Ihre Nachbarn sind der Angestellte Herr Kovacic, „seit zwei Generationen einheimischer Deutschösterreicher“, mit Gattin und Töchtern, dessen Familienidyll aus „neuer grauenhafter Einrichtung“, Eierlikör und dem väterlichen Befingern seiner Töchter gezimmert ist. Über diesen lächerlichen Verhältnissen und gequälten Einsamkeiten schließlich thront triumphierend Frau Grollfeuer, die eines Tages die Hausgemeinschaft in ihr stilvolles Speisezimmer zur Geburtstagsfeier lädt, die in einer veritablen Volksvernichtung mündet.
An deren Höhepunkt erfüllt sich Frau Grollfeuer nicht nur ihren sehnlichen Wunsch, endlich einmal „in so einen erbärmlichen Mietshauskörper hineinzustechen“, sondern hält auch gnadenlos Gerichtstag über ihr Selbst …
Schwabs „Fäkaliendramen“, zu denen seine „Radikalkomödie“ Volksvernichtung zählt, sind hässliche Porträts hässlicher Menschen, die sich in einer Kloake aus Hass, Gewalt, Niedertracht und Gemeinheit nur behaupten mittels der Sprache, die sie erzeugen, Sprache, die „sie selber sind“.
Regie
Nikolaus Habjan
Bühne
Jakob Brossmann
Kostüme
Cedric Mpaka
Puppenbau
Nikolaus Habjan, Marianne Meinl
Licht
Norbert Piller
Musik
Kyrre Kvam
Dramaturgie
Hans Mrak
Frau Wurm
Dorothee Hartinger
Hermann Wurm
Nikolaus Habjan, Manuela Linshalm
Herr Kovacic/Desiree
Sarah Viktoria Frick
Frau Kovacic/Bianca
Alexandra Henkel
Frau Grollfeuer
Barbara Petritsch
Burgtheater Wien; "Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos" von Werner Schwab
Premiere 29. November 2018, 19.30, Akademietheater
22.11.2018
Die Hölle, das ist … ein Zinshaus: Dort haust die „ausgemergelte Pensionistin“ Wurm gemeinsam mit ihrem verkrüppelten Sohn Herrmann in einem ärmlichen Loch. Über die Jahre hat sich in beiden Leibern ein ziemlicher Haufen Lebensschmutz angesammelt, der sich freilich nicht vergessen noch wegsaufen lässt – und so fantasiert sich der zum Künstler berufene Herrmann, der in seiner Kindheit schwer missbraucht wurde, halt in wüste Tötungsfantasien seiner lieben Mutti hinein.


