dagegen ist ein normaler Sterblicher. Die Brüder sind sich innig zugetan. Beide lieben dieselbe Fr...
aumeda

Der Körper als Objekt

Abstrakt, kühl, minimalistisch, von höchster Präzision, mit anstrengendem, technischen Sound und ausgeklügelter Lichtführung, das ist die Gemeinsamkeit beider Stücke des japanischen Choreographen Hiroaki Umeda, die jetzt im Tanzhaus NRW zu sehen waren. Für das Stück "3 isolation" mussten die dr...

Verfall und Verbrechen

St. Petersburg im Jahre 1920. In den Wirren der Revolutionstage herrscht Unsicherheit, Hilflosigkeit und Hunger. Während einige den alten Zeiten nachhängen, andere Haltung zu bewahren, sich zu arrangieren oder in religiösem Erweckungserlebnissen eine Gegenwelt aufzubauen suchen, übernehmen Schiebe...
Background image of the page