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BONI FÜR DIE BOSSE - Spielplananalyse mit Harald Schmidt im Schauspielhaus Stuttgart

am 12.12.2023

Wieder brannte der unverwüstliche Entertainer Harald Schmidt ein Feuerwerk der besonderen kabarettistischen Laune ab. Cordhose, Handgepäckkontrolle und Kinderklapse kamen virtuos zum Einsatz. Der Klavierwitz beschränkte sich diesmal allerdings auf Richard Wagners Bühnenfestspiel "Der Ring des Nibelungen" mit dem tiefen "Es" aus dem Vorabend "Das Rheingold". Da erzählte Schmidt dann von der kleinen "Göre", die dabei die Nerven verlor. Die 5-Millionen-Boni für die schamlosen Bosse der Deutschen Bahn nahm er ebenfalls gnadenlos aufs Korn.

Copyright: Björn Klein

Er dankte Hubertus Heil, der als Arbeitsminister das unbegrenzte Hinzuverdienen für Rentner möglich mache. Er sinnierte ebenfalls darüber, warum Frauen in Deutschland eigentlich so schlecht bezahlt werden: "Das Pony muss weg!" Und er zog über den Burladinger Unternehmer  Wolfgang Grupp her, der sich mit goldenen Krawatten schmücke. Netanjahu gehöre laut Erdogan ja vor ein Kriegsgericht, so Schmidt sarkastisch weiter. Und die Palästinenser würden für sich die Freiheit fordern. Gleichzeitig machte Schmidt genüsslich Werbung für den "Zauberberg" von Thomas  Mann: "Ein Land hustet..." Ex-Innenminister Gerhard Baum sei ja mit seinen 91 Jahren noch topfit. Seine Haltung laute im Fernsehen: "Das kann doch nicht so weitergehen!"

Über Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius wusste Harald Schmidt viel Interessantes zu berichten. Er sei "knackig" und der Beliebteste im Kabinett. Manches an ihm erinnere an Loriot ("Früher war mehr Lametta!"). Mit Frau Slomka vom ZDF zog er dann das Resümee, dass die Militärindustrie schlecht geredet worden sei. Pistorius habe aber kein Geld, kein Material und keine Leute. Die Lügenpresse hätte berichtet, dass er fünf Kinder habe, so Schmidt. Aber seine Tochter Waltraud habe man einfach vergessen. Habeck mit seinem Beratervertrag könne er ebenfalls nicht ab - und die FDP-Frontfrau Strack-Zimmermann sei doch die Erfinderin der nachgeschobenen Mimik. Claudia Roth falle als Kulturstaatsministerin mit bester Laune auf - und auch Reinhard Bütikofer von den Grünen wurde von Schmidt veräppelt.

18 Jahre habe man in Deutschland Regierungschefs ohne Kinder gehabt - von Merkel bis Scholz. Und über Saskia Esken sagte er: "Ich wollte an ihren Lippen hängen - ich sehe keine!" Kanzler Olaf Scholz spreche ohne Manuskript und frei: "Er lernt von mir..." Ganz unbescheiden bedauerte Harald Schmidt außerdem, dass Bahn-Gewerkschaftsboss Claus Weselsky aufhört.  In London habe er dann "David Copperfield" von Charles Dickens gelesen - und insgeheim auf Autogrammjäger gehofft. Merkel-Minister Helge Braun aus dem Kanzleramt bezeichnete Schmidt als "gemütlichen Buddhisten", der Todesurteile verkünde.

Auch auf die Verhaftung des Adeligen Prinz Heinrich XIII. "Reuß" ging er in hintersinniger Weise ein. In Cordhosen werde ihm jetzt der Prozess gemacht. Er wolle etwas von seiner Ausbildung am Urbansplatz zurückgeben, verkündete der gelernte Schauspieler Harald Schmidt. Die Spielplananalyse vom Schauspiel Stuttgart blieb Schmidt dem Publikum diesmal allerdings schuldig, was aber nicht schlimm war, denn er schüttelte immer wieder neue Pointen aus dem Ärmel. Seine Mutter sei eine geborene "Reichsbahn"  gewesen - und an "Führers Geburtstag" am 20. April habe er sich Tipps von RAF-Verteidiger Otto Schily geholt. Wenn Bundeskanzler Scholz lache, fühle man sich wie bei "Stars in der Manege".

Und über Ex-Bundespräsident Joachim Gauck machte sich Schmidt ebenfalls lustig - dieser sei ein "Gigolo von der Ostsee". Nancy Faeser kürte er gar zur "Politikerin des Jahres". Und mit einer wahren Grimassenschlacht erinnerte er an den Pianisten Alfred Brendel.

Begeisterung, tosender Schlussapplaus, "Bravo"-Rufe.
 

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