Jegliches, das bisher sicher war, ist dahin, die zuvor schützenden und beruhigenden Gewissheiten sind zersetzt, mit einem Mal fühlt man sich herausgefallen aus allen Zusammenhängen. Das Vertraute, Geliebte, für unumstößlich wahr und (ewig) gültig Erachtete scheint ein für alle Mal entglitten — dieses Empfinden, total ›lost‹ zu sein, war bereits lange bevor dieser Begriff zum Jugendwort des Jahres 2020 gekürt wurde, Attribut der Irritation, Verunsicherung und des Verlustes existentieller Sicherheit.
Von John Miltons »Paradise Lost« bis zum »Lost Highway« von David Lynch. Die Urangst, allem und sich selbst verlorenzugehen, wenn die ganz irdischen Bindungen sich auflösen, der Rückhalt in Glauben oder Wissen entfällt und die empfundene Einsamkeit eine umfassende, universelle wird, ist in großen Dichtungen und filmischen Visionen oft beschworen worden, und ebenso kennt die Klangkunst beeindruckende Versuche, dieses Gefühl auszudrücken.
Mit der Performance »LOST« begeben sich Mitglieder aller Sparten des Theaters Ulm in ungewohnter Umgebung auf die experimentelle Suche nach dem verlorenen Grund des Daseins.