Doch unversehens brechen sich archaischere Impulse Bahn. Wer war denn eigentlich der Schuldige von den beiden Bengeln? Deutet nicht Ferdinands rabiates Verhalten auf Eheprobleme zwischen Alain und Annette hin? Und was ist schlimmer: dass Michel den Hamster seiner Tochter getötet hat oder dass Alain einen Pharmakonzern juristisch vertritt, und zwar ständig, über Handy? Von Sticheleien zu Wortgefechten, von Verbalhändeln zu Handgreiflichkeiten: Der gepflegte Nachmittag endet als Saalschlacht.
Das Stück der französischen Erfolgsautorin Yasmina Reza (»Kunst«, »Drei Mal Leben«) entlarvt Zivilisiertheit als dünne, zerbrechliche Folie über dem Konkurrenzkampf aller gegen alle. Nach wie vor herrscht: der Gott des Gemetzels.
Holger Schultze, Intendant des Heidelberger Theaters, inszeniert das rasante Stück auf der Heidelberger Marguerre-Saal Bühne.
aus dem Französischen von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel
Empfohlen ab 15 Jahren
Regie Holger Schultze
Bühne und Kostüme Martin Fischer
Dramaturgie Lene Grösch
Theaterpädagogik Katharina Berger
Véronique Houillé Nicole Averkamp
Michel Houillé Marco Albrecht
Anette Reille Katharina Quast
Alain Reille Hendrik Richter
Weitere Informationen sowie Karten unter www.theaterheidelberg.de oder an der Theaterkasse,Theaterstr. 10; 06221|5820.000; tickets@theater.heidelberg.de
Yasmina Rezas Kammerspiel »Der Gott des Gemetzels« im Theater Heidelberg
Premiere Sa 21.12.2019, 19.30 Uhr, Marguerre-Saal
14.12.2019
Zwei elfjährige Jungs prügeln sich auf dem Schulhof, der eine schlägt mit dem Stock zu, der andere verliert zwei Schneidezähne. Unter zivilisierten Leuten, wie es die Eltern sind, spricht man die Sache gemeinsam durch. So beraten Annette und Alain mit Véronique und Michel bei Kaffee und Gebäck, wie man pädagogisch richtig auf Ferdinand (den Täter) und Bruno (das Opfer) einwirkt, konsensbemüht und politisch korrekt.

