Die durch Mehrchörigkeit einkomponierte Raumwirkung der Vesper, die hochdramatische musikalische Anlage, die das Individuum der Masse gegenüberstellt und so zu einer Meditation über die großen Fragen von Liebe, Opfer und Erlösung wird – all das aber ruft nach theatraler Umsetzung, zu der der katalanische Regisseur Calixto Bieito emotionale, starke und große Theaterbilder finden wird.
Der für seine expressiven Deutungen bekannte spanische Regisseur Calixto Bieito hinterfragt in »Marienvesper« die ikonische Figur der Gottesmutter, beschäftigt sich mit dem Themenkreis Weiblichkeit, Mutterschaft und Geburt und dem Spannungsverhältnis zwischen Spiritualität und Wissenschaft. Zusammen mit Anna-Sofia Kirsch gestaltete Calixto Bieito das Bühnenbild einer angedeuteten Kathedrale, das weit in den Zuschauerraum hineinragt. Die Kostüme entwarf Anna Eiermann.
Szenische Aufführung
In lateinischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Es singen Amelia Scicolone (Sopran), Nikola Hillebrand (Sopran), Kristofer Lundin (Tenor), Joshua Whitener (Tenor), Raphael Wittmer (Tenor), Anna Hybiner (Mezzospran), Dominic Barberi (Bass) und Patrick Zielke (Bass).
Musikalische Leitung: Jörg Halubek (Gast)
Regie & Bühne: Calixto Bieito
Bühne: Anna-Sofia Kirsch
Kostüme: Anna Eiermann
Dramaturgie: Cordula Demattio / Albrecht Puhlmann
Chor: Dani Juris
Sopran: Amelia Scicolone
Sopran: Nikola Hillebrand
Tenor: Kristofer Lundin (Gast)
Tenor: Joshua Whitener
Tenor: Raphael Wittmer
Mezzo: Anna Hybiner (Gast)
Bass: Dominic Barberi
Bass: Patrick Zielke
Mit dem Opernchor und dem Gastorchester »il Gusto Barocco«
Weitere Vorstellungen finden am 20. Dezember, am 5., 11. und 25. Januar 2019 sowie am 6. und 13. Juni 2019 statt.
Bild: Claudio Monteverdi
Claudio Monteverdis »Marienvesper« in der Regie von Calixto Bieito - Nationaltheater Mannheim
Premiere Samstag, 15. Dezember 2018 um 19 Uhr im Opernhaus
08.12.2018
Mit einem der größten und zugleich rätselhaftesten Werke des 17. Jahrhunderts geht der Mannheimer Monteverdi-Zyklus in die dritte Runde. Der große »Erfinder« der Oper schrieb im Jahr 1610 eine Vesper zu Ehren der Gottesmutter Maria, in der sich große, nach allen Regeln des polyphonen Kontrapunkts geschriebene Chöre mit solistischen und dem modernen Opernstil verpflichteten Sätzen abwechseln. Wollte Monteverdi beweisen, dass er in allen Stilen zu Hause war? Ist die Vesper überhaupt für den Gebrauch in der Kirche gedacht gewesen? Ist sie zu Monteverdis Lebzeiten jemals erklungen? Wir wissen es nicht.

