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Theater Plauen-Zwickau "Glaube Liebe Hoffnung" von Ödön von Horvath

Premiere 26. März 2011 um 19.30 Uhr im Vogtland Theater Plauen. --

 

Elisabeth hat gehört, dass man dem anatomischen Institut schon zu Lebzeiten den eigenen toten Körper für Forschungszwecke verkaufen kann.

 

Und sie braucht dringend Geld um 150 Mark Strafe abzuzahlen, weil sie ohne Gewerbeschein Handel mit Unterwäsche betrieben hat. Der Oberpräparator weist sie ab, doch der Präparator hat Mitleid mit der beherzten jungen Frau. Ihm imponiert ihre Schönheit und vor allem der beiläufig erwähnte Inspektor-Titel ihres Vaters. Deshalb leiht er Elisabeth das Geld im Glauben, einer potentiell guten Partie damit einen Gewerbeschein zu finanzieren. Voll neuer Hoffnung begibt sich die junge Verkäuferin zu ihrer Vorgesetzten Irene Prantl. Schleunigst will sie den geborgten Betrag zurückerwirtschaften, doch die Prantl rügt sie barsch für den bisher geringen Umsatz und droht mit der Kündigung. Da betritt wutschnaubend der beleidigte Präparator das Firmenbüro: Er hat sowohl von Elisabeths Vorstrafe als auch dem wahren Berufsstand ihres Vaters erfahren und zeigt sie wegen Betrugs an.

 

Sie wird sofort entlassen, verhaftet und das Gericht verurteilt sie zu vierzehn Tagen Gefängnisstrafe. Doch Elisabeth lässt den Kopf nicht hängen. Kurz nach ihrer Freilassung begibt sie sich zum Wohlfahrtsamt. Dort verhöhnen sie die anderen Wartenden und die Unterstützung wird ihr verweigert, weil – Ironie des Schicksals – der Versicherungsinspektorentitel ihres Vaters besagt, dass er theoretisch genug verdiene um sie mitzufinanzieren. Auf dem Vorplatz lernt sie den ehrgeizigen Schutzpolizisten Alfons Klostermeyer kennen. Sie verschweigt die Gefängnisstrafe, um ihr zartes Glück nicht gleich auf die Probe zu stellen. Aber die selige Zweisamkeit währt nur kurz: Als die Polizei wegen Verdachts der Sittenwidrigkeit gewaltsam bei Elisabeth eindringt und Klostermeyer über die Vorstrafen seiner Partnerin informiert, verlässt er sie, um seine Karriere nicht aufs Spiel zu setzen. Nachdem sie auch noch der Geliebte von sich stößt, hat Elisabeth keine Kraft mehr und begeht Selbstmord.

 

Glaube Liebe Hoffnung entstand während der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts und ist inspiriert vom wahren Fall einer wegen Betrugs verhafteten Korsettvertreterin. Ödön von Horváth widmet sich unter dem Titel der drei christlichen Tugenden seinem selbsternannten Kernthema, dem „Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft“. In den Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit stellen die Bürger der gesellschaftlichen Mitte Sicherheitsbedürfnis und unverrückbare Strukturen über alles. Armut und vermeintliche Amoral halten sie krampfhaft von sich fern und vertuschen ihre eigenen Statusängste, indem sie an Elisabeth ein Exempel statuieren und sie aus der Gesellschaft ausstoßen.

 

Regie Tim Heilmann

Bühne/Kostüme Marion Hauer

Dramaturgie Ulrike Carl

 

Elisabeth Julia Bardosch

Schupo Alfons Klostermeyer/ Schimpanse Tom Keune

Der Präparator Ole Micha Spörkel

Der Tierpfleger Joachim Prantl Johannes Lang

Der Baron mit dem Trauerflor/

Buchhalter Michael Schramm

Irene Prantl/ Arbeiterfrau Marsha Zimmermann

Frau Amtsgerichtsrat/Giraffe Ute Menzel

Herr Amtsgerichtsrat/ Der Oberpräparator/ Eisbär Dieter Maas

Maria/ Kellnerin/ Gazelle Angelina Häntsch

Oberinspektor/ Invalider/ Nashorn Hans-Joachim Burchardt

 

Vorstellungen Plauen ¬ Vogtlandtheater

26.03.2011 ¬ 19:30 Uhr A 1 + FVK Premiere [» Online-Karten]

03.04.2011 ¬ 18:00 Uhr A 17 + FVK [» Online-Karten]

26.04.2011 ¬ 19:30 Uhr A 2 + FVK [» Online-Karten]

15.05.2011 ¬ 14:30 Uhr A 12 + FVK [» Online-Karten]

20.05.2011 ¬ 19:30 Uhr A 11 + FVK [» Online-Karten]

 

Tel

Mail [03741] 2813 .4847 / .4848

service-plauen@theater-plauen-zwickau.de

 

Vorstellungen Zwickau ¬ Gewandhaus

14.04.2011 ¬ 19:30 Uhr FVK [» Online-Karten]

21.05.2011 ¬ 19:30 Uhr G5 + FV [» Online-Karten]

 

Tel

Mail [0375] 27 411.4647 / .4648

service-zwickau@theater-plauen-zwickau.de

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