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"Der Vetter aus Dingsda", Operette von Eduard Künneke im Uhr im Opernhaus Chemnitz

Premiere: 19. Dezember 2009, 19.30 Uhr

 

„Onkel und Tante, ja, das sind Verwandte, die man am liebsten nur von hinten sieht“ – das denkt sich zumindest die schöne Julia. Durch Erbschaft reich geworden, wird das verträumte Mädchen Opfer der üblen Machenschaften ihrer Verwandten, die es nur auf das Geld abgesehen haben.

Zu allem Übel wird ihr durch Onkel Josse und Tante Wimpel auch noch ein falscher Verlobter untergejubelt, in dem sie ihre Jugendliebe Roderich zu erkennen glaubt. Als der Schwindel auffliegt, ist das Chaos um den „armen Wandergesellen“ perfekt – denn ein plötzlich auftauchender zweiter ‚Vetter aus Dingsda’ stiftet noch mehr Verwirrung. Doch „ganz unverhofft kommt oft das Glück“: Julias Freundin Hannchen nutzt die Gunst der Stunde, um dem Intrigenspiel ein unerwartetes Ende zu bereiten und erzwingt schließlich ein Happy End, „denn im Märchen da wurden die beiden ein Paar“ – auch wenn alles ganz anders geplant war. Letztendlich steht alles Kopf, wenn unterm „Strahlenden Mond“ endlich wieder der „Batavia-Fox“ getanzt wird.

 

Der Komponist

 

Am 15. April 1921 öffnete sich im Berliner Theater am Nollendorfplatz zum ersten Mal der Vorhang für Eduard Künnekes Operette „Der Vetter aus Dingsda“, die zum beliebtesten und erfolgreichsten Bühnenwerk Künnekes wurde und den Komponisten weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt machte. Dabei hatte sich der 1885 in Emmerich am Niederrhein geborene „Nachwuchskomponist“ eigentlich eine ganz andere Karriere ausgerechnet: Er studierte Musik- und Literaturwissenschaft und war Meisterschüler von Max Bruch in Berlin, arbeitete als Chorleiter und Korrepetitor am neuen Operettentheater am Schiffbauerdamm und war Dirigent für das Plattenlabel Odeon (u. a. dirigierte er die erste Gesamtaufnahme des 2. „Tannhäuser“-Aktes von Richard Wagner). Darüber hinaus war er bei Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin als Kapellmeister engagiert und komponierte u. a. die Bühnenmusik für die Neuinszenierung des „Faust II“. Mit großem Erfolg kamen zwei Opern Künnekes in Mannheim („Robins Ende“, 1909) und Dresden („Coeur As“, 1913) zur Uraufführung.

 

Als besonders fruchtbar sollte sich allerdings seine Bekanntschaft mit dem legendären Theaterdirektor und Bühnenschriftsteller Hermann Haller erweisen, der von 1914 - 1923 das Theater am Nollendorfplatz leitete. Haller entdeckte Künnekes Talent und beauftragte ihn mehrfach mit der Vertonung von Libretti, die Haller selbst gemeinsam mit dem Rechtsanwalt und Dichter Rideamus (eigentlich Fritz Oliven) schrieb. In rascher Folge entstanden ab 1919 mehrere Operetten für das Theater am Nollendorfplatz – unter ihnen auch „Der Vetter aus Dingsda“. Die Vorlage bildete ein Lustspiel von Max Kempner-Hochstedt. Keines der über 30 Bühnenwerke (Operetten, Singspiele, Opern) Künnekes erreichte eine vergleichbare Popularität.

 

Die Operette

 

„Der Vetter aus Dingsda“ verknüpft empfindsame Melodien und schmissige Tanzrhythmen, komplex-gestaltete Ensembles und durchkomponierte Szenen. Dadurch schafft er eine interessante und spannende Mischung, die die Operette nach dem Ersten Weltkrieg mit neuem Leben erfüllt. Als einer der ersten Komponisten benutzt Künneke „neumodische“ Tänze wie Tango, Valse boston und Foxtrott, setzt sie programmatisch ein und ersetzt mit ihnen die althergebrachten Walzer- und Marschrhythmen, die für die Berliner Operette eines Paul Lincke oder Walter Kollo stilprägend waren. Der für viele Operetten exemplarische Exotismus (fremdländische Schauplätze, ...) wird im „Vetter“ allein durch die Heimkehr des vermeintlichen „Vetters“ aus dem weit entfernten „Batavia“ hergestellt. Obwohl er niemals dort war, muss er – um sein Inkognito nicht preiszugeben – der wissbegierigen Familie berichten, was sich dort in den vergangenen sieben Jahren zugetragen hat.

 

Rasch fasziniert der „Fremde“ die Daheimgebliebenen mit spontanen Ideen über das Leben in Batavia: Einsamkeit, Liebesparadies, Urwald, Kolibris, wilde Känguruhs – und vor allem die Nacht, „wenn der Mond am Himmel lacht voller Pracht“. Dies schlägt dann endlich liebeswerbertechnisch die Brücke zur verträumten Julia, die ja den Mond als Liebesboten zwischen den Niederlanden und Batavia benutzte.

 

„Der Vetter“ in Chemnitz

 

Bereits in der Spielzeit 1922/23 wurde die Operette als Neuheit im Chemnitzer Central-Theater mit 26 Vorstellungen aufgeführt und die erste Aufführungsserie im Städtischen Schauspielhaus (Altes Stadttheater) mit Premiere am 30. Oktober 1932 musste per Annonce „wegen des großen Erfolges“ und später „wegen des außerordentlichen Erfolges“ immer wieder verlängert werden, bevor die Produktion schließlich in der folgenden Spielzeit in das größere Opernhaus verlegt wurde. Weitere Neuproduktionen folgten in den 40er, 50er und 70er Jahren, zuletzt wurde „Der Vetter aus Dingsda“ in der Regie von Horst Ludwig im Luxorpalast gespielt (Premiere: 20. Dezember 1991).

 

Musikalische Leitung: David Marlow

Inszenierung: Karl Absenger

Bühne: Bernd Franke

Kostüme: Götz Lanzelot Fischer

 

Besetzung:

Julia Borchert (Julia de Weert), Susanne Thielemann (Hannchen), Roland Glass (Josef Kuhbrot), Heidrun Göpfert (Wilhelmine), Andreas Rainer (Egon von Wildenhagen), Hauke Möller (Ein Fremder), Andreas Kindschuh (Ein zweiter Fremder), Jürgen Mutze (Karl), Thomas Mäthger (Hans)

 

Die nächsten Vorstellungen sind am 22. Dezember 2009 und am 9. Januar 2010, 19.30 Uhr im Opernhaus.

 

 

 

 

 

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