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Alptraumhafter Mythos

"Elektra" von Richard Strauss in der deutschen Oper am Rhein

25.09.2013
Kategorien: Kritiken, Oper

Ein eckiger grauer Bau, mit gezackten Türschlitzen und offenen dunklen Fensterhöhlen, einladend ist der Königsplast nicht, stattdessen düster und abweisend. Man ahnt, dass hier das Vergnügen nicht zu Hause ist. Er füllt fast die ganze Bühne aus, bedrängt den Agierenden und lässt ihm kaum Bewegungsmöglichkeiten; die Bühnenarchitektur als mächtiges, eindrucksvolles Sinn- und Stimmungsbild für das tragische Geschick der Atriden und der Königstocher Elektra. Schwarzgekleidete Mägde sind dem Putzwahn verfallen. Der äußere Schmutz mag sich beseitigen lassen, die hinter den abgeschotteten Mauern geschehenen Verbrechen lassen sich nicht reinwaschen.

Elektra, die Königstocher, brütet dumpfe Rachgedanken aus und hofft, dass ihr Bruder Orest den Mord an ihrem Vater sühnt, einen Mord den die Mutter Klytämnestra gemeinsam mit ihrem Liebhaber Aegisth begangen hat. Elektras ganzes Dasein kreist nur um diesen einen Gedanken. Sie hat sich von der Gesellschaft zurückgezogen und legt auch auf ihr äußeres Erscheinungsbild keinen Wert mehr, wie man an ihrer nachlässigen Kleidung und Haartracht erkennen kann. Als Gegenentwurf ihre Schwester Chrysothemis, sie möchte dem Desaster in ein normales bürgerliche Leben entfliehen und träumt von einer Heirat. Die Mutter, ständig durch Elektra provoziert, findet keine Ruhe mehr.

Christof Nel versetzt Elektra aus der griechischen Antike in ein beeindruckendes alptraumhaftes Niemandsland. Architektur und dunkle Beleuchtung sind daher die bestimmenden Elemente dieser Inszenierung, die die Wucht der Musik widerspiegelt. Die Charaktere dagegen agieren eher emotional verhalten. Die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Axel Kober spielten klanggewaltig und angemessen expressiv. Catherine Foster brillierte als ödipal fixierte Elektra, nuancenreich Renée Morloc als Klytämnestra, Hans-Peter König als Orest mit warmem Timbre. Kein Alptraum, sondern ein Traum - so klingt diese Elektra-Inszenierung, die das Publikum begeisterte, noch lange nach.

Richard Strauss: ELEKTRA

Tragödie in einem Aufzug

Dichtung von Hugo von Hofmannsthal nach Sophokles

In deutscher Sprache mit Übertiteln

Musikalische Leitung: Axel Kober

Inszenierung: Christof Nel

Bühne: Roland Aeschlimann

Kostüme: Bettina Walter

Licht: Susanne Reinhardt

Chorleitung: Christoph Kurig

Szenische Analyse: Martina Jochem

Klytämnestra: Renée Morloc

Elektra: Catherine Foster

Chrysothemis: Morenike Fadayomi

Aegist: Wolfgang Schmidt

Orest: Hans-Peter König

Der Pfleger des Orest: David Jerusalem

Die Vertraute: Charlotte Quadt

Die Schleppträgerin: Aïsha Tümmler

Ein junger Diener: Michael Pflumm

Ein alter Diener: Lukasz Konieczny

Die Aufseherin: Jessica Stavros

1. Magd: Iryna Vakula

2. Magd: Sarah Ferede

3. Magd: Katarzyna Kuncio

4. Magd: Elisabeth Selle

5. Magd: Heidi Elisabeth Meie

Agamemnon: Thorsten-Kai Botenbender

Chor: Chor der Deutschen Oper am Rhein

Orchester: Düsseldorfer Symphoniker

In Kooperation mit dem Grand Théâtre de Genève

Wiederaufnahme 11.09.2013 - Opernhaus Düsseldorf

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