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"Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch", Monolog von Rodrigo García, Städtische Theater Chemnit"Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch", Monolog von..."Soll mir lieber Goya...

"Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch", Monolog von Rodrigo García, Städtische Theater Chemnit

Premiere: 25. Januar 2019, 20.00 Uhr im Schauspielhaus Chemnitz / Ostflügel

Er hat 5000 schwer erarbeitete Euro auf dem Konto und möchte damit etwas anstellen, das richtig knallt, etwas, das Substanz und Tiefe hat, etwas Sinnvolles im Gegensatz zu den Verlockungen von Adidas, Gucci oder Volkswagen. Er liebt die Bibliothek von Espinaredo, diese Ansammlung von Büchern und Schriften, die nach Papier riechen und Gedanken, Träume, aber auch allzu menschliche Geheimnisse enthalten. In ihm reift ein verrückter Plan: Gemeinsam mit seinen Kindern will er zum Museo del Prado fahren, dort ein, zwei Fenster einschlagen und sich mit Drogen, Chips und einer Flasche Macallan eine Nacht lang den gewaltigen Bildern von Goya aussetzen.

 

Doch seine Kinder halten dagegen, sie wollen lieber ins Disneyland Paris, wo man sich mit Mickey Mouse unterhalten kann. Der Vater behauptet sich und so fahren sie gemeinsam mit dem Philosophen Peter Sloterdijk durchs nächtliche Madrid gen Prado.

Dem argentinischen Autor und Regisseur Rodrigo García (*1964) ist eine extrem physische Bühnensprache eigen, die der Autor und Übersetzer Philipp Löhle kraftvoll ins Deutsche übertragen hat. Den Bezugspunkt des Stückes bilden die Werke des berühmten spanischen Malers Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828). Als einer der letzten großen Barockmaler erlebte er den Untergang einer Epoche und die blutigen Revolutionen seiner Zeit. Wie keiner vor ihm thematisierte er in seinen Bildern schonungslos die Verunsicherungen, Gräuel, Ängste und Abgründe des Menschen. Mit Goyas Expressivität und Haltung kontrastiert Rodrigo García die Welt des 21. Jahrhunderts, dessen verheißungsvolles Tempo den Menschen allzu oft blendet.

Mit dieser Arbeit begegnen sich die Regisseurin Esther Undisz und der Schauspieler Dirk Glodde wieder, die sich seit der gemeinsamen Zeit am Staatstheater Cottbus kennen, als Glodde seinen legendären Hamlet spielte. Jetzt – ausgestattet mit einem Roller – fegt er über die Bühne des Ostflügels, in deren Hintergrund Goya leuchtet. Glodde stellt sich der Rolle und geht der großen Frage nach, was man mit seinem bisschen Leben anfängt. Esther Undisz fordert dem Spieler keinen abstrakten Diskurs ab, vielmehr soll es direkt und mitten hinein ins Herz des Publikums gehen. Wenn da ab und zu der große Philosoph zu Wort kommt, umso besser, manchmal soll das ja beim Denken helfen...

Die Regisseurin
Esther Undisz, aufgewachsen in Cottbus, ließ sich zur Orthoptistin ausbilden, arbeitete als freie Journalistin und Fotografin, gründete eine Stadtzeitung und ein Kino. Intendant Christoph Schroth holte sie schließlich 1993 ans Staatstheater Cottbus, zunächst für die Abteilung Marketing. Nach ihrem Regiestudium bei Prof. Jürgen Flimm in Hamburg übernahm sie von 2000 bis 2003 die Schauspielleitung in Cottbus. Später arbeitete sie als Hausregisseurin und Dramaturgin an der neuen Bühne Senftenberg. Esther Undisz lehrte als Schauspieldozentin an der Hochschule für Musik und Theater Rostock, ist zertifizierte Drehbuchautorin, Lektorin und Dramaturgin für Film und Fernsehen. Als freie Regisseurin und Dramaturgin arbeitete sie u. a. am Staatsschauspiel Dresden, dem Schauspiel Chemnitz, an den Landesbühnen Sachsen Radebeul, am Theater Eisleben sowie dem Volkstheater Rostock. Als Dramaturgin entwickelte sie zuletzt „Die Leiden des jungen Werther mit jungen und nicht mehr jungen Männern, die liebten und litten“ nach Johann Wolfgang Goethe an der Bürgerbühne des Staatsschauspiels Dresden (Regie: Miriam Tscholl). Ihre aktuellen Inszenierungen als Regisseurin waren 2018 „Fluchtwege“ (Nick Wood), „Meffi, der kleine feuerrote Teufel“ (Doris Jannausch) und „Das kalte Herz“ (Rebekka Kricheldorf nach Wilhelm Hauff).

Aus dem Spanischen von Philipp Löhle

Regie, Bühne und Kostüm: Esther Undisz
Es spielt: Dirk Glodde

Die nächsten Vorstellungen:
3. Februar, 18.00 Uhr / 15. Februar, 20.00 Uhr

 

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