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WEIHE DES CHORALS - SWR Symphonieorchester unter Manfred Honeck in der Stuttgarter Liederhalle

am 18.1.2024

ALEXANDER WALTHER 19.01.2024
Kategorien: Kritiken, Deutschland, Oper

Ritardando und Orchestertutti in reizvoller Instrumentation schmücken Arnold Schönbergs Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge für Orgel Es-Dur BWV 552 für großes Orchester. Das SWR Symphonieorchester interpretierte das Werk unter der einfühlsamen Leitung von Manfred Honeck mit präziser Bertonung des gleich zu Beginn absteigenden Motivs der Violinen und Bratschen. Das H in der Hauptstimme wechselte in facettenreicher Weise immer wieder in eine andere Instrumentengruppe. Auch die markanten Punktierungen der Hörner fielen bei diesen kontrapunktischen Kunststücken ins Gewicht. Und die fünfstimmige Fuge mit ihrem geheimnisvollen Beginn in der B-Klarinette mündete in eine kunstvolle Durchführung, die von den Holzbläsern reizvoll musiziert wurde. Das Sechzehntel-Thema als Fugato wurde hier akribisch nachgezeichnet.

Anschließend folgte eine hervorragende Wiedergabe von Anton Bruckners Sinfonie Nr. 7 in E-Dur, wo Manfred Honeck als umsichtiger Dirigent die machtvollen harmonischen Blöcke herausmeisselte. Die reiche Melodienherrlichkeit strahlte bei dieser reifen Wiedergabe in wunderbarer Weise hervor. Und aus zart flimmerndem Licht schwang sich das "Heldenthema" des Allegro moderato in die Höhe. Das zweite Thema in Oboen und Klarinetten überraschte ebenfalls mit einer ausgesprochen schmiegsam musizierten Melodie. Insbesondere die zart wechselnden Harmonien blitzten hier reizvoll hervor. Immer heller glühte dieser Gesang auf, bis sich plötzlich das von frischer Tatkraft beherrschte dritte Thema behauptete. Aus diesen drei Themen wuchs die Durchführung mit höchster Klangkunst hervor - und die Coda machte dem "Heldenthema" in gewaltiger Weise Platz. Manfred Honeck fand dabei mit dem Orchester immer wieder genügend Atem, um die ungeheuren dynamischen Steigerungen zu beschwören. Den zweiten Adagio-Satz schrieb Bruckner in Vorahnung von Wagners Tod. In dunkler Leidensahnung hob der Gesang der Streicher an, gestützt von "Wagner-Tuben", die ja auch im "Ring des Nibelungen" geheimnisvoll erscheinen.  

Wie von einer anderen Welt meldeten sich   dann in Honecks Wiedergabe die Streicher. Immer erhabener breitete sich das erste Thema aus und gipfelte im gleissenden Leuchten eines Beckenschlages. Die Totenklage der "Wagner-Tuben" grüßte den Freund. Wagners Tod traf Bruckner gerade, als er an dieser Stelle der Niederschrift war. Manfred Honeck arbeitete die bewegende Stimmung dieses Augenblicks mit dem SWR Symphonieorchester in ausgezeichneter Weise heraus. Auch der dritte Scherzo-Satz besaß in dieser mitreissenden Interpretation ungeheure Wucht. Eine fast spukhafte Geschäftigkeit breitete sich aus, bis das herausfordernde Trompetensignal den Streichern folgte. Flüchtige Tanzklänge stachelten den Jagd-Rhythmus noch mehr an. Atemlos entfaltete sich diese Scherzo-Jagd. Eine energiegeladene Abwandlung des Kopfthemas machte sich im Finale breit, dessen geballtes Kopfthema sich deutlich durchsetzte. Die stille Weihe eines Chorals  stach dann beim zweiten Thema der Streicher hervor. Auch die dramatisch gespannte Durchführung gelang überaus packend. Am Ende Jubel und viele "Bravo"-Rufe für den früheren  Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart Manfred Honeck.

Als "AusKlang" im Foyer spielten noch Musiker des SWR Symphonieorchesters Werke von Johann Sebastian Bach und Joseph Haydn - von diesem war ein launig-kapriziöses  Divertimento für Violine, Cello und Flöte zu hören.
 

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