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Liebeswirren

"Figaro" nach Wolfgang Amadeus Mozart im Düsseldorfer Schauspielhaus

10.03.2012
Kategorien: Kritiken, Oper

Ein Opernstoff im Kleines Haus des Schauspielhauses, kann das gut gehen? Ja, es kann. Können die singen? Ja, sie können (jedenfalls fast alle).

Eine halbrunde Bühnenwand aus lauter Tapetentüren, oben, unten, mittig, rechts und links, ein kostbares Intarsienparkett und zwei Cembali reichen als Bühnenausstattung. Ein Orchester gibt es nicht, daher wird die Ouvertüre vom Team auf "pam" a capella gesungen. In Markus Bothes Bearbeitung von "Le Nozze di Figaro" ist nicht die Musik das Wichtigste, sondern die Handlung, so können auch zwei Musiker reichen, die mehrere Instrumente spielen und auch ein Bandoneon zum Klingen bringen. Ein Mangel ist das hier nicht.

Die Protagonisten in Rokoko-verwandten Kostümen mit aufwändig gestylten Perücken. Susannas Dienstbotenschürze ist zu lang, oder ist der Rock dafür zu kurz? Marcellina kommt mit einem Mops daher, der als einziger in dem zweistündigen Trubel mopsgemäß stoische Geduld bewahren wird. Die Menschen in Figaro verwickeln sich dagegen in Liebe, Eifersucht, Rache, Verzeihung, Verdächtigungen, Intrigen, Lügenmärchen und amourösen Abenteuern. Zwar geht es in "Figaro" auch um Kritik an den Herrschaftsverhältnissen, das aber nur am Rande, die Liebeswirren stehen eindeutig im Vordergrund. Schließlich erinnert ja auch die Konstellation an Commedia del Arte-Handlung und -Figuren, da werden keine großen Revolutionen gemacht. Doch der Hausherr, Graf Almaviva, hat zwar die Schlüssel, aber keine Schlüsselgewalt mehr.

Markus Bothe hat das Stück temporeich inszeniert. Nur als Claudia Renner als Gräfin Almaviva ihren berührenden Klagegesang anstimmt, wird es mucksmäuschenstill im Saal. Und die beiden Musiker, Kornelius Heidebrecht und Henning Beckmann, schauen dem bunten Treiben mit gekonnt fassungslosem Staunen zu, während die vielen Türen und Türchen unentwegt durch Auf- und Abgänge, bzw. -sprünge bewegt werden. Anna Kubin als hinreißende, einfallsreiche Susanna erinnert ein wenig an Anke Engelke und Moritz Fühmann als Graf Almaviva an Uwe Ochsenknecht. Sollten sich die beiden in Mimik und Gestik da etwas abgeschaut haben? Als überaus unwiderstehlicher Cherubino ist Simin Soraya in dieser Hosenrolle zu sehen. Stefanie Reinsperger ist als Barbarina besonders drall ausstaffiert.

Das Team agiert mit überbordender Spielfreude und wird mit reichlich Beifall dafür belohnt.

Ein gelungener, zauberhafter Spaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Regie: Markus Bothe

Bühne: Robert Schweer

Kostüme: Justina Klimczyk

Musik: Kornelius Heidebrecht / Musikalische Leitung/Arrangements Klaus-Lothar Peters / Musikalische Einstudierung

Dramaturgie Ludwig Haugk

Moritz Führmann / Graf Almaviva

Claudia Renner / Gräfin Almaviva

Anna Kubin / Susanna

Florian Jahr / Figaro

Simin Soraya / Cherubino

Stefanie Reinsperger / Barbarina

Verena Reichhardt / Marcellina

Steffen Schortie Scheumann / Bartolo/Antonio

Live-Musiker (Basilio): Henning Beckmann / Kornelius Heidebrecht

Premiere 30. Dezember 2011

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