Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Luzerner Theater: L'ELISR D'AMORE von Gaetano DonizettiLuzerner Theater: L'ELISR D'AMORE von Gaetano DonizettiLuzerner Theater:...

Luzerner Theater: L'ELISR D'AMORE von Gaetano Donizetti

Premiere: 17. März 2007, 19.30 Uhr.

 

Die Wirkung von Alkohol ist nicht zu unterschätzen! Diese Erfahrung macht vor allem der Spirituosenverkäufer selbst, der harmlosen Rotwein als Liebestrank verabreicht – und plötzlich wird aus dem schüchternen Verehrer ein virtuoser Don Juan, dem bald alle Frauen – einschließlich der widerspenstigen Angebeteten – zu Füssen liegen …

 

 


Als der Librettist Felice Romani 1831 von der französischen Oper «Le Philtre» von Daniel François Esprit Auber Wind bekam, erkannte er sogleich den Reiz des Stoffes: Vor dem Hintergrund einer mit Humor ge­zeichneten Dorfidylle verwickeln sich ein verliebter Bauer, eine stolze Pächterin, ein großspuriger Sergeant und ein schwindelnder Quacksalber in zahllose Missverständnisse, zur Problemlösung setzt man schließlich auf Magie und erliegt der Magie des Unbekannten in sich selbst. Bei der Vertonung dieser turbulenten Pastorale orientierte sich Gaetano Donizetti an der Opera buffa des 18. Jahrhunderts: Melodienselig und ausdrucksstark, aber mit größter Hingabe an das Detail erfasst die Musik die Charak­tere ebenso wie das Ambiente und die Situationen, um im Schein einer «heilen Welt» menschliche Ängste und Sehnsüchte aufzuzeigen.

 

Die Inszenierung verlegt die Handlung aus dem «baskischen Dorf» zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ein Theater in Italien zu Beginn der 1940-er Jahre. Adina ist die gefeierte Primadonna einer kleinen Theatertruppe, die sich in den Kriegswirren mit unerschütterlichem Optimismus über Wasser hält. Man spielt Komödien von Goldoni und Komödie mit den Machthabern. Zum ungewollten Autor der Handlung aber avanciert der Gastschauspieler Dulcamara, der – vor allem für seine hinreissende Interpretation der damals so beliebten Scharlatanfigur berühmt – plötzlich für den Inspizienten Nemorino seine Rolle im wirklichen Leben weiterspielen muss. Kein Wunder: Wer so unglücklich ver­liebt ist wie dieser, dem verschwimmt Fiktion und Realität, dem ist es ernst – auch im Spiel …

 

Während das Bühnenbild das Luzerner Theater im Theater verdoppelt, orientiert sich das Kostümbild an dem Look jener Jahre, insbesondere präsent in den Filmen des italienischen Neorealismo. In den geprobten Theaterszenen hingegen lebt die Commedia dell’arte auf und verweist damit auch auf die Bezüge, die der Librettist Felice Romani in seinen Figuren angelegt hat. Denn das Faszinierende an dieser romantischen komischen Oper ist gerade der immer wieder spürbare Übergang vom festge­legten Typus zum beweglichen Menschen, vom Schema zur Lebensfülle – und nicht zuletzt steht dafür auch der Liebestrank: In den Patienten gelangen eben keine Wundermittel sondern Mut und Hoffnung.

 
Mit:
Teodora Gheorghiu, Caroline Vitale, Madelaine Wibom; Howard Quilla Croft, Martin Nyvall, Boris Petronje, Chor und Extrachor des Luzerner Theaters, Luzerner Sinfonieorchester, Statisterie des Luzerner Theaters


Produktionsteam: John Axelrod (Musikalische Leitung), Dominique Mentha (Inszenierung), Werner Hutterli (Bühnenbild), Anna Ardelius (Kostüme), Lev Vernik (Chorleitung), Gérard Cleven (Licht), Christian Kipper (Dramaturgie)

 
Weitere Vorstellungen: 23.03., 25.03. (20.00 Uhr), 31.03., 08.04., 11.04., 13.04., 15.04., 22.04. (13.30 Uhr), 29.04. (20.00 Uhr), 26.05., 02.06., 07.06., 14.06.2007, jeweils 19.30 Uhr

 

 

Am 01. April 2007 (13.30 Uhr) wird die Oper «L’elisir d’amore» in einer Version für Kinder und Jugendliche aufgeführt.

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 15 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

REISE NACH PARIS - "Mitten im Orchester" mit den Stuttgarter Philharmonikern im Gustav-Siegle-Haus in Stuttgart

Wieder nahmen die Stuttgarter Philharmoniker ihr Publikum auf eine aufregende Reise "Mitten im Orchester" mit. Diesmal stand Paris im Mittelpunkt. Igor Strawinskys Suite für kleines Orchester Nr. 1…

Von: ALEXANDER WALTHER

MUSIK DER WORTE - 1. Liedkonzert mit Mingjie Lei und Jan Philip Schulze in der Staatsgalerie Stuttgart

Mit der tonalen und melodisch eingängigen Komposition "Jin Se" des chinesischen Komponisten Long Wang wurde dieses besondere Liedkonzert eröffnet. Dieses Lied basiert auf einem 3000 Jahre alten…

Von: ALEXANDER WALTHER

HARMONISCHE VIELSCHICHTIGKEIT - Bietigheimer Orgelherbst mit Przemyslaw Kapitula in der St. Laurentiuskirche BIETIGHEIM-BISSINGEN

Gleich zu Beginn überzeugte der aus Warschau stammende Organist Przemyslaw Kapitula mit Fantasie und Fuga in a-Moll BWV 561 von Johann Sebastian Bach. Dabei arbeitete er die thematische Verarbeitung…

Von: ALEXANDER WALTHER

NARR ZWISCHEN ROTEN VORHÄNGEN - "Was ihr wollt" von William Shakespeare im Schauspielhaus Stuttgart

Der Narr spielt in dieser insgesamt geglückten Inszenierung von Burkhard C. Kosminski eine herausragende Rolle. Er weiß immer mehr und spricht die Leute sogar im Publikum und Zuschauerraum an. "Wie…

Von: ALEXANDER WALTHER

GLÜHENDES BEKENNTNIS ZUR MENSCHLICHKEIT - Teodor Currentzis mit dem SWR Symphonieorchester

Es war eine ungewöhnliche Saisoneröffnung. Als Uraufführung erklang zunächst "Gospodi Vozvah" als Psalmodie für Viola und Orchester des serbischen Komponisten Marko Nikodijevic, der zunächst in…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑