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Es bleibt in der Familie

"Richard III." von William Shakespeare im Düsseldorfer Schauspielhaus

31.10.2012
Kategorien: Kritiken, Oper

Richard von Gloucester wird weder gefürchtet noch geliebt. In Staffan Valdemar Holms Inszenierung für das Düsseldorfer Schauspielhaus macht man sich lustig über ihn, imitiert sein Krüppeltum, hetzt verbal eine Hundemeute auf ihn. Auf einem Sammelsurium von Stühlen haben die Schauspieler Platz genommen. Sie verfolgen unbeteiligt das Geschehen, es sei denn ihr Auftritt hat zu erfolgen. Auf den schwarzen Wänden ist die Genealogie der Protagonisten mit Kreide gezeichnet, was sinnvoll ist, wimmelt es doch nur so von Edwards, Henrys und Richards, und ist doch jeder mit jedem verwandt.

Am Hof leben harmlos wirkende Menschen in bürotauglicher Alltagskleidung, mit Ausnahme des Richard von Gloucester, der sich auch hier nicht an Konventionen hält und betont schluffig daherkommt. Dass Shakespeares "Richard III." kein Edelmensch ist, ist bekannt. Verstellung, Schmeichelei und Falschheit sind seine Mittel. Jeder, der sich ihm in den Weg stellt, wird beseitigt, was in dieser Inszenierung ausführlich und mit Beiläufigkeit gezeigt wird. Es wird gesungen, aber das sind böse Lieder, denn in Düsseldorf sind auch die Opfer nicht besser als Richard. In der Skrupellosigkeit, mit der alle nach Macht und Machterhalt streben, stehen auch die Frauen, sich hinter Klageliedern und Verfluchungen versteckend, den Männern in nichts nach. Aufstieg und Fall auf Kosten anderer folgen mit Beständigkeit.

Und so ist es denn auch nicht nur Richard allein, sondern zugleich ein korruptes politisches System was hier in Frage gestellt wird. Holm zeigt die Banalität des Bösen, das uns angesichts des alltäglichen Terrors schon gar nicht mehr zu erschrecken vermag. Das scheint nicht besonders aufregend zu sein, ist darum aber umso bedenklicher. Folgerichtig ist Rainer Galke als Richard III. kein Psychopath oder ein kompensierender Ausgegrenzter, sondern ein verbeamteter Strippenzieher, der sich mit einer Zwangsläufigkeit seinen Weg zur Macht zu bahnen weiß. Und alle anderen halten sich demnach auch nur an die Konventionen ihrer gesellschaftlichen Rollen, in Holms Inszenierung sind sie ihm in einer gelungenen Ensembleleistung ebenbürtig.

Aus dem Englischen von Thomas Brasch, in einer Bearbeitung von Staffan Valdemar Holm und Benedikte Hammershøy Nielsen

Richard, Herzog von Gloucester, später Richard III.: Rainer Galke

Sir Robert Brakenbury, Kommandant des Towers / Lord Rivers / Sir William Catesby / Erzbischof von York / Richard II. / Henry VI.: Moritz Löwe

George, Herzog von Clarence / Lord Hastings, Lordkanzler / Ein Bote / Sir James Tyrrell / Sheriff Wiltshire / Sir James Blunt / Priester / Sargträger: Taner Sahintürk

Lady Anne: Patrizia Wapinska

Königin Elisabeth: Claudia Hübbecker

Lord Grey / Lord Stanley / Erster Mörder / König Edward IV. / Richard, Herzog von York / Bürgermeister von London / Titania: Dirk Ossig

Marquis von Dorset / Zweiter Mörder / Sir Richard Ratcliffe / Edward, Prinz von Wales / Ein Page / Richmond, später Henry VII. / Priester / Sargträger: Jonas Anders

Herzog von Buckingham: Florian Jahr

Königin Margaret: Karin Pfammatter

Herzogin von York: Manuela Alphons

Regie: Staffan Valdemar Holm

Bühne : Bente Lykke Møller

Kostüme: Bente Lykke Møller

Licht: Torben Lendorph

Dramaturgie: Daniel Richter

Premiere 24. März 2012

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