Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
„Die Redaktion“ von Calle Fuhr im Volkstheater Wien in den Bezirken „Die Redaktion“ von Calle Fuhr im Volkstheater Wien in den Bezirken „Die Redaktion“ von...

„Die Redaktion“ von Calle Fuhr im Volkstheater Wien in den Bezirken

Premiere: 28. April 2023, 19:30 Uhr im VZ Brigittenau, 20. Bezirk

Ein Abend über Macht, Korruption und die Kraft des investigativen Journalismus in der Regie von Calle Fuhr, gemeinsam erarbeitet mit der Investigativ-Plattform DOSSIER

 

Die OMV steht aktuell im Fokus der medialen Berichterstattung: So entlarvte Jane Fonda kürzlich beim Opernball medienwirksam das Greenwashing des Mineralölkonzerns. Gleichzeitig bezieht Österreich sein Gas überwiegend aus Russland – trotz Russlands Angriffskrieg in der Ukraine und der damit einhergehenden, weitreichenden europäischen Sanktionen. Die OMV, die als teilstaatlicher Konzern unsere Gasversorgung sicherstellt, erklärt dies mit langfristigen, quasi unkündbaren Verträgen. Abgeschlossen wurden diese Verträge unter Rainer Seele – dem im Sommer 2021 plötzlich zurückgetretenen Vorstandschef des Unternehmens.

 

Copyright: Marcel Urlaub

Bereits seit 2020 recherchieren die Journalist*innen des investigativen Magazins DOSSIER über Rainer Seele und diesen Konzern, der mit seinen über 20.000 Mitarbeiter*innen einer der wenigen österreichischen Big Player auf internationalem Parkett ist. Kritische Berichterstattung über den Milliardenkonzern gab es zuvor kaum und wenn, dann fiel sie auffallend handzahm aus – schließlich ist die OMV einer der größten Werbepartner im österreichischen Inseratengeschäft und Großsponsor. Bei DOSSIER kann man allerdings nicht inserieren. Deswegen entschließt sich das Recherchekollektiv zu einer großen, risikoreichen Untersuchung des OMV-Komplexes und all seiner Schattenseiten. Und setzt dabei alles aufs Spiel: Der teilstaatliche Mineralölkonzern reagiert auf die kritische Berichterstattung der Investigativplattform mit einer Schadensersatzklage in der Höhe von 130.000 Euro.

 „Eine klassische Einschüchterungsklage“, nennt es Rechtsanwältin Maria Windhager. Es war hierzulande eine der ersten SLAPP-Klagen nach US-amerikanischem Vorbild. Nach kollektiver Unterstützung aus der Zivilgesellschaft, der gesamten Medienlandschaft, NGOs und der Politik geriet die Chefetage der OMV unter solchen Druck, dass sich eine Kettenreaktion von historischen Ereignissen in Gang setzte.

Autor und Regisseur Calle Fuhr bringt nach „Heldenplätze“ (2021) mit „Die Redaktion“ nun erneut eine folgenreiche Investigativ-Recherche auf die Bühne. Inspiriert von Filmen wie „She Said“ und „Spotlight“ kreiert der gebürtige Düsseldorfer Calle Fuhr ein augenöffnendes Stück über Journalismus – und gleichzeitig einen Thriller über fragwürdige Vorgänge in den Chefetagen der österreichischen Politik und Wirtschaft.

Warum geht es hier eigentlich? Es geht um das fossile Macht-System der OMV, das unsere Gegenwart und Zukunft maßgeblich prägt. Es geht um Postenschacher innerhalb der Regierung und der staatlichen Beteiligungsholding ÖBAG, Greenwashing und geheime Sponsoringverträge mit Wladimir Putins Lieblings-Fußballklub Zenit St. Petersburg. Es geht um die Überwachung von Klimaaktivist*innen von Greenpeace und Fridays For Future, sowie der Mitarbeiter*innen der OMV. Es geht um die teuerste Firmenübernahme der österreichischen Wirtschaftsgeschichte und um sehr viel Steuergeld, welches das Luxusleben des CEOs Rainer Seele finanziert hat. Und nicht zuletzt geht es um die Wirkkraft und Zukunft von unabhängigem Journalismus.

Fakt trifft auf Fiktion
„Die Redaktion“ ist inspiriert von den Rechercheergebnissen der Journalist*innen von DOSSIER zur OMV, die erstmals künstlerisch für die Bühne adaptiert werden. Der 28-jährige Autor und Regisseur Fuhr arbeitet dabei mit Original-Dokumenten, die teilweise noch nicht veröffentlicht sind, nimmt Ibiza- und ÖVP-Korruptions-U-Ausschuss-Protokolle unter die Lupe und seziert die berühmt-berüchtigten Chatprotokolle von HC Strache.

Es spielt ein vierköpfiges Ensemble bestehend aus Gerti Drassl (u.a. Deutscher Schauspielpreis), Murali Perumal (bekannt aus „Der Aufschneider“), Christoph Schüchner (Ensemblemitglied am Wiener Volkstheater) und Magdalena Simmel (Volkstheater-Studio).

Nach „Black Flame“ (Regie Manuela Infante) und „Öl!“ (Regie Sascha Hawemann) ist „Die Redaktion“ eine weitere Produktion im Rahmen des Themenschwerpunkts Öl im Volkstheater.

DIE REDAKTION
Uraufführung
von Calle Fuhr, in Kooperation mit DOSSIER
Regie Calle Fuhr

Mit: Gerti Drassl, Murali Perumal, Christoph Schüchner, Magdalena Simmel

Bühne: Calle Fuhr
Kostüm: Friederike Wörner
Video-Art: Marvin Kanas, Lisa Rodlauer
Dramaturgie: Matthias Seier

Premiere: 28. April, 19:30 Uhr im VZ Brigittenau, 20. Bezirk
anschließend bis 6. Juni auf Bezirke-Tournee

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 19 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

DEM VOLKSTÜMLICHEN VERBUNDEN -- Zweiter Teil des Tschaikowsky-Zyklus' mit dem Staatsorchester Stuttgartder in der Liederhalle/STUTTGART

Das Staatsorchester Stuttgart musizierte unter der elektrisierenden Leitung von Cornelius Meister im zweiten Teil des Tschaikowsky-Zyklus zunächst die selten zu hörende Sinfonie Nr. 2 in c-Moll aus…

Von: ALEXANDER WALTHER

ANKLÄNGE AN SCHWANENSEE --Tschaikowsky-Zyklus, 7. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart unter Cornelius Meister

Die eher selten zu hörende Sinfonie Nr. 1 in g-Moll "Winterträume" op. 13 von Peter Tschaikowsky besitzt überraschende Anklänge an dessen Ballettmusiken zu "Nussknacker" und "Schwanensee", was…

Von: ALEXANDER WALTHER

MIT STÜRMISCHER BEWEGUNG -- Carl-Flesch-Akademie Baden-Baden mit Meisterkonzert 2.0 Kammermusik im Hotel Maison Messmer

Diesmal konnte man die Auslese aus fast 280 Bewerbungen aus 56 Ländern hören. Es war ein ausgezeichnetes Kammermusik-Konzert der Extraklasse. Zunächst erklang das mit feinsinniger Balance musizierte…

Von: ALEXANDER WALTHER

LIEBE IST ETWAS WUNDERBARES -- Martina Gedeck und Xavier de Maistre im Ordenssaal bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

"Licht und Schatten" in Musik und Literatur beleuchteten sehr eindrucksvoll die bekannte Schauspielerin Martina Gedeck und der berühmte Harfenist Xavier de Maistre im Ordenssaal. Von Rainer Maria…

Von: ALEXANDER WALTHER

Schlussapplaus -- „Favourite Things“ von Demis Volpi in der deutschen Oper am Rhein

Das Beste kommt zum Schluss! Lieblingstücke der Ballettkompagnie, des Publikums, des Ballettdirektors, mit „Favourite Things“ verabschiedet sich Demis Volpi vom Ballett am Rhein um die Nachfolge von…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑