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Tennessee Williams Drama "Orpheus steigt herab" im Burgtheater Wien Tennessee Williams Drama "Orpheus steigt herab" im Burgtheater Wien Tennessee Williams...

Tennessee Williams Drama "Orpheus steigt herab" im Burgtheater Wien

Premiere am 23. März 2024, 19.30 Uhr

Eine Kleinstadt, ein Dorf im Nirgendwo, in dem die Zeit stehen geblieben scheint. Die immergleichen Gespräche einer eingeschworenen Gemeinschaft, die eine dunkle Vergangenheit verbindet: Vor zwanzig Jahren hat Jabe Torrance, Besitzer eines Gemischtwarenladens, den Vater seiner jetzigen Ehefrau Lady ermordet. Er führte damals einen rassistischen Mob an, der den italienisch-stämmigen Mann samt seiner Weinstöcke verbrannte.

 

Copyright: Portrait Tennessee Williams


Alle wissen das, nur Lady wird die Wahrheit verschwiegen. Nun liegt Jabe im Sterben, und Lady führt den Laden allein weiter. In diese Kleinstadt-Hölle lässt Tennessee Williams seinen modernen Orpheus hinabsteigen: Val Xavier, ein charismatischer junger Sänger, ein Außenseiter, der in Ladys Geschäft als Aushilfskraft anheuert und Lady die Möglichkeit eines neuen Lebens eröffnet. Der Versuch, aus dieser bigotten, fremdenfeindlichen Welt auszubrechen, scheint jedoch von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Williams zeigt in seinem Drama die zerstörenden Mechanismen einer Gesellschaft, die von Fremdenhass geprägt ist und erzählt damit eine Geschichte, die sich nach wie vor in ähnlicher Form allerorten und zu allen Zeiten wiederholt:

„Es ist dieselbe alte, immer gleiche Geschichte – die von Außenseitern, Unangepassten, Fremden, sensiblen und speziellen Menschen, die an einem an sich schon verlorenen und menschenfeindlichen Ort leben und zusammentreffen, oder vom Schicksal dorthin verschlagen werden. Diese Geschichte muss sich nicht nur in einer Kleinstadt in den Südstaaten der USA zugetragen haben, sondern kann sehr ähnlich genauso in einem Bergtal in den Alpen, als Jagdszene in Niederbayern, im Westen Irlands oder in der russischen Taiga, weit weg von Moskau, passieren … Und ihr zentrales Element, nämlich der zerstörerische und unauflösbare Konflikt zwischen dem freiheitssuchenden Einzelnen und der ihn ausgrenzenden oder in der Vereinnahmung auslöschenden ‚Gemeinschaft‘ aller anderen um ihn, ist Bestandteil unzähliger literarischer oder dramatischer Werke. Ich selbst habe schon viele davon inszeniert und auf der Bühne erzählt – ist es doch auch ein autobiographischer ‚Kampf‘, den ich führe, seit ich denken kann, insofern fühle ich mich Tennessee Williams von allem Anfang an verbunden.“ – Martin Kušej

Deutsch von Wolf Christian Schröder

Regie
Martin Kušej
Bühnenbild
Annette Murschetz
Kostüme
Heide Kastler
Licht
Friedrich Rom
Musik
Oliver Welter
Dramaturgie
Christina Schlögl

Val
Tim Werths
Lady
Lisa Wagner
Carol
Nina Siewert
Jabe
Martin Reinke
Cop
Norman Hacker
Vee
Sarah Viktoria Frick
David
Wolfram Rupperti
Dolly/Krankenschwester
Alexandra Henkel
Beulah
Katharina Pichler
Dog
Rainer Galke
Erzähler/ Pleasant
Oliver Welter

Nächste Vorstellungen: 26. März und 1. April

 

 

 

 

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