
Im Kampf um die Gunst des Volkes stehen sich die kühle Vernunft des Pentheus und das anarchische Lustprinzip der Dionysos gegenüber. Bitch, I’m a Goddess bedient sich des antiken Bakchen-Mythos und erzählt von einer Welt, die an der Radikalisierung ihrer Gegensätze zerbricht.
Die kanadische Autorin Anne Carson hat die antike Tragödie 2007 neu übersetzt und ihr einen direktpoetischen Klang gegeben, der die Distanz zwischen heutigen Lebensrealitäten und dem alten Stoff mühelos überbrücken kann. Sie schreibt: „Euripides war ein Dramatiker des fünften Jahrhunderts v. Chr., der die griechische Tragödie neu erfand und sie auf einen Weg brachte, der direkt zum Reality-TV führt. Seine Stücke brachen alle Regeln, stellten Konventionen auf den Kopf und empörten konservative Kritiker. Die Bakkhai ist sein subversivstes Stück. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, der nicht zugeben kann, dass er lieber in der Haut einer Frau leben würde, und einer Gottheit, die alle Sexualitäten in einer einzigen ruinösen Forderung nach Anbetung zu vereinen scheint. Dionysos ist die Gottheit des Rausches. Wenn man einmal unter ihren Einfluss gerät, weiß man nicht, wo man landet.“
Der israelische Regisseur und Choreograf Guy Weizman will sich diesen elementaren Fragen unseres Zusammenlebens stellen. Er leitet mit Roni Haver das Noord Nederlandse Toneel Groningen. Bitch, I’m a Goddess sollte ursprünglich in der vergangenen Spielzeit erarbeitet werden, musste aber pandemie-bedingt verschoben werden. Stattdessen ergab sich durch den gemeinsamen Theaterfilm 3 Poems im Frühjahr 2021 eine erste künstlerische Auseinandersetzung zwischen dem Regisseur Guy Weizman und dem Ensemble des Schauspiel Hannover.
Hinweis für sensorisch empfindliche Personen: Bei der Produktion Bitch, I‘m a Goddess kommt Stroboskoplicht zum Einsatz.
Regie Guy Weizman
Bühne Ascon De Nijs
Kostüme MAISON the FAUX
Licht Maarten van Rossem
Musik Benjamin Luke Deane
Dramaturgie Friederike Schubert
Mit
Anja Herden,
Alrun Hofert,
Wolf List,
Kaspar Locher,
Nils Rovira-Muñoz,
Katherina Sattler
Mi, 23.02.2022 / 19:30 Uhr
Schauspielhaus
Fr, 11.03.2022 / 19:30 Uhr
Schauspielhaus
Do, 24.03.2022 / 19.30 Uhr