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"V13 – Die Terroranschläge in Paris", Gerichtsreportage von Emmanuel Carrère, Schauspiel Köln

08.11.2025

Zum 10. Jahrestag des Anschlags begibt sich Regisseur Stephan Kimmig mit Carrères Journal auf die Suche nach den Wurzeln extremistischer Gewalt und den feinen Mechanismen der Rechtsprechung. In klarer Sprache, die Sinn für Nuancen und juristische Fallstricke beweist, lässt Carrère seine Leserinnen hautnah am Prozess teilhaben.

© Marcel Urlaub

Sechs Jahre nach den Bataclan-Anschlägen von Paris, wird jenen Männern der Prozess gemacht, die die Terroristen bei ihren Vorbereitungen unterstützt haben. Der Name des Gerichtsverfahrens: V13, für Vendredi treize – Freitag, der 13. Als Zeitzeuge vor Ort: der Schriftsteller Emmanuel Carrère, der den Prozessverlauf für die Wochenzeitung »Le Nouvel Obs« detailliert protokolliert.

Angetrieben wird Carrère von der Frage, »wo der Wahnsinn beginnt, wenn es um Gott geht«, und dem Wunsch, dem Entstehen einer kollektiven Erzählung beizuwohnen. So verbringt er Monat für Monat in der »fensterlosen weißen Sperrholzkiste«, die wegen des enormen öffentlichen Interesses in den Justizpalast auf der Île de la Cité hineingebaut worden ist.

»V13« behandelt den Prozess um die Terroranschläge von Paris vom 13. November 2015. Gewalt sowie körperliches und seelisches Leid werden dabei teilweise sehr explizit benannt. Wie gibt man den Opfern eine Stimme? Wie geht eine Gesellschaft, die weiterleben will, mit einem derartigen Trauma um? In einer intimen Bühnenanordnung wird der Theaterabend auch zu einer Liebeserklärung an die Regeln der Justiz, die – wie Carrère schreibt – versucht, »die Welt wieder in ihre Fugen [zu] rücken«.

Deutsch von Claudia Hamm

    Regie Stephan Kimmig
    Bühne Oliver Helf
    Kostüme Anja Rabes
    Videoart Jan Isaak Voges
    Sounddesign Michael Verhovec
    Lightdesign Michael Gööck
    Ton Christoph Priebe und Joschka Tschirley
    Dramaturgie Viola Köster

    Mit Claude De Demo und Paul Grill

Die nächsten Termine sind am 16. November (18 Uhr), 26. und 29. November (jeweils 19.30 Uhr). Weitere Termine folgen. Karten gibt es an der Vorverkaufskasse in den Opernpassagen, unter www.splkln.de oder 0221/221-28400.

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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