Sarah, die beste Freundin von Helene, fragt sich, was sie übersehen und versäumt hat. Mit aller Kraft versucht sie, Helenes Abwesenheit zu ersetzen. Doch schnell droht sie in den übernommenen Mutterpflichten zu versinken. Sarahs Trauer verwandelt sich plötzlich in Wut auf Helene, die alle schutzlos zurückgelassen hat. Stephanie Biesolt kann diesen seelischen Zwiespalt als Sarah sehr gut darstellen. Ihre Wut richtet sich dann auch gegen Johannes, der ihre Hilfe gedankenlos ausnutzt. Ihr eigener Partner Leon unterstützt sie auch nicht ausreichend. Anna Angelini mimt Leon ebenfalls sehr plastisch. Als Lola bietet Elena Wildmann eine packende Leistung. Als Helenes älteste Tochter rebelliert sie hemmungslos gegen diese schwierige Situation. Die Überforderung und Einsamkeit ihrer Mutter steht ihr immer wieder drastisch vor Augen.
Das viereckige Bühnenbild von Klaus-Peter Platten und das Kostümbild von Bettina Marx symbolisieren hier eine Gefängnis-Situation, aus der diese Frauen nicht ausbrechen können. Mit Kampfszenen und -einsätzen sprechen sie sich Mut zu: "Jetzt schlagen wir ihn zusammen!" Es folgt ein regelrechter Aufstand gegen die Männer. Machos und Gewalttäter werden so in die Wüste geschickt. Lolas Wut richtet sich zudem gegen Frauen wie Sarah und ihre Mutter Helene, die dieses Gesellschaftssystem unterstützen. Sie will den Kampf mit einem übermächtigen Gegner aufnehmen, was auch die Choreografie von Anna Angelini plastisch vor Augen führt. Anna Angelini mimt zugleich Sunny, Stephanie Biesolt stellt auch Alva und Mütze dar - und Alessandra Bosch kann in den Rollen von Helene, Johannes, Femme und Erzeuger gleichermaßen überzeugen.
Diese Frauen sind manchmal auch unsichtbar, treten dann aber umso deutlicher hervor! Der feministische Roman von Mareike Fallwickl beschreibt in bewegender Weise, was geschieht, wenn eine Mutter einfach aufgibt. Lola erkennt Systematik in der Tragödie und wird deswegen noch wütender. So kommt es im Laufe der Inszenierung zu einer erheblichen dramaturgischen Steigerung, die Frauen wachsen außerdem immer mehr zusammen: "Was einer von uns geschieht, geschieht uns allen." Diese Frauen wehren sich vehement, sie kämpfen gegen ihr Schicksal an und verteidigen immer wieder ihre schwierige "Care-Arbeit". Kinderbetreuung, Familie, Haushalt und Pflege von Familienangehörigen wachsen den Protagonistinnen hier über den Kopf: "Du kannst nicht einfach die Schule schwänzen!" So kommt es immer öfters zu unkontrollierten und panikartigen Situationen.
Die Wut lässt sich nicht mehr beherrschen. Kommerzialisierung, Wachstumszwang und Kapitalismus werden gegeisselt. Doch der Überlebenswille dieser Frauen ist ungebrochen.
Viele "Bravo"-Rufe im Studiotheater.


