Kontrapunktisch-chromatische Komplikationen wurden immer wieder souverän gelöst. Affektreiche und verzierungsreiche Kantilenen kosteten die Musiker wiederholt geradezu genüsslich aus, kleine gesangliche Motive entfalteten sich wie von selbst, die Themenbildung erfolgte aufgrund kunstvoller Sequenzierung. Satztechnisch und motivisch wurden die einzelnen Passagen sehr kunstvoll variiert, was vor allem auch im Finale sehr überzeugend zur Geltung kam.
Eine klangliche und dynamische Überraschung war ferner das Streichsextett in B-Dur W080 von Ernst von Dohnanyi, das er im unglaublichen Alter von siebzehn Jahren im Rahmen seiner Aufnahmeprüfung an der Budapester Musikakademie einreichte. Er widmete es der Erzherzogin Isabella von Österreich. Ein düsteres und ein liebliches Thema stehen sich im ersten Satz kontrastreich gegenüber, was das Sestetto Stradivari ausdrucksstark betonte. Der Einfluss von Johannes Brahms war bei dieser ausgefeilten Wiedergabe deutlich zu spüren. Mit rasanter Leichtigkeit kam dann das Scherzo als atemloses Allegro vivace daher und erinnerte an Mendelssohn. Das leidenschaftliche zweite Trio wurde von diesem Ensemble besonders schön und eindringlich gestaltet.
Ein Höhepunkt war zuletzt die subtile Wiedergabe des in der Zeit der "Slawischen Tänze" und "Rhapsodien" entstandenen Streichsextetts in A-Dur op. 48 von Antonin Dvorak aus dem Jahre 1878. Das gleich zu Beginn auftretende melancholische Thema konnte sich in der Wiedergabe von David Romano, Ruggiero Sfregola (Violine), Raffaele Mallozzi, David Bursack (Viola) sowie Diego Romano und Sara Gentile (Violoncello) klangschön entfalten. Die geheimnisvolle Wendung von Fis-Dur nach Cis-Dur brachte erstaunliche klangfarbliche Kontraste. Kontrapunktische Intensität führte hier konsequent zur Coda, deren Radius sich gewaltig ausweitete. Die d-Moll-Kadenz schuf hierzu einen bemerkenswerten Kontrast. Die beiden Mittelsätze Dumka und Furiant wurden mit geradezu elektrisierender Musizierlust ausgelotet. Auch die klangliche Balance fiel nie aus dem Gleichgewicht. Die Wendung nach d-Moll besaß dabei eine deutliche spieltechnische Konsequenz. Der weitere Furiant-Satz in A-Dur kam atemlos daher, sein eleganter Scherzo-Charakter erinnerte bei dieser Interpretation wiederum an Mendelssohn. Sehr lyrisch wirkte das D-Dur-Trio, dessen großer melodischer Bogen des Hauptmotivs in schönen Legato-Sequenzen aufstrahlte. Am Schluss folgte noch eine große und imponierende Steigerung. Besonders gut gelang dem Ensemble der Variationensatz des Finales mit seinem ausgeprägten Accelerando, das in ein ausgelassen tanzendes Scherzando mündete. Die sich dynamisch behutsam steigernde Bewegung von Variation zu Variation erfolgte mit bewegender Intensität. Die h-Moll-Stretta gipfelte in einer fast sinfonisch wirkenden Presto-Coda.
Auf den begeisterten Schlussapplaus folgte noch als Zugabe der wunderbar poetisch gespielte zweite Satz aus dem ersten Streichsextett von Johannes Brahms, dessen düsterer Variationensatz an Schuberts Lied "Der Tod und das Mädchen" erinnerte. Die klanglich stark kontrastierenden Figurationen wurden hier hervorragend herausgearbeitet. Volksliedhaft und ungarisch wirkte dabei das Klangbild, das sich auch an die barocke Folia-Form anlehnte.


