Muriel Bardon (Violine), Vanessa Gembries (Violine) und Robin Porta (Viola) interpretierten dieses Werk mit ausdrucksvoller Tiefe und elektrisierendem Musizierstil. Im ersten Satz wechselten sich die beiden Motive in klangfarblich abwechslungsreicher Weise ab. Der zarte E-Dur-Gesang und das schwungvolle Tanzmotiv ergänzten sich gegenseitig voller Elan. Die Staccato-Achtel des Scherzos wurden ebenfalls präzis getroffen. Und die weiten Legato-Bögen des langsamen Satzes besaßen einen bewegenden Ausdrucksradius. Lebhaft und rasant-überwältigend kam dann das Finale daher, wo die drei temperamentvollen Musiker aus dem Vollen schöpften.
Eine Überraschung war auch das Quintett für Klarinette und Streichquartett op. 107 aus dem Jahre 1977 von Hans Gal. Dieses Werk ist sowohl von Franz Schuberts Melodik als auch von der Ästhetik von Johannes Brahms beeinflusst. Stark chromatisierte Harmonik der Jahrhundertwende sowie die reiche Polyphonie Johann Sebastian Bachs zeigten hier ebenfalls Einflüsse und starke Wirkungskraft. Tiefe Sehnsucht und geheime Melancholie waren aus dieser berührenden Musik deutlich herauszuhören. Frank Bunselmeyer (Klarinette), Muriel Bardon (Violine), Vanessa Gembries (Violine), Robin Porta (Viola) und Doris Erdmann (Violoncello) entwirrten das kontrapunktische Geflecht in souveräner Weise.
Zum Abschluss war das Klaviertrio Nr. 2 in Es-Dur op. 100 von Franz Schubert in einer bewegenden Wiedergabe mit Kathrin Scheytt (Violine), Philipp Körner (Violoncello) und Helge Aurich (Klavier) zu hören. Leidenschaftliches Temperament kennzeichnete diese überzeugende Interpretation. Das Unisono des ersten Allegro-Satzes kam mit großer Entschlossenheit daher, das neue Motiv im Violoncello besaß große Energie und wildes Feuer. Auch das lyrische Thema der Exposition hatte starken Ausdruck. Das zweite Thema in h-Moll entfaltete dann einen geheimnisvollen Zauber, der nicht nachließ. Das Pathos des Trauermarsches im zweiten Satz arbeiteten die Musiker präzis und ohne Übertreibung heraus. Zum fahlen Rhythmus des Klaviers entfaltete sich der leidenschaftliche Klagegesang des Violoncellos wie von selbst. Die Wendung nach Es-Dur brachte dann einen reizvollen dynamischen Kontrast, den nicht nur die Violine voll auskostete. Das Scherzo riss die Zuhörer bei dieser beglückenden Wiedergabe ebenfalls in ungewöhnlicher Weise mit, wobei das ungestüme As-Dur-Trio dazu einen heftigen Kontrast bildete! Und das erweiterte Rondo des Finales mit seinem Metrumwechsel von Dreier- und Viererbewegung mit dem Zitat der Trauermarsch-Kantilene aus dem Andante bestach außerdem mit effektvollen -Einsätzen. Die Tremolo-Passagen gelangen den Musikern vortrefflich.
Viele "Bravo"-Rufe!

