«Hätten wir noch die sämtlichen sapphischen Gedichte, vielleicht würden wir nirgends an Homer erinnert», schrieb Friedrich Schlegel über Sappho, die bedeutendste Lyrikerin der Antike. Nur noch Bruchstücke sind von Sapphos Werk erhalten, das Gros ihrer Worte ist verschollen oder vernichtet. In Elsa-Sophie Jachs Inszenierung dienen die Fragmente ihrer Liedtexte nun als verbindende Melodie für sechs Liebesbriefe an große antike Frauenfiguren: Echo, Medea, Kassandra, Medusa, Philomela und Penelope. Sie alle wurden zum Schweigen gebracht, mittels Gewalt, Ächtung, Verbannung oder Verleumdung.
Autoren wie Ovid oder Euripides formulierten für die Nachwelt Deutungen, die vor allem männlich geprägt sind. Deutungen, die diesen Frauenfiguren bis heute anhaften. Bei Elsa-Sophie Jach ermächtigen sie sich nun diesen vorformulierten Erzählungen ihrer Geschichten. Sie werden um Texte von Autor*innen erweitert, die sich der Verfluchten ebenfalls annahmen, womit die Frauen ihre einstige Verdammung zum Schweigen wortgewaltig reflektieren. Gemeinsam mit der bekannten Münchner Techno-Liveband SLATEC verschwestern sie sich lautstark, schreiten gemeinsam zur Tat und holen sich ihre Stimmen zurück.
Inszenierung Elsa-Sophie Jach Musikalische Leitung Max Kühn Bühne Aleksandra Pavlović Kostüme Johanna Stenzel Licht Barbara Westernach Dramaturgie Stefanie Hackl