Viola strandet nach einem Schiffbruch in Illyrien. Sie verkleidet sich als Mann, dient als Page namens Cesario dem Herzog Orsino und verliebt sich in ihn. Dieser wiederum liebt die Gräfin Olivia, die Orsino jedoch immer wieder abweist. Die Geschichte bekommt eine neue Dynamik als Viola/Cesario im Auftrag des Herzogs um die Herzogin werben soll und diese sich nun ihrerseits in Cesario verliebt. Zur weiteren Verwicklungen kommt es als Violas vermeintlich beim Unglück gestorbener Zwillingsbruder Sebastian ebenfalls in Illyrien auftaucht. Als der Schiffshauptmann Antonio auf Viola trifft, meint er Sebastian vor sich zu haben, die ihn aber nicht kennt und Antonio fühlt sich getäuscht und betrogen. Um diese Liebesproblematik ranken sich als Nebenhandlung die heiteren Spielszenen zwischen dem eitlen Haushofmeister Malvolio und Sir Andrew Leichenwang, beide ebenfalls in Olivia verliebt, der Zofe Maria, dem ewig betrunkenen Sir Toby Rülps, Fabian und dem Narren ab, die sich gegenseitig derbe Streiche spielen.
In ihrer Inszenierung hat sich Bernadette Sonnenbichler hauptsächlich auf die Nebenhandlung konzentriert und kostet die derben Witze, Wortspielereien und –klaubereien weidlich aus. Die dramatischen Episoden laufen irgendwie mit. Dabei geht leider etwas die Balance zwischen ernsthaften Themen und komischen Szenen verloren, die der gewiefte Theaterautor Shakespeare in seinen Stücken so unvergleichlich herzustellen weiß. Auch die Thematik des Geschlechtertausches, die Frage nach der Identität, die maßlose Verwirrung, die Frage nach Traum und Wirklichkeit treten so in den Hintergrund, ganz zu schweigen von der Schwermut der Liebeskranken.
Herausgekommen ist ein ziemlicher Klamauk, den das Ensemble mit wirklich großartiger Spielfreude und vollem Körpereinsatz darbietet. In einem raren Moment der Selbstreflexion kommt ein Schauspieler auf der Bühne selbst zur seltenen Einsicht, dass das Herumgealbere etwas zu viel sein könnte. Dabei gibt es durchaus auch viele Szenen die wirklich witzig sind. Ausgekostet wird das Versteckspiel hinter einem dürren Baum. Den plumpen Witz von Toby und "To be", sowie das Kanon-Singen von "Halt das Maul, du Sau, du dumme Sau!“ hätt es aber auch nur einmal benötigt.
Äußerst gelungen ist das Bühnenbild von David Hohmann mit großen, dominierenden Wasserbecken, das natürlich auch auf den Schiffbruch verweist, das szenische Zeigen des Anlandens und Beinahe-Ertrinkens ermöglicht, aber auch zum Planschen der Rüpelgruppe und für allerlei Slapsticks dient. Großzügig aufgeblasener Nebel sorgt für atmosphärische Dichte und unterteilt die einzelnen Szenen. Die gekonnte Lichtsetzung von Konstantin Sonneson trägt ebenfalls zur zauberhaften Atmosphäre bei. Katrin Wolfermann hat für glitzernde, bunte, bizarre, märchenhafte Kostüme mit Renaissance-Verweisen gesorgt.
Alles wird meist dezent mit der Musikbegleitung eines Trios untermalt, das kurz auch eine witzige Parodie des Frostsongs aus Henry Purcells "King Arthur" und am Ende Anklänge an Sven Regners Element of Crime liefert.
Die Besetzung der Zwillinggeschwister Viola und Sebastian mit nur einer Person funktioniert dank der großartigen Sophie Stockinger, die jenseits aller Blödelei etwas Ruhe und berührende Ernsthaftigkeit ins Spiel bringt, im überwiegenden Teil des Stückes hervorragend. Am Schluss aber geht das nicht auf, weil es dann doch zwei Personen nötig hätte und so bleibt Viola etwas ratlos zurück und die glückliche Findung zweier Paare bleibt versagt.
Beim Publikum kam die temporeiche, heitere, etwas zu stark-klamaukige Inszenierung bestens an, und es dankte mit begeistertem und großzügigem Applaus.
Besetzung
Orsino, Herzog von Illyrien: Jonas Friedrich Leonhardi
Viola, später Cesario und Sebastian, Violas Zwillingsbruder: Sophie Stockinger
Olivia, eine Gräfin: Tabea Bettin
Maria, Olivias Kammerfrau und Gesellschafterin: Anya Fischer
Malvolio, Haushofmeister bei Olivia: Thomas Wittmann
Sir Toby Rülps, Olivias Onkel: Florian Lange
Sir Andrew Leichenwang, Kumpan von Sir Toby Thomas Kitsche
Fabian, Diener bei Olivia Michael Fünfschilling
Feste, Narr Jürgen Sarkiss
Antonio, Kapitän, Sebastians Freund Mila Moinzadeh
Live-Musik: Kiki Bohemia, Norbert Krämer, Tobias Vethake
Regie: Bernadette Sonnenbichler
Bühne: David Hohmann
Kostüm: Katrin Wolfermann
Komposition: Kiki Bohemia, Tobias Vethake
Choreografie; Valentí Rocamora i Torà
Licht: Konstantin Sonneson
Dramaturgie: David Benjamin Brückel
Deutsch von Thomas Brasch

