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Leipziger Schauspielerin Anja Schneider erhält Otto-Kasten-Preis

Der Otto-Kasten-Preis 2005 der deutschen Theaterintendanten wird an die Schauspielerin Anja Schneider vom Staatsschauspiel Leipzig vergeben. Die Preisverleihung erfolgt am 3. Oktober 2005 im Foyer des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Die mit 10.000,- Euro dotierte Ehrung ist einer der wohl bedeutendsten deutschen Theaterpreise.

Anja Schneider wurde 1977 in Altenburg geboren, von 1997-2001 absolvierte sie das Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin, es folgten Engagements in Freiburg und Berlin bevor sie für die Spielzeit 2001/2002 am Schauspiel Leipzig verpflichtet wurde. Hier debütierte Anja Schneider als Ophelia in der Hamlet-Inszenierung von Intendanten Wolfgang Engel. Schnell etablierte sie sich als Protagonistin bei so unterschiedlichen Regisseuren wie Engel, Markus Dietz, Enrico Lübbe, Armin Petras, PhilipTiedemann oder Antoine Uitdehaag.

 

Die Dr. Otto Kasten-Stiftung wurde 1962 ins Leben gerufenen. Seit 1985 vergibt sie einen Förderpreis für den künstlerischen Nachwuchs. Als Preisträger kommen dabei junge Theaterkünstler in Frage, die jedoch nicht alter als 35 Jahre sein sollen. Vom Vorstand der Intendantengruppe vorgeschlagen, entscheidet der Vorstand der Stiftungsgruppe über den Preisträger. Der Preis wird vom Vorsitzenden der Intendantengruppe verliehen. Preisträger waren u. a. Klaus Weise (Regisseur, jetzt Generalintendant in Bonn), Leander Haussmann (Regisseur), Wolfgang Maria Bauer (Schauspieler), Christoph Loy (Opernregisseur), Joachim Schlömer (Choreograph) und Philip Kochheim (Regisseur).

 

Anja Schneider - künstlerisches Wirken

 

Die Bandbreite des künstlerischen Wirkens von Anja Schneider reicht von Aljonuschka im Märchen DIE FEUERROTE BLUME über Ala in TANGO bis zu Strindbergs FRÄULEIN JULIE. Über ihre Irina in DREI SCHWESTERN schrieb der Kritiker Fritz Oswald: "Anja Schneider als Irina, die jüngste der drei, lässt am Anfang ihr ganzes stürmisches Temperament spielen - aber man nimmt ihr auch die zunehmende Resignation ab, ihre Bereitschaft, den Baron zu ehelichen, der zwar tüchtig sein mag, aber zu dem sie keine Liebe verspürt. So wird sogar ihre Gelassenheit verständlich, als sie vom Tode des Bräutigams erfährt. Man täte den anderen Schwestern Unrecht, wenn man Schneider bestätigte, sie sei der Mittelpunkt des Abends gewesen - aber eine Glanzrolle ist ihr jedenfalls gelungen."

 

Als extrem wandlungsfähige Darstellerin etablierte sie sich vor allem in der Zusammenarbeit mit Armin Petras, sei es als verzogen trotzige Salome-Göre, als das verstockt-eigensinnige Künstler-Gruftie-Girl in STERNE ÜBER MANSFELD oder als glaubwürdig-fürsorgliche Mutterfigur in ALKESTlS, MON AMOUR. Irene Bazinger (FAZ) beschrieb ihre Alkestis als "zart im durchsichtigen Strickjäckchen und durchsichtig im Schmerz". Für Armin Petras war sie einer der Hauptgründe für sein Stück und seine Inszenierung, weil er ihr sagen könne: "Mach das mal, mit sechs Sätzen eine Hauptfigur spielen."

 

Holk Freytag

 

Intendant Staatsschauspiel Dresden

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