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Thalia Theater Hamburg: Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing mit einem Kommentar von Elfriede Jelineks „Abraumhalde“

Premiere am 3. Oktober um 20 Uhr im Thalia Theater

Es brennt. Schon einmal hatte es gebrannt. Nathans Frau und die gemeinsamen Söhne sterben in den Flammen. Nur Nathan überlebt. Er scheint verdammt, weiterzuleben, auch wenn das „nackte Nichts“ an die Stelle tritt, wo ehemals sich Sinn ereignete.

Aber Lessing lässt Nathan sich das Leben zurückerobern – Lessing widmet diesem Kampf um Wiedererlangung der Würde, um Wiedererlangung des Glaubens an den Menschen sein Stück.

Ziehtochter Recha ist hierzu Nathans Heilsweg. Denn das ist das Unfassbare: Nathan wird sich einer Christin annehmen, auch wenn Christen es waren, die seine Familie, den Sinn, am Leben zu sein, auslöschten. Nathan wird die junge Recha aufziehen, als wäre es die eigene Tochter. Durch sie wird die Wahrscheinlichkeit Nathan erst zur Wirklichkeit Nathan. In Recha überwindet er das, wie es scheint, Unüberwindliche: dass die Geschichte stets wiederkehrt, dass Gleiches sich stets mit Gleichem vergilt. Nathan setzt eine Metaphysik der aufgeklärten Selbstüberwindung gegen die nackte Physik der Selbstbehauptung und das in Zeiten, da Kreuzzüge Häuser wieder abbrennen. Da ein Sultan Tempelherren hinrichten lässt, und Tempelherren Waffenruhen brechen. Nathan gibt ein Versprechen: dass der Mensch in Würde frei sein kann, frei von jeder diesseitigen wie jenseitigen Bevormundung, befreit von jeder Abhängigkeit, frei aus sich selbst heraus. Dass der eine und der ganz andere sie selbst, und sie beide darin grundverschieden sein können und doch eines beide zusammenhält: ein Mensch zu sein. Es ist ein Versprechen. Und ist auch ein unmissverständlicher Anspruch: die Erziehung eines Menschengeschlechtes.

„Nathan der Weise“ ist eine Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Köln.

Regie Nicolas Stemann

Bühne

Katrin Nottrodt

Kostüme

Marysol Del Castillo

Musik

Sebastian Vogel und Thomas Kürstner

Video

Claudia Lehmann

Dramaturgie

Benjamin von Blomberg

Darsteller

Katharina Matz

Felix Knopp

Philipp Hochmair

Christoph Bantzer

Patrycia Ziolkowska

Sebastian Rudolph

Birte Schnöink

Maja Schöne

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