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«DER ZERBROCHNE KRUG» von Heinrich von Kleist, Theater Bern

Premiere 29. Oktober 2014, Stadttheater. -----

Gerichtstag in Huisum. Schon der kommt Dorfrichter Adam herzlich ungelegen. Findet sein Schreiber ihn doch am Morgen in kläglichem Zustand vor: klaffende Wunden an Kopf und Schienbein, das richterliche Ornat sichtlich ramponiert, von der Perücke fehlt gar jede Spur.

Was genau dem Würdenträger über Nacht zugestossen ist, bleibt zunächst im Dunklen. Und jetzt auch noch das: Gerichtsrat Walter hat kurzfristig seinen Besuch angekündigt, um das Amt zu revidieren, Kassen und Registraturen zu prüfen und Adams Prozessführung zu begutachten. Als dann noch die aufgebrachte Marthe Rull mitsamt ihrer Tochter Eve und einem über Nacht auf so mysteriöse wie wüste Weise zerbrochenen Krug bei Gericht erscheint, wird die Lage im Gerichtssaal unübersichtlich.

An diesem Tage geht es, so wird nach und nach deutlich, nicht bloss um ein unersetzbares irdenes Erbstück aus dem Hause Rull, sondern um die Ehre des Fräulein Eve, um die ihres Verlobten Ruprecht Tümpel und nicht zuletzt um die des Dorfrichters höchstselbst. Hier ist ein Richter gezwungen, über seinen eigenen Sündenfall zu Gericht zu sitzen.

Mit «Der zerbrochne Krug» schuf Heinrich von Kleist eine der brillantesten und bösesten Komödien der

deutschsprachigen Theaterliteratur. Das 1808 bei der Uraufführung in Weimar beim Publikum noch durchgefallene Lustspiel hat seitdem Zuschauer wie Spieler durch seine bildhafte und pointenreiche Sprache und die ins Groteske spielende Suche nach Recht und Wahrheit in seinen Bann gezogen. Entstanden aus einem Dichterwettstreit mit Ludwig Wieland erzählt «Der zerbrochne Krug» den Sündenfall des Adam, der über seine Gier nach Eve stolpert und darüber den Krug und seine Ehre mit in die Tiefe reisst. Dass Kleist seinen tragikomischen, mit der Erbsünde belegten Antihelden auch noch mit einem Klumpfuss ausstattet, macht ihn zu einem Verwandten von Ödipus und dem

Leibhaftigen selbst; ihm bei seinen (Aus)Flucht- und Rechtsbeugungsversuchen zuzuschauen, ist ein fast schon göttliches Vergnügen.

Mathias Schönsee ist Regisseur, Dramaturg und Spielstättenleiter an verschiedenen Theatern. Seit

1998 ist er freier Regisseur, Autor und Songwriter. In den letzten Jahren inszenierte er vorwiegend eigene Stücke oder Bearbeitungen von Romanen. In seiner Theaterarbeit bringt er das Sprechtheater gern mit anderen performativen Künsten zusammen, Musik, Tanz und Artistik. Als Co-Komponist

und Texter veröffentlichte er diverse Hör-CDs für Kinder, von denen bisher fünf Gold-Status erreichten.

Regie Mathias Schönsee

Bühne Doreen Back

Kostüme Dorothee Scheiffarth

Musik Mark Chaet

Dramaturgie Jan Stephan Schmieding

Dorfrichter Adam Jürg Wisbach

Gerichtsrat Walter Benedikt Greiner

Schreiber Licht Mona Kloos

Marthe Rull Sophie Hottinger

Eve Rull Henriette Blumenau

Veit Tümpel Stefano Wenk

Ruprecht Tümpel Pascal Goffin

Cherubim Corinne Steudler

Weitere Vorstellungen: 02., 19.

Nov | 13. Dez 2014 | 10., 18., 31. Jan | 07., 28. Feb | 13., 20., 25. Mrz 2015 |

Einführung jeweils 30 Minuten vor der Vorstellung (ausser Premiere)

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