Die Komödie von Susanne Felicitas Wolf glänzt durch subtilen Sprachwitz und zuweilen sarkastischen Hintersinn, den die wandlungsfähige Schauspielerin Ursula Berlinghof auch sehr überzeugend über die Rampe bringt. Helen hat Zeit, ihr Leben so freizügig und uneingeschränkt zu leben, wie sie will. Sie ist tatsächlich "übersphärisch" glücklich mit dem jüngeren Liebhaber Patrick und lebt in einer guten Beziehung zu ihrer erwachsenen Tochter. So ist sie auch überzeugt davon, sich nie wieder mit gleichaltrigen Männern einzulassen. Als die Tochter dann ein Kind bekommt, möchte sie allerdings ihr Leben nicht an die Wickeltische verlieren. Alles ist eben wunderbar, bis ihr die Tochter diese überraschende Mitteilung macht. Eine Nachfahrin ist unterwegs und Helen wird Omi!
Wenn sie allerdings an ihre Freundinnen denkt, meint sie nur: "Ich gehöre nicht in diesen Club! Und wie die aussehen! Die lassen sich gehen!" Und während dann diese seltsamen Freundinnen sich alle voller Hingabe im Großeltern-Wahnsinn auflösen und zu Seifenblasen-blubbernden-Helikopter-Glucken mutieren, herrscht bei Helen tatsächlich Alarmstufe Rot! Da beginnt sie dann wirklich zu rebellieren: "Ich fühle mich verraten als Frau...Ich bin frei! Ich liebe meine Kämpfe vor Gericht!" Und sie stellt fest: "Ich gewinne jeden Prozess!"
In der wandlungsfähigen und beweglichen Inszenierung von Lisa Wildmann macht die furiose Darstellerin Ursula Berlinghof durchaus packend deutlich, dass sie sich ihre hart erkämpften Freiheiten nicht wieder nehmen lassen will. Doch schließlich ist die Begeisterung über das Neugeborene doch groß: "Wir kriegen ein Enkelkind! Wenn Kinder da sind, kannst du Wohnungen sowieso vergessen." Sie vergisst aber nicht, dass sie jetzt Großmutter mit einem wesentlich jüngeren Freund ist. "Aushalten, Kämpfen, Durchhalten!" lautet deshalb ihre Devise. Gleichzeitig stellt sie als Juristin fest, wie viel Unrecht sie erlebt: "Im Gerichtssaal erlebe ich die Welt!"
Der exzentrische Ex-Ehemann verursacht ihr Alpträume, als er plötzlich wieder auftritt und sie als "Oma" feiert. Sogar Hitlers Lieblingsfilm "Vom Winde verweht" wird erwähnt. Da steigert sich auch das Tempo dieser gelungenen Aufführung, die kaum Utensilien besitzt. Ein Stuhl im Lichtkegel bildet den Mittelpunkt auf der relativ kahlen Bühne von Niko Büchel, die sich aber rasch mit Leben füllt. Und dann gibt es da noch den Hund Pudding, der manchmal auch winselt. Und der jüngere Freund hebt immer wieder die seelische Stimmung: "Er und ich ist Glück!" Die Autorin Susanne Felicitas Wolf wurde in Mainz geboren und lebt jetzt in Wien. Sie besitzt eine scharfe Beobachtungsgabe und seziert gesellschaftliche Entwicklungen. Aber immer mit Humor.
Viel Schlussapplaus und "Bravo"-Rufe.


