Das Paar Johannes und Käthe Vockerat: ihr Sonn ist gerade geboren – doch die rechte Freude will sich nicht einstellen. Johannes steckt mit seiner wissenschaftlich-philosophischen Arbeit in einer Schaffenskrise. In Käthe findet er nicht die Partnerin, mit der er darüber reden könnte. Käthe wiederum steckt in einer tiefen Kinnbettdepression – ein Tabuthema unserer Gesellschaft, so kann auch sie darüber nicht reden. Die Eltern von Johannes versuchen mit aller Kraft, die Fassade der guten Familie aufrecht zu erhalten. Doch mehr als alt überlieferte Floskeln fallen ihnen dazu nicht ein.
In diese Atmosphäre des schmerzlichen Stillstands tritt die junge und emanzipierte Studentin Anna Mahr in die Familie herein. Sie erweist sich für Johannes als adäquate Gesprächspartnerin, die sein philosophisches Interesse teilt – eine Verwandte im Geiste. Doch statt sie als Eindringling zu betrachten, als konkurrierende Frau, die die Familienidylle zu bedrohen scheint, untersucht Mattenklotz mit dem Einbruch des Fremden auch die Möglichkeit, neue Lebensformen auszuloten und hinterfragt damit auch unsere männlichen und weiblichen Rollenbilder und Beziehungsmuster.
Das Inszenierungsteam
Nina Mattenklotz (Regie) wurde 1980 in Gütersloh geboren und studierte von 2000 bis 2004 Medienkultur, Neuere deutsche Literatur und Psychologie an der Universität Hamburg. Von 2004 an folgte ein Regiestudium an der Theaterakademie Hamburg, das sie 2008 mit der Inszenierung „Woyzeck“ auf Kampnagel abschloss. Im selben Jahr wurde sie mit dem Doctores-Völschau-Preis für Nachwuchsregie ausgezeichnet. Einige ihrer in der Studienzeit erarbeiteten Inszenierungen wurden zu Festivals, wie dem Körber Studio Junge Regie („Elektra“) und dem Heidelberger Stückemarkt, eingeladen. Als freie Regisseurin inszenierte sie u. a. am Schauspielhaus Wien die österreichische Erstaufführung von „Die Eisvögel“ sowie Rainer Werner Fassbinders „Katzelmacher“ am Schauspielhaus Graz und „Romeo und Julia“ am Theater Luzern. Am Theater Bremen inszenierte sie Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ sowie die Uraufführung „Ännie“ von Thomas Melle. Am Schauspielhaus Chemnitz inszenierte sie bisher das Gewinnerstück des Chemnitzer Theaterpreises für junge Dramatik „Die Zärtlichkeit der Hunde“ von Uta Bierbaum (2016) sowie „Die Räuber“ von Friedrich Schiller (2017).
Regie: Nina Mattenklotz
Bühne und Kostüme: Johanna Pfau
Es spielen: Jan Gerrit Brüggemann (Johannes Vockerat), Magda Decker (Käthe Vockerat), Seraina Leuenberger (Anna Mahr), Christian Ruth (Braun), Susanne Stein (Frau Vockerat), Andreas Manz-Kozár (Herr Vockerat)
31. Januar / 15. + 23. Februar, jeweils 19.30 Uhr
Bild Gerhart Hauptmann
"Einsame Menschen", Drama von Gerhart Hauptmann, Städtische Theater Chemnitz
Premiere: 26. Januar 2019, 19.30 Uhr im Schauspielhaus Chemnitz
19.01.2019
Die Familie: engster Kreis, Ort von Nähe und Geborgenheit, von Vertrauen. All das kann Familie sein – sie kann aber auch Ort des größten Unglücks sein. In „Einsame Menschen“ untersucht die Regisseurin Nina Mattenklotz die Entstehung von Einsamkeit und Kommunikationslosigkeit, von Sprachlosigkeit und Vereinzelung. Was in unserer schnelllebigen und von vielen Umbrüchen geprägten Zeit in verschiedenen Kontexten häufig vorkommt, schmerzt in einer Gruppe von engsten Bezugspersonen besonders stark.

