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"Die Goldberg-Variationen" von George Tabori im Düsseldorfer Schauspielhaus

Copyright: Sebastian Hoppe

 

Ein neues Theaterstück soll geprobt werden. Nichts Geringeres als die Geschichten der Bibel von der Schöpfung bis zur Auferstehung sind das Thema des Dramas, das Jay inszeniert. Die Probenzeit beträgt sieben Tage, genauso so lange wie die Schöpfung der Welt laut Bibel selbst gedauert hat. Das kann nicht gut gehen! Und schon bald versinkt alles im Chaos: die Schauspieler verweigern sich, der Regisseur verstrickt sich in Erinnerungen an amouröse Abenteuer, zwischen ihm und dem Regieassistenten Goldberg entwickelt sich eine Art Hassliebe. Die Kostüm- und Bühnenbildnerin macht aus der Finanz- und Zeitnot eine Tugend und tobt sich in bizarren Ideen aus: Statisten stellen die Tiere des Paradieses in Pappmaché-Kostümen dar, ein kleiner Hund wird als Lamm verkleidet, die Schnecke soll linear zum Bühnenrand kriechen. Immer wieder identifizieren sich die Schauspieler mit ihren Rollen. Der Regieassistent Goldberg muss immer öfter einspringen, bis er schließlich die gesamte Inszenierung übernimmt und alles von vorne beginnen kann.

 

George Tabori spielt in seinem Stück "Die Goldberg-Variationen" mit dem beliebten Motiv des "Theater im Theater", frei nach Shakespeare, der ja behauptet, dass die ganze Welt eine Bühne sei. So spickt denn Tabori auch sein Stück mit zahlreichen Shakespeare-Zitaten. Hinzu kommt bei ihm noch das Thema des Scheiterns, von Beckett angeregt ("Scheitern, wieder scheitern, immer scheitern, besser scheitern"), und jüdisch-religiös geprägte Weltbefragung. Tabori mischt alles zu einer clownesken Bibelshow und hinter jedem Witz werden Allüren und Eitelkeiten gnadenlos seziert.

 

Tilo Nest hat in seiner Inszenierung für das Düsseldorfer Schauspielhaus die Rolle des allmächtigen Regisseurs Jay mit einer Frau besetzt, offenbar weil Karin Pfammatter, ganz weiß als Dandy gekleidet, an den Autor der Goldberg-Variationen erinnert. So darf sie denn auch im Sessel auf der Bühne herumfahren wie George Tabori, der bekanntlich auch immer im Sessel an den Theaterproben teilnahm. Leider wirken bei ihr die Witze allzu oft schal, da das Timing nicht stimmt. Das Grauen hinter dem Witz wird auf diese Weise nicht sichtbar. Besser geglückt ist die Besetzung von Hanna Werth als Putzfrau Mopp, Terese Tormentina und Ernestina van Veen. Ganz unaufgeregt gibt Rainer Galke den Regieassistenten Goldberg und bildet zu dem durchgedrehten Plot einen beruhigenden Gegenpol. Taboris groteske und clowneske Parabel wird in dieser Inszenierung leider zum bloßen Klamauk.

 

Die Goldberg-Variationen von George Tabori

Komödie / Deutsch von Ursula Grützmacher-Tabori

 

Mit:

Mr. Jay, der Regisseur – Karin Pfammatter

Goldberg, sein Assistent – Rainer Galke

Mrs. Mopp, Putzfrau; Terese Tormentina Superstar; Ernestina van Veen; Das Goldene Kalb – Hanna Werth

Japhet; Hell's Angel – Konstantin Bühler

Raamah; Hell's Angel – Heisam Abbas

Masch; Hell's Angel – Thiemo Schwarz

 

Regie – Tilo Nest

Bühne und Kostüme – Pia Maria Mackert

Dramaturgie – Oliver Held

 

Premiere Samstag, 24. Januar 2015 / 19.30 Uhr / Großes Haus.

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