Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
JUWELEN - "Drei Meister – Drei Werke", George Balanchine | Hans van Manen | William Forsythe in der Deutschen Oper am RheinJUWELEN - "Drei Meister – Drei Werke", George Balanchine | Hans van Manen |...JUWELEN - "Drei Meister...

JUWELEN - "Drei Meister – Drei Werke", George Balanchine | Hans van Manen | William Forsythe in der Deutschen Oper am Rhein

Premiere Fr 6. Oktober 2023 in Düsseldorf

Wozu ein Schaufensterbummel doch führen kann! Als eines Tages George Balanchine die kunstvoll drapierte Auslage eines Luxusjuweliers auf der 5th Avenue in New York eingehend betrachtete und bewunderte, rief das nicht nur das besorgte Verkaufspersonal auf den Plan, sondern inspirierte ihn auch zu einer dreiteiligen Choreographie über Juwelen, dessen mittlerer Teil „Rubies“ aus dem Jahre 1967 jetzt in einem Ballettabend in der Deutschen Oper am Rhein zu sehen ist.

Copyright: Roman Novitzky

Alles ist in Rot getaucht, kaleidoskopartig schillernd, wie Rubine leuchten die Kostüme, bei jeder Bewegung ein leises Klirren der angenähten Straßsteine, rote Stäbe leuchten als einzige Bühnendekoration wie Edelsteinstrahlen. Spitzentanz ist mit Jazzdance kombiniert. Beschwingt und voller Lebensfreude ist das neoklassische, abstrakte Ballett zu Igor Strawinskys Capriccio für Klavier und Orchester ein sinnliches Vergnügen.

Bei Hans von Manens "Vision Fugitives" von 1990 dominiert die Farbe Blau bei Kostümen und Licht. Und es geht ruhiger zu. Zu den 15 Miniaturen für 3 Tänzer und 3 Tänzerinnen haben ihn Sergei Prokofjews Visions Fugitives op. 22 angeregt. Ganz ohne Schnörkel hat Hans von Manen den Tanz auf das Wesentliche reduziert ohne auf die Vielfalt von Ensemble, Soli, Duos, Trios zu verzichten. Auffällig ist die Lagerung der hängenden Hände auf den Oberschenkeln, die in der Hebung angewinkelten Beine und abgespreizten Füße. Die Bewegungen sind oftmals wie sanftes gleitendes Schweben. Schon ist eine Sequenz vorbei. Flüchtig wie ein Traum, die kleinen Capriccios versetzen in ein sanftes Sinnen.

Schwarz und Weiß, Hell und Dunkel, gleißendes Licht und Schatten, stürmische und ruhige Bewegungen: starke Kontrakte stoßen aufeinander, dazu die elektronische Synthesizer-Musik von Thom Willems, die manchmal geradezu schmerzhaft ist. Bei „Enemy in the Figure“ von William Forsythe aus dem Jahre 1989 geht es darum, wie Körper den Raum verändern. Inspiriert haben ihn die Architekturzeichnungen aus der Serie „Micromegas“ von Daniel Liebeskind. Forsythe faszinierte „wie ein statisches Element in der eigenen Vorstellung lebendig wird“, “wie Linien, die in einem dreidimensionalen Raum in der Verlängerung zu Ebenen werden, die sich gegenseitig zerschneiden, neue Räume bilden“. Die zweidimensionalen Zeichnungen versuchte er in die Dreidimensionalität umzusetzen. Eine kurvige Edelholzwand steht mitten im Bühnenraum, Scheinwerfer werden herumgeräumt und die Kabel der Scheinwerfer werden aufgerollt oder in Schlangenlinien bewegt. Die Tänzer bewegen sich stürmisch im Licht oder langsam im Schatten, zeichnen Linien im Raum oder Buchstaben mit ihren Körpern nach. Ein intensives und energiegeladenes Stück. Der Titel bleibt geheimnisvoll. Vielleicht sind es die plötzlich auftauchenden Schatten des eigenen Körpers, die einem selbst fremd erscheinen? Wer weiß?

Am Ende gab es für die drei sehr unterschiedlichen Choreographien des Tanztheaters euphorischen Beifall für eine Meisterleistung des Balletts am Rhein.

Rubies
Choreographie: George Balanchine
Musik: Igor Strawinsky
Bühne: Pepe Leal
Kostüme: Karinska
Choreographische Einstudierung: Nanette Glushak
Besetzung:
Simone Messmer, Orazio Di Bella, Maria Luisa Castillo Yoshida, Philip Handschin, Pedro Maricato, Kauan Soares, Dukin Seo, Paula Alves, Sara Giovanelli, Neshama Nashman, Clara Nougué-Cazenave, Rose Nougué-Cazenave, Emilia Peredo Aguirre, Ako Sago, Courtney Skalnik

Visions Fugitives
Choreographie: Hans van Manen
Musik: Sergei Prokofjew
Bühne / Kostüme: Keso Dekker
Licht: Joop Caboort
Choreographische Einstudierung
Nancy Euverink
Besetzung:
Norma Magalhães, Gustavo Carvalho, Lara Delfino, Damián Torío, Neshama Nashman, Niklas Jendrics

Enemy in the Figure
Choreographie: William Forsythe
Musik: Thom Willems
Bühne / Kostüme / Licht: William Forsythe
Bühnen- und Lichteinrichtung: Tanja Rühl
Choreographische Einstudierung: Thomas McManus, Ana Catalina Román

Besetzung:
Charlotte Kragh, Wun Sze Chan, Norma Magalhães, Sara Giovanelli, Marta Andreitsiv, Elisabeth Vincenti, Orazio Di Bella, Joaquin Angelucci, Daniele Bonelli, Gustavo Carvalho, Jack Bruce
Musikalische Leitung: Christoph Stöcker
Dramaturgie: Juliane Schunke

Düsseldorfer Symphoniker

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 19 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

UNHEIMLICHE VERWANDLUNGEN -- "Der Untergang des Hauses Usher" mit dem Studiengang Figurentheater der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart im Wilhelma Theater Stuttgart

Sehr viele technische Tricks und faszinierende Einfälle besitzt diese gelungene Produktion des Studiengangs Figurentheater. In der suggestiven Regie von Stephanie Rinke können sich die gespenstischen…

Von: ALEXANDER WALTHER

AUS DEM DUNKEL INS LICHT -- Neue CD: Die Würth Philharmoniker und Thomas Hampson (Bariton) bei hänssler Classic

Das dritte Album der Würth Philharmoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten Claudio Vandelli präsentiert den berühmten US-amerikanischen Bariton Thomas Hampson. Die Würth Philharmoniker, die auf…

Von: ALEXANDER WALTHER

NORDISCHE KLANGFARBEN -- Neue CD "Northern Colours" mit Felix Klieser (Horn) bei Berlin Classics erschienen

Im Zentrum des neuen Albums von Felix Klieser (Horn) steht das inspirierende Werk "Soundscape - A Walk in Colours" op. 118 von Rolf Martinsson, der 1956 in Schweden geboren wurde. Der Komponist hat…

Von: ALEXANDER WALTHER

DIE TOTEN KOMMEN WIEDER -- Premiere "Antigone. Ein Requiem" von Thomas Köck im Schauspiel Nord/STUTTGART

"Sag mir nur eins, was taugt der Frieden hier, wenn er Leichen an den Strand spült, was für ein Frieden soll das sein?" fragt Antigone ihren Gegenspieler Kreon. Wer übernimmt eigentlich Verantwortung…

Von: ALEXANDER WALTHER

MIT VERVE UND ESPRIT -- Neue 4-CD-Box beim Label Naxos erschienen: Berühmte Orchesterwerke und Walzer von Johann Strauss II

Das Slowakische Staatliche Philharmonische Orchester, das Slowakische Radio Sinfonieorchester, das Polnische Staatliche Philharmonische Orchester Katowicze und das ORF Radio-Symphonieorchester Wien…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑
StartseiteBeiträgeKritikenHintergründeTheatermacherServiceFachbegriffeSuche