Allein der Büroangestellte Bérenger verweigert sich der grassierenden Rhinozeritis, während sein gesamtes Umfeld – ganz normale Leute – allmählich nachgibt. Bérengers bester Freund Jean diskreditiert das Festhalten am Humanismus und am Wertesystem menschlicher Zivilisation als »alberne Gefühlsduselei von gestern«. Die Arbeitskolleg:innen verneinen die Gefahr, die von den Nashörnern ausgeht, und begrüßen die Transformation der Massen als natürliche, notwendige Entwicklung. Wie sind die Zeichen der Zeit zu deuten? Wer definiert, was richtig und was falsch ist? Und wie geht die Mehrheit in einer Gesellschaft mit Minderheiten um, mit Menschen wie Bérenger, die nicht mit dem Strom schwimmen, sich nicht in Hornvieh verwandeln wollen?
Als Student in den 1930er-Jahren erlebte Eugène Ionesco, wie sich immer mehr Menschen für den Faschismus begeisterten. Mit »Die Nashörner« verleiht der Autor seinem eigenen Schrecken Ausdruck und bezieht Stellung gegen jede Form von Kollektivismus. In einer Zeit, in der sich immer mehr Demokratien auf der ganzen Welt in Autokratien verwandeln und Faschismus nicht nur ein historisches Phänomen darstellt, ist »Die Nashörner« das Stück der Stunde. Regisseurin Selen Kara nähert sich dem Stoff mit einem Interesse für die Absurditäten und Gefahren, die Hypes und Massenbewegungen mit sich bringen. Sie hat u. a. am D’haus, am Theater Bremen, am Nationaltheater Mannheim und am Schauspielhaus Bochum gearbeitet und ist seit 2023 Intendantin am Schauspiel Essen.
Bérenger Heiko Raulin
Jean Sebastian Tessenow
Daisy Sophie Stockinger
Die Frau mit Katze und Madame Papillon Claudia Hübbecker
Der Gemüsehändler und Monsieur Botard Thiemo Schwarz
Der Logiker und Monsieur Boeuf Florian Lange
Die Caféinhaberin und Mademoiselle Dudard Fnot Taddese
Der alter Herr, der Feuerwehrmann und der Kleiner Alter (Monsieur Jean) Markus Danzeisen
Die Nashörner Helia Abdollahi, Miriam Arnold, Ayla Tatu Burnaz, Fynn Gregorius, Sandra Herbrandt, Elena Hesse, Kristina Karst-El Scheich, Jasmin Krickhaus, Jamie Lay, Chiara Leonardi, Lioba Peikert, Ingo Runde, Wolf Stroetmann
Regie Selen Kara
Bühne Lydia Merkel
Kostüm Anna Maria Schories
Musik Torsten Kindermann
Licht Konstantin Sonneson
Dramaturgie David Benjamin Brückel
Choreografische Mitarbeit Takao Baba
Dauer
1 Stunde 45 Minuten — keine Pause


