Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Realitätsverlust -- „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner in der Deutschen Oper am RheinRealitätsverlust -- „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner in der...Realitätsverlust -- ...

Realitätsverlust -- „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner in der Deutschen Oper am Rhein

Premiere am 16. Juni 2024, Opernhaus Düsseldorf

Der Holländer fliegt dieses Mal nicht über Meere, sondern zeigt sein markantes Seebärengesicht auf einer Filmleinwand. In Vasily Barkhatovs Inszenierung des "Fliegenden Holländers" von Richard Wagner für die Deutsche Oper am Rhein begeistert sich Senta schon als kleines Mädchen für die Sage vom "Fliegenden Holländer". Das bleibt auch so als Jugendliche und junge Frau. Immer wieder flüchtet sie sich aus der schnöden Realität in die Traumwelt des Films und besucht das Kino in Dauerschleife. Ihrer Mutter ist das nur allzu recht, kann sie doch die Zeit während Sentas Kinobesuch für Treffen mit ihrem Liebhaber nutzen.

 

Copyright: Sandra Then

Das Kino befindet sich in einer Shoppingmall mit Karussell, Greifautomat, Cafe und Kebab Bude. Hier trifft man sich nicht nur zum Einkauf, sondern auch in Fankleidung zum gemeinsamen Fußball schauen. Ins Kino nimmt man selbstverständlich Popcorntüte und Softdrinkbecher und daddelt ungeniert auf dem Handy. Störenfriede verweist Senta rigoros des Saales, sie will sich ganz dem Fliegenden Holländer Film hingeben. Schließlich sieht sie sich als diejenige, die den Holländer von seinem Fluch erlösen kann und träumt sich selbst in den Film hinein. Anfangs gehen Sentas Eltern noch begeistert mit ins Kino, aber eines Tages wird dem Vater das obsessive Verhalten seiner Tochter denn doch zu viel, zumal sie auch ihrem Verlobten den Laufpass gibt. Um sie zu kurieren und wieder in die Realität zurückzuführen, engagiert er per Email den Darsteller des Leinwandheldens um eine Begegnung mit Senta herbeizuführen. Doch als dieser sich seines Kostümes entledigt, um ihr klar zu machen, dass sie sich Illusionen hingibt, entschwindet Senta einfach wieder ins Kino.

Fischfangquoten und riesige Containerschiffe: von der einstigen Seefahrtromantik ist nichts übrig geblieben. So ist der der profane Blick auf diesen romantischen Mythos vom Seemann, der auf ewig dazu verdammt ist, auf dem Meer zu fahren, es sei denn er fände eine Frau, die ihn durch ihre Treue zu ihm erlöst, nicht nur ungewöhnlich, sondern auch konsequent. Die dynamische Umsetzung ins moderne Alltagsleben funktioniert hervorragend und ist bis zum Schluss faszinierend und unterhaltsam.

Das Publikum zeigt sich nicht nur begeistert von den Düsseldorfer Symphonikern unter dem Dirigat von Axel Kober, sondern auch von Michael Volle als Holländer und insbesondere von Gabriela Scherer, die die Partie der Senta mit Bravour meisterte.

Musikalische Leitung: Axel Kober
Inszenierung: Vasily Barkhatov
Bühne: Zinovy Margolin
Kostüme: Olga Shaishmelashvili
Lichtdesign: Alexander Sivaev
Chorleitung: Patrick Francis Chestnut
Dramaturgie: Anna Grundmeier, Anna Melcher

Daland: Bogdan Taloș
Senta: Gabriela Scherer Michael Volle
Erik: Jussi Myllys
Mary: Anna Harvey
Steuermann: David Fischer
Der Holländer: Michael Volle
Chor der Deutschen Oper am Rhein
Düsseldorfer Symphoniker

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 14 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

MIT RASANTEM SCHMISS -- Monrepos Open Air - Abschlusskonzert der Ludwigsburger Schlossfestspiele

Diesmal war nun endlich die lang erwartete mexikanische Dirigentin Alondra de la Parra zu Gast bei den Schlossfestspielen. Zunächst musizierte das exzellente Orchester des Goethe-Gymnasiums…

Von: ALEXANDER WALTHER

IM BAUCH DES RITTERS -- "Falstaff" von Giuseppe Verdi in der Blauen Halle - Mainfrankentheater Würzburg

In der einfallsreichen Inszenierung von Magdalena Fuchsberger (Bühnenbild und Kostüme: Monika Biegler, Video: Aron Kitzig) befindet sich die Handlung im Bauch des alternden Ritters Falstaff, der von…

Von: ALEXANDER WALTHER

LEIDENSCHAFTLICHE AUSBRÜCHE -- SWR Symphonieorchester mit Eva Ollikainen in der Liederhalle Stuttgart

Das "Märchenpoem" von Sofia Gubaidulina war eine echte Überraschung. Denn die finnische Dirigentin Eva Ollikainen arbeitete mit dem SWR Symphonieorchester die elektrisierend-durchsichtige Klangfläche…

Von: ALEXANDER WALTHER

WANDERER ZWISCHEN DEN WELTEN -- Galeriekonzert der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie in der Staatsgalerie STUTTGART

Unter dem Motto "Wanderer" fand diesmal das Galeriekonzert mit dem begnadeten Bass-Bariton Jochen Kupfer statt, der einfühlsam von Marcelo Amaral am Flügel begleitet wurde. Die Lieder von Franz…

Von: ALEXANDER WALTHER

DEM VOLKSTÜMLICHEN VERBUNDEN -- Zweiter Teil des Tschaikowsky-Zyklus' mit dem Staatsorchester Stuttgartder in der Liederhalle/STUTTGART

Das Staatsorchester Stuttgart musizierte unter der elektrisierenden Leitung von Cornelius Meister im zweiten Teil des Tschaikowsky-Zyklus zunächst die selten zu hörende Sinfonie Nr. 2 in c-Moll aus…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑