Darüber hinaus ist die Geschichte des Mozarteumorchesters eng mit dem Komponisten verknüpft: Es wurde vor über 180 Jahren mit Unterstützung seiner Witwe Constanze Mozart und seinen Söhnen gegründet. Die Meisterschaft im Mozartschem Stil wird auch bei der vorliegenden Aufnahme deutlich. Als Solist und Dirigent führt Roberto Gonzalez-Monjas das Ensemble hier virtuos durch die fünf Violinkonzerte, die Mozart zwischen 1773 und 1776 in Salzburg komponierte. Mit der Weiterentwicklung von Serenade und Konzert habe die Violine rasch beispiellose Bedeutung erlangt, so Gonzalez-Monjas. Tragbar, führungsstark und als Soloinstrument in Italien und Frankreich hoch angesehen, habe sie endlose Möglichkeiten zur Entfaltung von Lyrik und Virtuosität geboten. Musikalische Entdeckungen neuer Formen stehen dabei mehr im Zentrum als bloße Demonstration technischer Brillanz.
Herausragend gelingt hier in jedem Fall die bewegende Wiedergabe des D-Dur-Konzerts KV 218, das seinen Einfluss von Boccherini nicht verleugnet. Beglückend vereinigt sich dabei Boccherinis italienische Mentalität mit Mozarts geistvollem Charme. Mag etwa der Anfang des Allegro noch eher unpersönlich erscheinen, so finden die Geigen mit dem zweiten Thema doch sehr bald eigene Töne, die mit ihrer Anmut und Wärme über das bloß "Galante" weit hinausgehen und damit den Satz mit liebenswürdiger Eleganz und schöner Ausgewogenheit in eine Gefühlssphäre rücken, die auch das Andante cantabile warmherzig einhüllt. Einstein bezeichnete diesen Satz nicht umsonst als ein "Geständnis der Liebe". Gavotte und Musette melden sich dann bei dieser Einspielung elektrisierend im Schluss-Rondo, das seine Zuhörer mit dieser Weise von "Der Straßburger" überrascht. Zart und leise klingt dieser bemerkenswerte Satz aus.
Noch reifer und tiefer erscheint bei dieser hörenswerten Aufnahme das A-Dur-Konzert KV 219. Straff und federnd interpretiert das Mozarteumorchester Salzburg das erste Thema. Und das zweite Thema verbirgt seine versteckte Innigkeit. Dann setzt zu raunender Orchesterbegleitung die Solovioline fast schwelgerisch improvisierend ein. Und darauf erst legt sie mit der Geste eines Grandseigneurs über das Orchesterthema ihre selbstbewusste, schwungvolle Melodie. Köstlich und überaus originell ist hier, wie sich die beiden Linienzüge kreuzen. Eine schwärmerische Melodie verhindert den barschen Elan. Das Adagio entzündet sich an seiner Melodie von ergreifender Intensität - sie blüht bei Gonzalez-Monjas in makelloser Schönheit auf. Das Finale beginnt als reizvolles Menuett, das Grazie und Schelmerei bei dieser Interpretaton ganz deutlich mischt. Es hält leise inne und lässt das Menuett völlig ungezwungen zurückkehren. Ein Hörgenuss.
Obwohl man behauptet, dass die Violinkonzerte in B-Dur KV 207, D-Dur KV 211 und G-Dur KV 216 dem Solisten kaum Gelegenheit zur Virtuosität bieten, sind sie bei dieser Aufnahme aufgrund der spieltechnischen Lebendigkeit und Eleganz von Roberto Gonzalez-Monjas plötzlich wieder in den Mittelpunkt gerückt worden. Dies gilt ebenso für die dynamisch ausgewogene Wiedergabe des Rondos in C-Dur KV 373, wo neben der klanglichen Schönheit ein gewisser Schmerz nur wie ein fernes Echo wahrgenommen wird. Auch beim Adagio für Violine und Orchester in E-Dur KV 261 werden die reizvollen thematischen Verbindungen sofort sichtbar. Und beim Rondo in B-Dur KV 269 dominiert und imponiert der stürmische Elan gleichermaßen.
Hörenswertes Doppel-Album.


