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SPIEL VON NÄHE UND DISTANZ -- 3. Staatsorchesterkonzert unter Cornelius Meister in der Liederhalle/STUTTGART

am 7. Dezember 2025

ALEXANDER WALTHER 11.12.2025
Kategorien: Kritiken, Deutschland, Oper

Die von Anne-Sophie Mutter geförderte junge Stuttgarter Geigerin Mira Foron stand mit Peter Tschaikowskys Violinkonzert in D-Dur op. 35 im Mittelpunkt des dritten Staatsorchesterkonzerts unter der inspirierenden Leitung von Cornelius Meister. Dieses im Jahre 1878 entstandene Meisterwerk wurde zunächst heftig abgelehnt und trat dann seinen Siegeszug rund um die Welt an. Es hat Nachfolger bis hin zu Katschaturjan gefunden. Es ist ebenso beliebt geworden wie die drei großen Sinfonien.

© Matthias Baus: Cornelius Meister

Mit virtuos-brillanter Einkleidung wartete die Solistin hier auf, wurde vom Staatsorchester unter Meister einfühlsam in das harmonische Geschehen eingebettet. Die rassigen Züge kamen in überwältigender Weise zum Vorschein, obwohl sie es dem Solisten nicht immer leicht machen. Und die mondäne Sphäre des Salons wurde nicht übermäßig betont. Überschäumende Temperamentsausbrüche des russischen Wesens feierten hier Triumphe. So stach der vielfach wechselnde Stimmungsablauf des ersten Satzes leuchtend hervor, der glanzvoll um das Thema kreiste. Es wurde in geschmackvoller Weise immer neu beleuchtet, auch die einprägsamen Seitenthemen besaßen hier markante Züge. Die Sehnsuchtsmelodie konnte sich in sensibler Weise behaupten. Elegische Beruhigung brachte dann der einfühlsam musizierte zweite Satz. Die Andante-Canzonetta mit ihrer träumerisch-schwermütigen Melodie wurde von Mira Foron prägnant betont. Das temperamentvolle Finale mit seinen reich variierten beiden Themen blühte hier geradezu auf, russische Melodien erhielten glitzernde Farben. Schmissige Bravour und immer kühnere technische Aufgaben meisterte Mira Foron in ausgezeichneter Weise. Für den begeisterten Applaus bedankte sich die junge Geigerin mit der feurig gespielten 17. Caprice von Niccolo Paganini.

Danach folgten "Final(ment)e - Beziehungsweisen für zwei Trompeten und Orchester" (2021) des Schweizer Komponisten David Philip Hefti. Hier brillierten die beiden Trompeter Lennard Czakaj und Alexander Kirn zusammen mit dem Staatsorchester Stuttgart unter Meister. Glissando- und Accelerando-Passagen werden dabei mit klanglichen "Unschärfen" in raffinierter Weise verbunden. Das Spiel mit Nähe und Distanz wird dabei auf die Spitze getrieben. Dieses eigenwillige Trompeten-Doppelkonzert bezieht sich auf das Requiem von Gabriel Faure. Die Zitate sind jedoch eher strukturell. Flügelhörner, C-Trompeten und sogar eine Piccolo-Trompete kommen in dynamisch differenzierter Weise zum Einsatz. Der geheimnisvolle Klang verstärkt sich noch durch den Einsatz von Vibrafon, Crotales, Celesta und Harfe. Das erste Flügelhorn präsentiert dann einen weiten Melodiebogen, der sich immer weiter auszudehnen scheint. Echo-Effekte wechseln sich facettenreich zwischen den Flügelhörnern ab. Von der Bühne erklingt eine C-Trompete. Staccati zwischen den Soloinstrumenten und ein bedrohliches Crescendo der Blechbläser verstärken den Eindruck des Unheimlichen und Nicht-Greifbaren. Mit Dämpfer gespielte Posaunen und der scharfe Klang der Solotrompeten unterstreichen dabei die vielschichtige Harmonik. Langsam bis feurig-schnell verläuft hier das Tempo - bis eine gewaltige letzte Steigerung alles mitzureissen scheint!

Als Zugabe spielten beide Trompeter noch den "türkischen Marsch" aus der Klaviersonate KV 331 von Wolfgang Amadeus Mozart. Zum Abschluss begeisterten dann die mit "Paprika"-Temperament musizierten "Ungarischen Tänze" von Johannes Brahms. Da loderte leidenschaftliche Glut, schmiegsam fügte sich das thematische Material wie bei einem riesigen Mosaik zusammen. Allerdings erklangen hier nur drei von Brahms selbst instrumente Tänze, die anderen waren von Johan Andreas Hallen, Paul Juon, Martin Schmeling und Hans Gal orchestriert worden.

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