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Wien, Theater in der Josefstadt: "Im Weissen Rössl" von Ralph Benatzky

02.02.2008
Kategorien: Österreich, News

Kammerspiele, Premiere 7. Febraur 2008, 20.00 Uhr

Von der verklärt heilen Welt im Salzkammergut, von den walzertanzenden Österreichern, die sich mit den liebenswert schnoddrigen Deutschen auf Grund der Schönheiten der Natur im Freudentaumel und allen Unbill amouröser Verwicklungen zumTrotz, wie in der Operette üblich, glückselig in die Arme schließen, war bei der Uraufführung in Berlin 1930 nichts zu spüren.

Da war das „Weiße Rössl“ nämlich eine Parodie, ein Sichlustigmachen über die standardisierten Plattheiten der Operette an sich, ständig doppelbödig,

zweideutig, dekadent. Um Eric Charell, der neben der Buchfassung auch die Originalinszenierung der Uraufführung besorgte, zu zitieren: “Schräges, grotesk überzeichnetes Personal in schrill-buntem Alpenpanorama wird gespickt mit Ironie und Zweideutigkeiten – und mit erotisch aufgezäumten Tanz-Girls und –Boys.“ Charell wollte „eine intelligente Unterhaltung für moderne Großstädter“, respektlos und voll Glamour, Dekadenz, ironisch gebrochener Nostalgie - kitschpostkartenhaft.

Und so haben wir statt einer glückseligen Operette eigentlich eine musikalische „Piefke-Saga“ vor uns: Arrogant preußische Piefke haben mit schlawienernden

Österreichern zu kämpfen, die schon 1930 dafür bekannt waren, aus ihrer Landschaft Kapital zu schlagen – und das nicht zu knapp… Und schon in der Uraufführung, die imJahr 1927 angesiedelt war, ist der Kaiser Franz Joseph aufgetreten – wenngleich schon 11 Jahre tot – als parodistisches Symbol für das monarchieverliebte Österreich, als Kabarettfigur. Denn nicht nur der Auftritt des Kaisers, die ganze Produktion war Kabarett im großen Revuestil mit Seitenhieben auf die dekadente Gesellschaft der damaligen Zeit.

Werner Sobotka

Regie Werner Sobotka

Bühnenbild Hans Kudlich

Kostüme Elisabeth Gressel

Musikalische Leitung Christian Frank

Choreografie Ramesh Nair

Josepha Vogelhuber, Wirtin zum „Weißen Rössl“ Eva Maria Marold

Leopold Brandmeyer, Zahlkellner Viktor Gernot

Wilhelm Giesecke, Trikotagenfabrikant Toni Slama

Ottilie, seine Tochter Caroline Vasicek

Dr. Otto Siedler, Rechtsanwalt Boris Eder

Sigismund Sülzheimer Martin Niedermair

Professor Dr. Hinzelmann Christian Futterknecht

Klärchen, seine Tochter Ruth Brauer-Kvam

Der Kaiser Franz Joseph II. Kurt Sobotka

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