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Uraufführung: "Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel" von Theresia Walser im Nationaltheater Mannheim

Premiere am 12. Januar, 20.00 Uhr, Schauspielhaus. -----

Nach Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm, Monsun im April, Herrenbestatter und Die ganze Welt (das sie zusammen mit Karl-Heinz Ott geschrieben hat) das neue Auftragswerk von Theresia Walser für das Schauspiel des Nationaltheaters.

In Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel führt Theresia Walser ihre Beschäftigung mit der Problematik des Bösen auf der Bühne, begonnen in ihrem Stück Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm, fort und dreht dessen Perspektive um 180 Grad: Waren es dort drei Schauspieler, die erzählen, wie es war, Hitler bzw. Goebbels darzustellen, sind es hier drei einstige Politikerinnen (Ähnlichkeiten mit realen Personen sind weder zufällig noch unbeabsichtigt), die mit der Repräsentation ihrer Selbst-Wahrnehmung hadern. Zwischen dem leibhaftigen Gegenstand, der Verkörperung der Macht, und seinem Abbild klafft ein immer größerer Riss, der die eigentlichen Abgründe enthüllt – und der befreiendes Gelächter provoziert.

Drei Diktatorengattinnen haben sich zu einer Pressekonferenz versammelt. Anlass ist die geplante Verfilmung ihres Lebens. Redlich versucht ein Dolmetscher, zwischen den Frauen zu vermitteln, menschliche Seiten hervorzuheben – und befördert wider Willen einen Wettstreit des Monströsen, in dem schon kleinste Missverständnisse fatale politische Verwerfungen auslösen. Dabei sind die drei Damen längst nicht mehr im Amt. Die Männer von Frau Margot und Frau Imelda sind unfriedlich verstorben und der von Frau Leila steht aktuell »vor so einem grotesken holländischen Gericht, Verbrechen gegen die Menschlichkeit«. Die Gründe für ihre Vertreibung ins Exil kann keine von ihnen nennen. Als handele es sich um die netten Leute von nebenan, plaudern sie über Partys bei Stalin, Handküsse von Mao und Geschenke, die Castro ihnen überreichte. Selbst Mordanschläge oder Aufstände werden nonchalant wie notwendige Übel abgehandelt. Obwohl die Zeitläufte eine deutlich andere Sprache sprechen, weigern sich die drei buchstäblich, ihre Uhren umzustellen, und befinden unisono, dass ihre Biographien viel zu überwältigend seien, um in einen banalen Film zu passen; allein die Oper könnte das angemessene Medium sein ...

Inszenierung: Burkhard C. Kosminski –

Bühne: Florian Etti -

Kostüme: Ute Lindenberg –

Musik: Hans Platzgumer –

Dramaturgie: Ingoh Brux

mit Sabine Fürst, Ragna Pitoll, Anke Schubert; Sven Prietz

die nächsten Vorstellungen:16. und 17. Januar 2013

www.nationaltheater-mannheim.de; Kartentelefon: 0621 – 16 80 150

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