
»Man bereut es hinterher, dass man so gut ist«, soll Adolf Hitler in seinen letzten Lebenstagen im Berliner Führerbunker gesagt haben. Bis zu diesen Momenten Ende April 1945 war es ein weiter und nicht immer geradliniger Weg für den sich als sensiblen Künstler verstehenden Schnauzbartträger aus Braunau am Inn. Entscheidende Impulse erhielt der spätere Diktator zwischen 1907 und 1910, als er sich mehrmals für ein Studium an der Wiener Kunstakademie bewarb — für ihn bedauerlich und für die Menschheitsgeschichte fatalerweise ohne Erfolg.
Der Abgewiesene ohne Ausbildung und finanzielle Rücklagen findet Unterkunft in einem Obdachlosenasyl. Hier beginnt George Taboris Farce: Der junge Hitler lernt im Asyl den jüdischen Bibelverkäufer Herzl kennen, der sich mit dem Koch Lobkowitz ein Zimmer teilt. Herzl versucht den zunächst unbeholfen-naiven Möchtegernkünstler mit Ratschlägen zu unterstützen und schlägt ihm vor, sich von der Malerei ab- und der Politik zuzuwenden. Und während Herzl beim Frisieren und Rasieren die äußere Erscheinung des späteren Führers kreiert, erzählt er diesem überdies auch noch von einem Buch, an dem er gerade arbeitet: »Mein Kampf«. Als Herzl merkt, auf welchen Boden sein gut gemeinter Rat fiel, ist Hitler bereits unaufhaltsam unterwegs an die Spitze des Dritten Reichs.
Tabori erzählt mit bitterem Humor seine Version der Vorgeschichte eines verbrecherischen Extremisten — die Wandlung des perspektiv- und machtlosen Unterdrückten zum zielstrebigen Machtergreifer und Unterdrücker — und reflektiert sarkastisch das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte.
Inszenierung Jessica Sonia Cremer
Bühne Susanne Harnisch
Kostüme Mona Hapke
Licht Marcus Denk
Licht Gerolf Haaga
Dramaturgie Dr. Christian Katzschmann
Dramaturgie (Mitarbeit) Natalie Broschat
Regieassistenz, Abendspielleitung & Inspizienz Sonja Halter
Mit
Gunther Nickles (Herzl) Stephan Clemens (Lobkowitz) Rudi Grieser (Hitler) Emma Lotta Wegner (Gretchen) Christel Mayr (Frau Tod) Björn Ingmar Böske (Himmlisch)