Von Düffel erzählt in seinem Theatertext vom Dilemma des Erfinders Dädalus aus der Rückschau – wem diente er, wem nützte seine Arbeit, was war der Ertrag? Konterkariert von Begegnungen mit seinen Finanziers, dem Potentaten Minos und dessen Frau Pasiphae, reflektiert Dädalus nach dem Tod des Sohnes Ikarus die Risiken seines Talents und seiner Profession. Dabei interessieren von Düffel in seiner burlesk angelegten Antiken-Paraphrase sowohl die amoralische Nähe des Künstlers zur Macht und dessen persönliche Hybris als auch die »Funktion« von Kunst und Wissenschaft als (niedere) Bedürfnisbefriedigung zahlungskräftiger oder einflussreicher Klienten.
Zum 250. Geburtstag des Ulmer Flugpioniers Albrecht Ludwig Berblinger startet das Theater Ulm mit zwei Uraufführungen als Auftragswerke in seine Jubiläumsspielzeit. Während sich Ulf Schmidts »Berblinger. Schneider.« dem Erfinder und Sozialrevolutionär selbst widmet, greift John von Düffel als Autor von »Ikarus« auf den thematisch verwandten Mythos zurück, um die Stellung des Künstlers in der Gesellschaft zu untersuchen.
In der Inszenierung von Schauspieldirektor Jasper Brandis spielen Maurizio Micksch (Dädalus), Markus Hottgenroth (Minos) und Tini Prüfert (Pasiphae).
Das Kostümbild von Petra Mollérus bedient Antikenklischees versetzt mit einem Hauch von Trash und Porno. Das ebenfalls von ihr entworfene Bühnenbild rückt das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes ins Zentrum des Podiums und bietet eine Nähe zum Ensemble, die das Publikum auszuhalten lernen muss.
Inszenierung Jasper Brandis
Ausstattung Petra Mollérus
Sounddesign Daniel Hatvani
Sounddesign Daniel Konold
Sounddesign Jens Schalle
Dramaturgie Dr. Christian Katzschmann
Mit
Maurizio Micksch (Dädalus) Markus Hottgenroth (Minos) Tini Prüfert (Pasiphae)
Uraufführung: "Ikarus" von John von Düffel im Theater Ulm
Premiere am Samstag, 5. Oktober 2019, 19.30 Uhr, im Podium des Theaters Ulm
01.10.2019
In vielen antiken Dichtungen überliefert, erfasst der Mythos von Dädalus und Ikarus einen Aspekt, der uns intensiver denn je beschäftigt: der Drang zur Grenzüberschreitung, der Menschen von der Verantwortung für ihr Handeln befreit. In seine Bearbeitung des Stoffes implementiert John von Düffel auch die Frage nach der Dialektik des ›Fortschritts‹ und den moralischen Einsprüchen: Ist alles legitim, was menschenmöglich ist? Welche Verantwortung trägt der Künstler und Forscher für die von ihm kreierten Objekte und Optionen; wie autonom ist er in seiner Arbeit?

