Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Die nächste Unschuld" von Kristo Šagor im Theater Chemnitz "Die nächste Unschuld" von Kristo Šagor im Theater Chemnitz "Die nächste Unschuld"...

"Die nächste Unschuld" von Kristo Šagor im Theater Chemnitz

Premiere 29. April 2011, 20.00 Uhr im Schauspielhaus, Kleine Bühne. -----

 

Wieder einmal in Selbstmordstimmung, hat der schöne Aljoscha seine verflossenen Lieben an einen merkwürdigen Ort bestellt: in ein schwedisches Möbelhaus.

 

Mit Anna Kornfell, der verehrten Deutschlehrerin, sind sie oft hier gewesen, spielerisch abgetaucht in die Dekoration von Lebenswelten. Unter dem Blick der Kornfell konnte man wachsen – doch nun ist die Lehrerin tot, dem Alkohol erlegen. Und nun treffen sich die vier wieder, die so viel miteinander verbindet und so viel voneinander trennt: Cira, die verlassene Comic-Queen, Dennis, der Revoluzzer, Bille, die coole Überfliegerin, und Aljoscha, der ihnen allen einst den Kopf verdrehte.

 

Sie haben miteinander einiges durchlebt: tiefste emotionale Verletzungen, das Scheitern großer Träume, die Unentschuldbarkeit menschlicher Verfehlungen, das Trauma des Schweigens und weltübersteigende Glücksmomente. Sie ringen miteinander um die gemeinsame Vergangenheit, in der sie unschuldig der Welt entgegensehen konnten. Jetzt sind sie in der Welt angekommen, doch stecken immer noch fest in den ausgetretenen Schuhen einer längst vergangenen Kindheit.

 

Erwachsenwerden beschreibt der Autor Kristo Šagor als einen Häutungsprozess – jede Haut, die man abstreift, eine Unschuld und eine Illusion über sich selbst. Das Stück erzählt über vier Versuche, erwachsen zu werden in einer „kindlichen Gesellschaft“ - einer Gesellschaft, die beim Suchen der richtigen Rollenbilder wenig hilfreich ist. In einer Zeit, in der nicht mehr klar ist, was „erwachsen sein“ überhaupt noch bedeutet.

 

Aljoscha, Bille, Cira, Dennis – A, B, C, D - sie stehen für vier verschiedene Lebensentwürfe, für vier Prinzipien, die sich in Liebe, Geld, Politik und Kunst voneinander unterschieden. Jeder von ihnen verhandelt ein anderes Lebensmodell, verfolgt einen anderen Lebensplan. Sie umgarnen sich, sie benutzen einander, sie verführen sich, sie verlieren aneinander. Und da stehen die vier, auf der Suche nach einer nächsten Unschuld.

 

Kristo Šagor (Autor und Regie)

Jahrgang 1976, gilt als einer der erfolgreichsten jungen Dramatiker Deutschlands. Er führt seit 2002 regelmäßig Regie, u.a. in Bremen, Mannheim, Erlangen, Berlin und Hannover. In der Spielzeit 2008/2009 hatte er die künstlerische Leitung des Theaters unter Tage am Schauspielhaus Bochum inne. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. 2001 den Publikumspreis des Heidelberger Stückemarkts und den Hallenser Dramatikerpreis, und 2008 wurde er schließlich für seine Inszenierung „Törleß“ am Deutschen Schauspielhaus Hamburg in der Kategorie „Beste Regie Kinder- und Jugendtheater“ mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnet. Zahlreiche seiner Stücke inszeniert er selbst, so auch zum ersten Mal „Die nächste Unschuld“ am Schauspiel Chemnitz.

 

Regie: Kristo Šagor

Bühne und Kostüme: Sebastian Kloos

Musik: Felix Rösch

 

Es spielen: Wenzel Banneyer (Aljoscha), Caroline Junghanns (Bille), Susanne Stein (Cira) und Nikolaus Barton (Dennis)

 

 

Die nächsten Vorstellungen sind am 3. und 13. Mai 2011, jeweils 20.00 Uhr

im Schauspielhaus Chemnitz / Kleine Bühne.

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 14 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

SZENEN OHNE ILLUSIONEN -- "Tosca" von Giacomo Puccini in der Staatsoper Stuttgart

Kann Kunst unsere Wirklichkeit beeinflussen? Diese Frage steht als zentrales Thema im Zentrum der Inszenierung von Willy Decker, dessen Figuren sich in Puccinis "Tosca" in einem schwarzen Kasten…

Von: ALEXANDER WALTHER

RETTET DIE FRAUEN! -- Premiere "Zertretung" von Lydia Haider im Schauspiel Nord STUTTGART

Die 1985 in Oberösterreich geborene Lydia Haider hat hier einen radikalen Text vorgelegt, der zuweilen an Rainald Goetz erinnert. Die zentrale Frage lautet: Wie geht man mit einem System um, das…

Von: ALEXANDER WALTHER

ATEMLOSE HÖHENFLÜGE -- SWR Symphonieorchester mit Busoni und Sibelius im Beethovensaal der Liederhalle/STUTTGART

Zwei unterschiedliche Zeitgenossen standen diesmal im Zentrum: Jean Sibelius und Ferrucio Busoni. Immerhin weiß man, dass beide in Helsinki Schumanns Klavierquintett in Es-Dur gemeinsam musizierten.…

Von: ALEXANDER WALTHER

GIGANTISCHER SCHWARZER KEIL -- "Don Carlos" in der Staatsoper Stuttgart

In der Regie von Lotte de Beer steht das Thema Macht ganz im Zentrum des Geschehens. Ein gigantischer schwarzer Keil dreht sich immer wieder in geheimnisvoller Weise auf der von Christof Hetzer…

Von: ALEXANDER WALTHER

MACHTVOLLE MOTIVE -- Bruckners fünfte Sinfonie im Beethovensaal der Liederhalle STUTTGART

Für Chefdirigent Dan Ettinger war kurzfristig der durch seine Bruckner-Aufnahmen in St. Florian berühmt gewordene Remy Ballot eingesprungen. Ballot ist der letzte Schüler des legendären…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑