Theaterkompass.de Logo

Triumph der Liebe

"Xerxes" von Georg Friedrich Händel in der Deutschen Oper am Rhein

04.02.2013
Kategorien: Kritiken, Oper

Was im Barock an Ausstattungsopulenz bereits üblich war, hier findet es seine adäquate Wiederkehr: falsche Tiere, illusionistische Bühnenmalerei, Drehbühne und ausgeprägte Bühnenmaschinerie, prächtige Kostüme, Geschlechterwechsel in den Rollenbesetzungen mit entsprechenden Verkleidungen und Handlungsverwirrungen, Liebe, Intrige und Eifersucht.

Zuerst himmelt Xerxes mit der legendären Arie "Ombra mai fu" noch eine Platane an, dann wirft er trotz seiner Verlobung mit Amastris alsbald ein Auge auf Romilda, die Angebetete seines Bruders Arsamenes und versucht diese für sich zu gewinnen, während Romildas Schwester Atalanta sich in Arsamenes verliebt hat und entsprechende Intrigen spinnt, um ihn für sich zu gewinnen.

Es ist eine Posse. Das kann man wirklich nicht ernst nehmen und so spielt Stefan Herheimer auch leicht ironisch mit der simplen Geschichte, indem er z. B. die entsprechenden weiblichen und männlichen Protagonisten als Zwillinge kleidet und damit das Verwirrspiel weiter treibt. Er wirft die Illusionsmaschinerie des Theaters zwar an, aber nur um sie zugleich zu dekonstruieren, indem Anreden an das Publikum gerichtet werden und Xerxes sich im Dialog mit den Musikern befindet.

Kastraten gibt es heutzutage nicht mehr. Dafür dürfen sich jetzt die Opernbesucher in dieser Inszenierung in Düsseldorf auf zwei exzellente Countertenöre in den Hauptpartien freuen, Valer Barna-Sabadus als Xerxes und Terry Wey als Arsamenes. Alle Bühnenfiguren entsprechen allbekannten Rollentypisierungen. Xerxes als König hat dabei dezente Stilanleihen an Ludwig XIV. genommen, während Arsamenes eher einem bodenständigeren Schäfertyp zuneigt. Katarina Bradi? gibt die Amastris leicht amazonenhaft und Heidi Elisabeth Meier ist ganz tugendhafte Romilda, während Anke Krabbe als intrigante Atalanta aus dem Komödientopf schöpfen darf. Hagen Matzeit als Elviro schlüpft als Bote in die Rolle eines Blumenmädchens und berlinert in Reminiszenz an ein anderes berühmtes Bühnenblumenmädchen (die Eliza aus My Fair Lady). Nur Torben Jürgens als Ariodates, Hauptmann und Vater von Romilda und Atalanta, scheint von den Turbulenzen um ihn herum ganz unbeleckt.

Den überragenden Leistungen des Gesangsensembles stand die Neue Düsseldorfer Hofmusik in nichts nach, sie musizierte mit sicht- und hörbarer Spielfreude. Und so gab es für diese dreieinhalb Stunden pures Opernglück langen enthusiastischen Applaus.

Xeres (Dramma per musica in drei Akten) in deutscher Sprache

Libretto nach Niccolò Minato und Silvio Stampiglia

Deutsche Übersetzung von Eberhard Schmidt

In der Einrichtung von Stefan Herheim

Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin

Musikalische Leitung: Konrad Junghänel

Inszenierung: Stefan Herheim

Szenische Einstudierung: Annette Weber

Bühne: Heike Scheele

Kostüme: Gesine Völlm

Licht: Franck Evin

Chorleitung: Christoph Kurig

Dramaturgie: Alexander Meier-Dörzenbach

Xerxes: Valer Barna-Sabadus

Arsamenes: Terry Wey

Amastris: Katarina Bradi?

Romilda: Heidi Elisabeth Meier

Atalanta: Anke Krabbe

Ariodates: Torben Jürgens

Elviro: Hagen Matzeit

Chor: Chor der Deutschen Oper am Rhein Orchester: Neue Düsseldorfer Hofmusik

Premiere am Samstag, 26. Januar 2013 im Opernhaus Düsseldorf

Weitere Informationen zu diesem Beitrag



Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

Teile den Beitrag auf

Background image of the page