Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
GRIECHISCHE PASSION, Oper von Bohuslav Martinů, Wuppertaler BühnenGRIECHISCHE PASSION, Oper von Bohuslav Martinů, Wuppertaler BühnenGRIECHISCHE PASSION,...

GRIECHISCHE PASSION, Oper von Bohuslav Martinů, Wuppertaler Bühnen

Premiere 13. März 2010, 19.30 Uhr im Opernhaus

 

Die Oper spielt zu einem historischen Zeitpunkt, der für die Griechen ein nationales Trauma bedeutete: die sogenannte „Kleinasiatische Katastrophe“.

 

1919 ist das Osmanische Reich am Ende und die dort lebenden Griechen - seit 1453 von den Osmanen beherrscht - proben den Aufstand. Doch Kemal Pascha („Atatürk“) hält dagegen: Zehntausende sterben und Millionen von Griechen und Türken verlieren ihr Heimat. In einem kleinen Dorf ist die Welt noch in Ordnung: man feiert Ostern, die Darsteller des Passionsspiels werden ausgewählt - da steht eine Gruppe von hungernden und erschöpften Griechen auf dem Dorfplatz, Bewohner eines von Türken zerstörten Dorfes. Doch die gemeinsame Religion eint nicht. Man jagt die Flüchtlinge aus dem Dorf. Aber unter der Führung von Manolios, dem Christusdarsteller, formiert sich, beseelt von der urchristlichen Botschaft, Widerstand von innen.

 

 

Bohuslav Martinů traf Nikos Kazantzakis in den 50er Jahren in dessen zeitweiliger Wahlheimat Antibes an der Côte d’Azur. Martinů war lange auf der Suche nach einer tragischen und gleichzeitig zeitgenössischen Geschichte und er fand sie in Kazantzakis‘ Roman Griechische Passion (in der wörtlichen Übersetzung: Christus wird wieder gekreuzigt). Das dort geschilderte Flüchtlingsdrama sprach Martinů unmittelbar an, denn in den USA der McCarthy-Ära galt der Tscheche als Kommunist, in der Tschechoslowakei als Renegat und Verräter.

 

1955 war das Libretto – nach einem Jahr gemeinsamer Arbeit von Autor und Komponist – fertig. Die europäischen Opernhäuser standen Schlange, um die Uraufführung zu ergattern; Martinů entschied sich für London und Covent Garden, wo sein Landsmann, der Dirigent Rafael Kubelik die konkretesten Pläne hatte. Das Direktorium des Royal Opera House war zunächst positiv eingestellt, doch kurz vor Produktionsbeginn kam das negative Votum: zu unklare Charaktere, zu wirre Geschichte. Der eigentliche Grund, so vermutete der Komponist, könnten die zu dieser Zeit gespannten Beziehungen zwischen Griechenland und Großbritannien aufgrund des Zypernkonflikts gewesen sein. Martinů arbeitete die Oper um, textete ein deutsches Libretto und bot es dem Opernhaus Zürich an, das die Oper 1961 in der zweiten Fassung herausbrachte, zwei Jahre nach Martinus Tod.

 

Die Wuppertaler Bühnen führen erstmalig die erste Fassung der Oper (die weitaus dramatischer, packender und fesselnder ist) in deutscher Sprache auf (Übersetzung: Chefdirigent Hilary Griffiths).

 

CONSTANZE KREUSCH (REGIE)

wurde 1972 in Hamburg geboren. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie an der FU Berlin, war Regieassistentin am Staatsschauspiel Dresden und arbeitete u. a. mit Hasko Weber, Hans Kresnik und Holk Freytag zusammen. Von 2003-2006 war sie als Hausregisseurin am Staatsschauspiel Dresden engagiert, danach folgten Regiearbeiten am Schauspielhaus Graz, am Staatstheater Mainz und am Staatstheater Braunschweig, am

Theater Lübeck und am Theater Erlangen.

 

Musikalische Leitung: Hilary Griffiths

Inszenierung: Constanze Kreusch

Bühnenbild: Jürgen Lier

Kostüme: Claus Stump

Choreinstudierung: Jens Bingert

Dramaturgie: Johannes Blum

 

Mit: Dominik Wortig, Juri Batukov, Joslyn Rechter, Thomas Schobert, Christian Sturm, Miljan Milović, Boris

Leisenheimer, Peter König, Dorothea Brandt, Dariusz Machej, Miriam Scholz, Delphine Guevar, Nathan

Northrup, Tomasz Kwiatkowski, Andreas Heichlinger, Jochen Bauer, Dorothee Fischer

 

Chor, Extrachöre und Kinderchor der Wuppertaler Bühnen

Wuppertaler Kurrende (Leitung: Martin Lehmann)

Sinfonieorchester Wuppertal

 

Die nächsten Vorstellungen sind am 10. / 18. und 29. April 2010 im OPERNHAUS.

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 16 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

SPIELTECHNISCHE RASANZ -- 6. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart unter Cornelius Meister im Beethovensaal der Liederhalle STUTTGART

Ein abwechslungsreiches Programm präsentierte das Staatsorchester Stuttgart unter der inspirierenden Leitung von Cornelius Meister im Beethovensaal der Liederhalle. Gleich zu Beginn überzeugte die…

Von: ALEXANDER WALTHER

MUSIK UND WORT VEREINT -- Rothko String Quartet im Ordenssaal bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Ende 2022 wurden die Briefe von Ingeborg Bachmann und Max Frisch im Suhrkamp Verlag veröffentlicht. Sehnsuchtstöne, Eifersüchteleien und Streitgespräche wechseln sich ab. Amelie Schmidt (Rezitation)…

Von: ALEXANDER WALTHER

SPHÄRENHAFTES KLANGSPEKTRUM -- Werkstattfestival Studio Neue Musik & Campus Gegenwartim Konzertsaal der Musikhochschule STUTTGART

Wieder war Neues aus den Kompositionsklassen von Prof. Marco Stroppa und Prof. Martin Schüttler zu hören. Das Konzert I stellte Kompositionen von begabten Hochschulstudenten vor. Von der Koreanerin…

Von: ALEXANDER WALTHER

IMPROVISATION ZWISCHEN JAZZ UND KLASSIK -- Quatuor Ebene Waves im Ordenssaal bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Seit über 20 Jahren feiert das Ensemble Quatuor Ebene mit Pierre Colombet (Violine), Gabriel Le Magadure (Violine), Marie Chilemme (Viola) und Yuya Okamoto (Violoncello) sowie Xavier Tribolet…

Von: ALEXANDER WALTHER

NEUES VOM SEEMANN POPEYE -- "Liebe - eine argumentative Übung" im Foyer des Kammertheaters STUTTGART

"Olivia liebte den Schwanz ihres Freundes" - so heißt es im Stück "Liebe - eine argumentative Übung" von Sivan Ben Yishai. Es geht darin um den spinatliebenden Seemann Popeye und seine Freundin Olivia…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑