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SOMMERGÄSTE / NACHTASYL von Maxim Gorki in den Münchner Kammerspielen

22.04.2010

Premiere des Doppelprojekts der Regisseurin Karin Henkelam 30. April 2010 um 19.00 Uhr im Schauspielhaus

Es zieht durch die Ritzen, der Fußboden knarrt. Es ist ein idiotisches Haus. Die Sommergäste sind da. Sie reden leidenschaftlich gern und eloquent über ihre komplizierten Beziehungen und pflegen ihre Melancholie.

Was sie tun, ist ihnen fremd geworden. Wie sie in Zukunft eigentlich leben wollen, haben sie vergessen. Kein Engagement. Nirgends. Der Mensch ist auf den Hund gekommen. "Keiner hat mehr Zeit. Jeder hat einen Haufen Probleme, keiner leistet etwas." Aber langsam zieht durch die Ritzen ein heftiger Wind, der das Leben durcheinanderwirbeln wird. Gorki versammelt in SOMMERGÄSTE die Stimmen und Stimmungen einer mediokren Gesellschaft, die ihrem Ende entgegen taumelt. Noch hält man sich für kultivierte Intellektuelle, aber das Leben ist "schäbig und brüchig, wie hastig und provisorisch zusammengezimmerte Jahrmarktsbuden". Oder wie ein Nachtasyl.

"Wie wenig braucht der Mensch zum Glück!", haut es durch die Gassen. Auch wenn man den Gürtel enger schnallen muss, zum Lumpenpack gehört man nicht! Sozialer Abstieg ist eine vorübergehende Angelegenheit. Prekär lebt man zeitweise, das wissen die Bewohner in Gorkis NACHTASYL. Sie kennen sich aus in anderen Zonen, kennen das gute Leben und die Leichtigkeit des Geldausgebens. Das Leben am Tiefpunkt kennen sie eigentlich eher aus der Literatur: Ein Leben, dem die Grazie fehlt, ein Leben ohne Verfeinerung der Genüsse und jeglicher Lebensfreude, ein Leben ohne System, wo nur der nackte Mensch geblieben ist, ohne die geringste Bedeutung. Während die Bewohner im Nachtasyl von einem neuen / alten Leben träumen, zurück an den Schaltstellen der Arbeitswelt in angenehmer Umgebung, löffeln sie täglich die Suppe im Kreis der anderen Gescheiterten, der Arbeits- und Obdachlosen und beginnen langsam zu vertieren.

Regie Karin Henkel

Bühne Stefan Mayer

Kostüme Klaus Bruns

Sound Mathis B. Nitschke

Licht Jürgen Tulzer

Dramaturgie Matthias Günther

Bassow, Rechtsanwalt / Kostyljew, Asylbesitzer Jochen Noch

Warwara, seine Frau / Wassilissa, seine Frau Katja Bürkle

Kalerija, Bassows Schwester / Natascha, W.s Schwester Caroline Ebner

Wlas, W.s Bruder / Pepel, ein Dieb Nico Holonics

Suslow, Ingenieur / Bubnow, Mützenmacher Wolfgang Pregler

Julija, seine Frau / Nastja, eine Prostituierte Lena Schwarz

Dudakow, Arzt / Kleschtsch, Schlosser Stephan Bissmeier

Olga, seine Frau / Anna, seine Frau Angelika Richter

Schalimow, Schriftsteller / Aljoschka René Dumont

Rjumin / Schauspieler Paul Herwig

Marja Lwowna, Ärztin / Satin Annette Paulmann

Doppelpunkt / Luka, Pilger Walter Hess

Samyslow, Stellvertreter / Baron Oliver Mallison

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