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Der Überfall

"Der Eindringling – eine Autopsie" von Helena Waldmann in den FFT Kammerspielen Düsseldorf

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte aufgefahren; um sich zu schützen und den Eindringling außer Gefecht zu setzen. Helena Waldmann nimmt in ihrem Stück "Der Eindringling – eine Autopsie" die im allgemeinen Sprachgebrauch übliche Gleichsetzung des Heilungsprozesses mit kriegerischen Handlungen wörtlich und zeigt im choreographisch übertragenen Sinne was in unserem Körper vor sich geht, wenn er gegen Angriffe mobil macht.

Copyright: Wonge Bergmann

Die drei Performer Ichiro Sugae, Tillmann Becker und Mattia Saracino greifen einander zunächst ungeschützt mit bloßen Händen und Füßen an. Im Laufe des Gefechts, als die Angriffe und die Gegenwehr härter werden, wird aber - ganz nach Kampfsportmanier beim Anlegen Aggressivität betonend - zu Boxhandschuhen, Kopfschutz und Schutzpolstern gegriffen. Das Ganze ist eingebettet in eine ausgeklügelte Choreographie mit angedeutetem HipHop zu Jean-Philipp Rameau und Tango zu Astor Piazzolla. Kommentiert wird das Geschehen vom Vocal Artist Telmo Brano, der mal sirenenhaften Gesang, mal lautmalerische Geräusche von sich gibt. Schließlich versucht ein krakenhaftes Schaumstoffgebilde, die Kontrolle zu übernehmen. Der Körper passt sich an und die Krake vereinigt sich mit dem Kranken zu einem neuen Wesen. Das Stück endet im Dunklen mit lautstarken, wummernden Beats, die vibrierend in den Körper des Zuschauers eindringen.

Helena Waldmann zeigt nicht nur die Abwehrmechanismen eines kranken Köpers, dessen Immunsystem lernt, sich gegen Eindringlinge zu wehren und sich dadurch zu entwickeln. In Analogie zum funktionierenden System eines Staates kann ihr Stück auch als Gleichnis für eine gelungene Integration verstanden werden, indem man den Eindringling nicht vernichtet, sondern an ihm wächst.

Tanz, Musik und Kampfsportelemente gehen in "Der Eindringling – eine Autopsie" eine überaus gelungene Synthese ein, beeindruckend und überwiegend heiter.

Performance: Tillmann Becker, Telmo Branco, Mattia Saracino, Ichiro Sugae

Konzept & Tanzregie: Helena Waldmann
Licht: Herbert Cybulska
Musikalische Leitung: jayrope
Musik: Jerry Goldsmith, Jean-Philippe Rameau, Astor Piazzolla, Rashad Becker, jayrope & Niklas Kraft jayrope & Lippstueck, Arne Deforce / Mika Vainio
Video: Anna Saup
Holographische Projektion: Michael Saup
Kostüm: Judith Adam. Mitarbeit Kostüm: Nora Scheve
Training & Beratung Kampfkunst: Aljoscha Tursan
Technische Leitung: Carsten Wank
Tontechnik: Stephan Wöhrmann
Produktionsleitung: Claudia Bauer

Eine Produktion von Helena Waldmann und ecotopia dance productions in Koproduktion mit Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen, FFT Düsseldorf, Tafelhalle Nürnberg, Tollhaus Karlsruhe. Mit freundlicher Unterstützung von Pumpenhaus Münster. Unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Koproduktionsförderung Tanz. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Im Rahmen der internationalen Performance-Reihe Eve of Destruction gefördert durch die Kunststiftung NRW.

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