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VERWIRRSPIEL MIT HAPPY HAND Stuttgarter Philharmoniker mit der Filmmusik zu Richard Strauss' "Rosenkavalier" in der Liederhalle

am 22.1.2023 STUTTGART

ALEXANDER WALTHER 23.01.2026

Eine Rarität präsentierten die Stuttgarter Philharmoniker diesmal in der Liederhalle. Gezeigt wurde nämlich der "Rosenkavalier"-Film als eines der frühen Beispiele multimedialer Verwertung einer populären Oper, die an Orchestermusiker die höchsten Ansprüche stellt. Der im Jahre 1926 emtstandene Stummfilm zeigt eine eigenständige Filmkomödie, obwohl Richard Strauss in seiner originalen Filmmusik aus dem Jahre 1925 viele Elemente seiner Oper hier integriert hat. Zu hören war eine Bearbeitung von Bernd Thewes, eingerichtet von Frank Strobel (2006). Die Kriegsszenen mit dem Marschall bieten dabei jedoch ein ganz eigenständiges klangfarbliches Tableau. Die Stuttgarter Philharmoniker musizierten unter der Leitung von Frank Strobel mit leidenschaftlichem Überschwang. Märsche und Tänze aus Strauss' Repertoire spielten  eine dominierende Rolle und ergänzten sich gegenseitig in höchst virtuoser Weise. 

Die ersten 70 Minuten dieses Films von Robert Wiene folgen den ersten beiden Akten der Oper. Der junge Graf Octavian hat ein Verhältnis mit der verheirateten Feldmarschallin. Fast wäre alles aufgeflogen, als der Vetter der Marschallin, Baron Ochs, seine Aufwartung macht. Verkleidet als Kammerzofe entkommt Octavian der peinlichen Situation, was die Hofintriganten Annina und Valzacchi bemerkt haben. Octavian wird nun als Ochsens Brautwerber zu Sophie geschickt. Er spielt den "Rosenkavalier". Er verliebt sich dabei jedoch in die Tochter des gerade geadelten Fanal. Sophie erwidert seine Gefühle, was im Film ausdrucksstark heraussticht. In dem wirkungsstarken Stummfilm kommt auch gut zur Geltung, dass der Marschallin die neue Liebe von Octavian nicht verborgen geblieben ist. Während des Maskenfestes nähert sich der eifersüchtige Marschall seiner Gattin. Der letzte, rekonstruierte Filmakt erzählt ironisch von einem glücklichen Ende - wie die berühmte Oper eigentlich auch. Octavian kompromittiert Ochs, indem er sich noch einmal verkleidet und Ochs zu einem Rendezvous verführt, das in einem Eklat endet! Annina sorgt nun für ein richtiges Happy End. Marschall und Marschallin versöhnen sich, Octavian und Sophie kommen zusammen, nur Ochs hat verloren. Michael Bohnen als fulminanter Ochs von Lerchenau, 

Huguette Duflos als melancholische Marschallin, Paul Hartmann als Marschall, Jaque Catelain als ekstatischer Octavian, Elly Felicie Berger als sensible Sophie, Carmen Cartellieri als Annina und Friedrich Feher als hinterlistiger Valzacchi liefern allesamt überzeugende Charakterporträts, die auch gut zur Musik passen. Die Stuttgarter Philharmoniker arbeiteten unter der impulsiven Leitung von Frank Strobel die melodische Kraft dieser Musik in bewegender Weise heraus. Strahlender Glanz und zarte Tönungen standen dicht beieinander. Die Überreichung der silbernen Rose besaß überwältigende dynamische Steigerungsmomente. Der Dichter Hugo von Hofmannsthal betonte: "Die Musik ist unendlich liebevoll und verbindet alles..." Das kann man auch über diese klanglich differenzierte Wiedergabe sagen. "Das wird sich komponieren wie Öl und Butterschmalz", meinte Richard Strauss über seine Oper "Der Rosenkavalier". Die Atmosphäre des lieben alten und ewig jungen Wiens zeigte sich hier in immer neuen Facetten. Die ganze Welt schien sich einem unbeschreiblichen Taumel hinzugeben. Schwingend-federnde Walzerbewegungen beherrschten die Szenerie. 

Das berührende harmonische Auf und Ab prägte sich tief ins Gedächtnis ein. Manchmal verzerrten sich die einzelnen Themen auch zur Grimasse, liefen alle gleichzeitig nebeneinander her. Und auch der drastische Ausgang im "gottverfluchten Extrazimmer" kam hier nicht zu kurz. Das Publikum im Beethovensaal zeigte sich sehr beeindruckt.

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