Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Glückliche Tage" von Samuel Beckett - DeutschesSchauSpielHaus Hamburg "Glückliche Tage" von Samuel Beckett - DeutschesSchauSpielHaus Hamburg "Glückliche Tage" von...

"Glückliche Tage" von Samuel Beckett - DeutschesSchauSpielHaus Hamburg

Premiere: 12/2/2015 / MalerSaal. -----

„Nichts ist komischer als das Unglück!“ Samuel Beckett. -- Glückliche Tage? Eine apokalyptische Landschaft, eine Frau, ab der Taille versunken, bewegungsunfähig, die tiefer und tiefer rutscht.

In ihrer Nähe ihr Mann, auch kein homo erectus, sondern ein schwerhöriger, schläfriger, wortkarger Vierbeiner, der sich nur kriechend fortbewegen kann. Andere Menschen, die helfen könnten, kommen nur in der Erinnerung der unaufhörlich vor sich hin plappernden Frau vor.

 

Doch im krassen Widerspruch zu der katastrophalen äußeren Situation erscheint die Frau tatsächlich als Inbegriff eines glücklichen Menschen, der sich mit allerlei Gebrauchsgegenständen aus einer Tasche die Zeit vertreibt, selten Unmut oder Niedergeschlagenheit äußert, sich über unscheinbarste Ereignisse freut und mit unbeirrbarem Optimismus das Schicksal belächelt.

 

Das ist paradox und typisch für Beckett, der den Diskurs vom Glück durch eine kontinuierliche Verschlechterung der Umstände – zum Schluss ist die Frau fast gänzlich versunken und kann nur noch ihre Augen bewegen – ironisch unterläuft. Denn Frau und Mann, Winnie und Willie, sind Komplizen ihres Schicksals. Sie verlangen nicht, dass man sie befreie, sie kämpfen nicht gegen ihre Situation, sondern sind an ihre Lebensweise perfekt angepasst. Das ist ihre Tragödie, aber auch ungeheuer komisch, und genau hier offenbart sich die politische Dimension von Becketts Werk: Der Zuschauer wird Zeuge einer letzten Stunde. Die Ursache der Katastrophe bleibt verborgen, vielmehr offen für Interpretation. Fest steht aber: Der Mensch gibt sich geschlagen und bejaht seinen Untergang.

 

»Glückliche Tage«, einer der visionärsten Texte des zwanzigsten Jahrhunderts, wurde 1961 in New York uraufgeführt. Es inszeniert die britische Regisseurin Katie Mitchell, die am Deutschen SchauSpielHaus zuletzt mit »Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino« einen Erfolg feierte.

 

Es spielen: Paul Herwig, Julia Wieninger

 

Regie: Katie Mitchell

Bühne und Kostüme: Alex Eales

Sound: Donato Wharton

Licht: Jack Knowles

Dramaturgie: Rita Thiele

 

Weitere Aufführungen: 14/2, 15/2, 16/2, 17/2

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 10 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

SPIELTECHNISCHE RASANZ -- 6. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart unter Cornelius Meister im Beethovensaal der Liederhalle STUTTGART

Ein abwechslungsreiches Programm präsentierte das Staatsorchester Stuttgart unter der inspirierenden Leitung von Cornelius Meister im Beethovensaal der Liederhalle. Gleich zu Beginn überzeugte die…

Von: ALEXANDER WALTHER

MUSIK UND WORT VEREINT -- Rothko String Quartet im Ordenssaal bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Ende 2022 wurden die Briefe von Ingeborg Bachmann und Max Frisch im Suhrkamp Verlag veröffentlicht. Sehnsuchtstöne, Eifersüchteleien und Streitgespräche wechseln sich ab. Amelie Schmidt (Rezitation)…

Von: ALEXANDER WALTHER

SPHÄRENHAFTES KLANGSPEKTRUM -- Werkstattfestival Studio Neue Musik & Campus Gegenwartim Konzertsaal der Musikhochschule STUTTGART

Wieder war Neues aus den Kompositionsklassen von Prof. Marco Stroppa und Prof. Martin Schüttler zu hören. Das Konzert I stellte Kompositionen von begabten Hochschulstudenten vor. Von der Koreanerin…

Von: ALEXANDER WALTHER

IMPROVISATION ZWISCHEN JAZZ UND KLASSIK -- Quatuor Ebene Waves im Ordenssaal bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Seit über 20 Jahren feiert das Ensemble Quatuor Ebene mit Pierre Colombet (Violine), Gabriel Le Magadure (Violine), Marie Chilemme (Viola) und Yuya Okamoto (Violoncello) sowie Xavier Tribolet…

Von: ALEXANDER WALTHER

NEUES VOM SEEMANN POPEYE -- "Liebe - eine argumentative Übung" im Foyer des Kammertheaters STUTTGART

"Olivia liebte den Schwanz ihres Freundes" - so heißt es im Stück "Liebe - eine argumentative Übung" von Sivan Ben Yishai. Es geht darin um den spinatliebenden Seemann Popeye und seine Freundin Olivia…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑