Seit Herbst letzten Jahres haben sich die jungen Darstellerinnen und Darsteller mit Goldonis Meisterwerk in Workshops und Proben beschäftigt, bei denen Improvisation genau so wichtig war wie präzise Text- und Regiearbeit. Und so entstand eine Inszenierung von atemberaubendem Tempo, voller Witz und Geist, changierend zwischen den Stilformen der Commedia dell` Arte und der Leichtigkeit und Aktualität.
Für seine brillante Komödie, in der sich der Bedienstete Truffaldino, um seinen kargen Lohn aufzubessern, gleich bei zwei Herren verdingt und durch sein ´Job Hopping` allerlei chaotische Situationen provoziert, hat Goldoni von der Commedia dell` Arte die Situationskomik und einen gewissen Hang zum derben Scherz übernommen. In der Figurenzeichnung und in der psychologischen Vertiefung der Konflikte geht er jedoch weit über die Possenspielereien aus der venezianischen Renaissance hinaus. Goldoni war ja ein Revolutionär, der sich vom flachen Unterhaltungstheater seiner Zeit absetzen wollte und die Inspiration von Molière bezog.
Carlo Goldonis Stück ist eine pralle, vitale Verwechslungskomödie, bei der die Sprache zu tanzen beginnt und fast wie eine Partitur zur körperlichen Aktivierung der Schauspieler zu lesen ist. Das Wiener Kindertheater hat gerade dieses Stück ausgewählt, um an der Schnittstelle zwischen Text und Bewegung
einen Entfaltungsraum für seine jugendlichen Darsteller zu schaffen. Entsprechend dem Konzept des Wiener Kindertheaters wird nicht nur eine professionelle Inszenierung geliefert, sondern das Stück im Kollektiv
erarbeitet, gewissermaßen ´begehbar` gemacht. Die Kinder und Jugendlichen durften sich ihre Rollen selbst aussuchen und gemeinsam eine Textfassung erstellen, die es ihnen ermöglicht, zeitgenössische Lebenserfahrungen mit einem Theatertext aus dem 18. Jahrhundert in Einklang zu bringen.
Mit "Der Diener zweier Herren" setzt das Wiener Kindertheater die Tradition fort, in den ´Sprachfalten` vergangener Jahrhunderte Erlebniswelten der Gegenwart einzulagern. In einer Epoche, in der das Visuelle dominiert und die Sprache der elektronischen Medien zusehends verarmt, ist es notwendig und bereichernd die Parfüms und Aromen eines literarischen Vokabulars aus der Vergangenheit in Erinnerung zu rufen und in der Konfrontation mit zeitgenössischen Ausdrucksformen die Sprachsensibilität der Kinder zu schärfen.
Weitere Vorstellungen
8. September 2007, 16:00 und 19:00 Uhr
12. September 2007, 19:00 Uhr (“Bühne Click”: Infos ab 27.08.07 unter www.buehneclick.at)
13. September 2007, 16:00 und 19:00 Uhr (Benefizveranstaltung zugunsten der Caritas Wien)
14.-15. und 20.-22.September 2007, jeweils 16:00 und 19:00 Uhr
für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren