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Die Kritikerumfrage NRW 2009 - Noch nie war es so eng!

Wie jedes Jahr warten die Theater und Leser begierig auf die Kritikerumfrage von „theater pur“. Hier sind nun die Ergebnisse des in Essen erscheinenden Magazins. Eins steht schon fest, so eindeutig wie in den letzten Jahren war es nicht. Für die Essener Institute, die in den letzten Jahren fast durchweg die Listen anführten, wurde es richtig eng.

Das Einzige, was unzweifelhaft feststeht, Stefan Soltesz ist der führende und von den Kollegen am meisten geschätzte Dirigent in NRW. Sein Theater, das Aalto Musiktheater Essen, konnte zwar den ersten Platz als bestes Musiktheater behaupten, doch der Abstand zur Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg schrumpfte auf drei Punkte zusammen. Einen guten dritten Platz teilen sich die Oper Bonn und das Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen. Vom MiR kommt wohl auch die Musiktheaterproduktion der Saison. Hier wurde „Peter Grimes“ von Benjamin Britten in der Inszenierung von Elisabeth Stöppler am häufigsten genannt. Zwar nicht mehr unter den ersten drei, aber mit vielen guten Einzelbewertungen wurde das Theater Hagen genannt, welches verzweifelt um sein Überleben kämpft.

 

Im Sprechtheater kündigte es sich schon im letzten Jahr an, das Schauspiel Köln wird mit seiner neuen Intendantin Karin Beier sehr stark. In diesem Jahr steht nun Köln an der Spitze und hat das Schauspiel Essen mit seinem Intendanten Anselm Weber, mit einem Punkt Vorsprung vom ersten Platz verdrängt. Von beiden Theatern kommen auch die meisten Einzelnennungen für herausragende Inszenierungen. Eine oft genannte Produktion ist noch Christoph Schlingensiefs „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ von der Ruhrtriennale. Der Abstand zu den nachfolgenden Bühnen ist immer noch groß. Aber immerhin konnte sich das Düsseldorfer Schauspielhaus in diesem Jahr einen eindeutigen dritten Platz erobern.

 

Im Bereich Ballett/Tanztheater schaffte es das Aalto Ballett Theater Essen gerade noch das Wuppertaler Tanztheater mit seiner legendären Leiterin auf platz zwei zu verweisen. Auf dem dritten Platz liegen gemeinsam die Compagnien der Deutschen Oper am Rhein und die des Balletts Dortmund. Ähnlich wie im Musiktheater schafft auch das Ballett Hagen nicht den Sprung unter die ersten drei, wird aber mit vielen Einzelleistungen oft erwähnt. Am neuen Ballettdirektor in Essen scheiden sich die Geister. Obwohl die Truppe den ersten Platz belegt, muss sich Ben Van Cauwenberg von einigen Kritikern doch reichlich Kritik gefallen lassen.

 

Was viel genutzt wurde, war die Rubrik Lob und Tadel. Hier werden vor allem drei Städte abgestraft. Hier liegt Essen dann eindeutig an der Spitze. Die meisten Kritiker verzeihen der Stadt nicht den Umgang mit ihren Kulturinstituten im Vorfeld der Kulturhauptstadt: Philharmonie-Skandal, Fusionsgerede ums Schauspiel, die Intendantenwahl die wohl mehr unter öffentlichem Druck geschah und das Kaputtsparen des Aalto Theaters sind hier die meistgenannten Kommentare. In Köln ist es der „Klüngel“ und vor allem der Skandal im Vorfeld von „Samson et Dalila“, der nach Meinung der meisten völlig überflüssig war. Und auch die Stadt Hagen wird für ihr Verhalten mit dem Umgang ihres Theaters abgemahnt.

 

Ein Kennzeichen der Kritikerumfrage auch in diesem Jahr ist wieder, dass es kaum ein Theater gibt, das es nicht mit einer guten Leistung in die Umfrage geschafft hat. Dies gilt auch für das Abschneiden der Freien Szene.

 

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