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LIEBE ZUM BLINDEN BLUMENMÄDCHEN - Charlie-Chaplin-Film "City Lights" mit dem Staatsorchester unter Cornelius Meister im Opernhaus STUTTGART LIEBE ZUM BLINDEN BLUMENMÄDCHEN - Charlie-Chaplin-Film "City Lights" mit dem...LIEBE ZUM BLINDEN...

LIEBE ZUM BLINDEN BLUMENMÄDCHEN - Charlie-Chaplin-Film "City Lights" mit dem Staatsorchester unter Cornelius Meister im Opernhaus STUTTGART

am 19.3. 2023

Diese berühmte US-amerikanische Tragikomödie aus dem Jahre 1931 von Charles Chaplin erfuhr im voll besetzten Opernhaus mit dem exzellent musizierenden Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Cornelius Meister eine kongeniale musikalische Umsetzung. "Charlie" Chaplin hat die Musik dazu selbst komponiert, er produzierte erstmals eine eigene Tonspur.

Copyright: Plakat

Die Uraufführung fand am 31. Januar 1931 in Los Angeles statt. Der von Chaplin humorvoll dargestellte Tramp verliebt sich hier in ein blindes Blumenmädchen, das aus ärmlichen Verhältnissen stammt (eindrucksvoll gespielt von Virginia Cherrill). Er spielt dem Mädchen vor, ein wohlhabender Mann zu sein. Zufälligerweise hält der eigentlich ziemlich tollpatschige Tramp einen  alkoholsüchtigen Millionär vom Selbstmord ab. Und dieser ernennt den Tramp daraufhin zu seinem besten Freund, lässt ihn in seiner Prunkvilla leben und drückt ihm haufenweise Geldscheine in die Hand.

Die Sympathie währt jedoch nur so lange, wie der Millionär betrunken ist. Wenn er wieder nüchtern ist, lässt er den Tramp durch seinen Butler einfach vor die Tür setzen. Um dem Mädchen Geschenke machen zu können, nimmt der Tramp eine Stelle als Straßenkehrer an. Da erfährt er, dass ihr Vermieter die ausstehende Miete einfordert und dass sie durch eine Augenoperation in Wien wieder sehen könnte. Kurzentschlossen verspricht er, alles zu bezahlen.  Als er dann seine Arbeitsstelle verliert, versucht er sich als Boxkämpfer, doch er verliert den Kampf.

Wieder trifft er den betrunkenen Millionär, dieser schenkt dem Tramp das benötigte Geld. Die beiden werden jedoch überfallen - und der arme Tramp wird von der Polizei der Komplizenschaft bezichtigt, weil sich sein reicher Freund in nüchternem Zustand nicht an ihn erinnern kann. Ihm gelingt jedoch die Flucht, er kann dem armen Mädchen das Geld übergeben. Der Schluss gerät bei diesem wunderbaren Film ganz besonders bewegend. Sechs Monate später führt das inzwischen geheilte Blumenmädchen einen eigenen Blumenladen und wartet sehnlich auf das Erscheinen des großzügigen Millionärs, den sie liebt. Der Tramp wird aus dem Gefängnis entlassen und läuft zufällig an ihrem Geschäft vorbei. Das sehende Mädchen erkennt ihn zunächst nicht und schenkt ihm eine weiße Rose. Erst beim Berühren seiner Hand erkennt sie den lang ersehnten Geliebten.

Das Staatsorchester Stuttgart spielte Charles Chaplins Musik, die dieser zusammen mit Jose Padilla komponierte, mit weiten lyrischen Bögen und einer präzisen harmonischen Durchsichtigkeit. So konnte man hier auch immer wieder berührende Leitmotive erkennen. Gleich zu Beginn ertönten beim Enthüllen des Denkmals majestätische Fanfaren - und die Musik zeigte viele ironische Facetten, als der schlafende Tramp von der empörten Menge auf dem Denkmal entdeckt wurde. Auch die Szenen in der Millionärsvilla und die Begegnung mit dem Mädchen auf der Straße besaßen einen einprägsamen melodischen Reichtum, der nicht nachließ.

Manches mutet dabei wie eine Parodie auf Tonfilme an. Bei der feierlichen Denkmalenthüllung ist neben gewaltigen Bläsereinsätzen nur groteskes Nuscheln zu hören. Die quäkenden Töne werden virtuos von einem Saxophon erzeugt. Chaplin konnte übrigens selbst keine Noten lesen, er diktierte seine musikalischen Einfälle einem erfahrenen Musiker. Cornelius Meister gelang es mit dem Staatsorchester Stuttgart ganz hervorragend, die gewaltigen dynamischen Steigerungen vor allem am Schluss besonders hervorzuheben. Hier wird auch klanglich virtuos mit den Möglichkeiten des Tonfilms gespielt, wenn etwa der Tramp eine Trillerpfeife verschluckt.

So war das Publikum vom Zusammenwirken von Leinwand und Orchester restlos begeistert. Riesenjubel im Opernhaus.

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