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Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Pemiere 9. Oktober 2021, Opernhaus Düsseldorf

Dagmar Kurtz 21.11.2021
Kategorien: Kritiken, Deutschland, Oper

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in Frage. Ständige Nachgiebigkeit kann auch als Schwäche ausgelegt werden, und im entstehenden Machtvakuum übernehmen andere die Entscheidung.

© Bettina Stöß

So könnte der umgedeutete, bittere Schluss der Oper interpretiert werden. Dieser kommt umso überraschender als der Handlungsverlauf sich ansonsten strikt an das Libretto hält. Tito der milde Herrscher, der alles verzeiht, erliegt fast einem von Vitellia geplanten Attentat, das Kapitol brennt nieder, die Stadt ist in Aufruhr.

Genau sind die Gefühlsregungen der Protagonisten ausgelotet, besonders sticht dabei Maria Kataeva als Sesto hervor, die in jedem ihrer Auftritte im Stück glänzt. Eindrucksvoll ist auch die Herausstellung der beiden Solisten der Bassettklarinette und des Bassetthorns - zwei zu Mozarts Zeit neue Instrumente -, die auf der Hauptbühne auftreten und in einen bezaubernden, intimen Dialog mit den Sängerinnen treten. Unter dem Dirigat von Marie Jacquot spielten die Düsseldorfer Symphoniker einfühlsam und prägnant.

Eine wunderschöne Ensembleleistung, die beim Publikum viel Anklang fand.

Wolfgang Amadeus Mozart
La clemenza di Tito
Opera seria in zwei Akten (1791)
Libretto von Caterino Mazzolà nach Pietro Metastasio

Musikalische Leitung: Marie Jacquot
Inszenierung: Michael Schulz
Bühne: Dirk Becker
Kostüme: Renée Listerdal
Chorleitung: Gerhard Michalski
Licht: Volker Weinhart
Dramaturgie: Maurice Lenhard

Tito: Jussi Myllys
Vitellia: Sarah Ferede
Sesto: Maria Kataeva
Annio: Anna Harvey
Servilia: Lavinia Dames
Publio: Torben Jürgens
Düsseldorfer Symphoniker
Chor der Deutschen Oper am Rhein

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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