Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Oper Wuppertal: Doppelabend mit zwei Regie-Handschriften: "Ariadne auf Naxos" (Vorspiel) / "Herzog Blaubarts Burg"Oper Wuppertal: Doppelabend mit zwei Regie-Handschriften: "Ariadne auf Naxos"...Oper Wuppertal:...

Oper Wuppertal: Doppelabend mit zwei Regie-Handschriften: "Ariadne auf Naxos" (Vorspiel) / "Herzog Blaubarts Burg"

Premiere: So. 8. Mai 2022, 18 Uhr, Opernhaus

Zwei Meisterwerke des frühen 20. Jahrhunderts treffen in einem Doppelabend zusammen und bleiben doch in sich geschlossen und separat. Zuerst erklingt aus ›Ariadne auf Naxos‹ von Richard Strauss allein das Vorspiel, darauf folgt erstmals in der Aufführungsgeschichte nicht der ursprüngliche Opernakt. An seine Stelle tritt der gleichzeitig entstandenen Operneinakter ›Herzog Blaubarts Burg‹ des ungarischen Komponisten Béla Bartók.

 

Copyright: Henning Kreitel

 
In ihrer Urfassung von 1912 sprengte ›Ariadne auf Naxos‹ durch die vorgesehene Kombination mit einem Schauspiel alle Dimensionen – und fiel durch. Als Reaktion ersetzten die Autoren das Sprechtheater durch ein etwa 40-minütiges Vorspiel. Diese turbulente Komödie um zwei streitende Theatertruppen des ernsten und unterhaltenden Genres geriet ihnen zu einem sprachlichen wie musikalischen Kleinod. Mit den beschwörend gesungenen Worten »Musik ist eine heilige Kunst« schwingt sich der Komponist am Ende des Vorspiels zu großer Emphase auf. Das Duo Bernd Mottl (Regie) und Friedrich Eggert (Bühne und Kostüme), das bereits mit seiner Inszenierung von ›Die Zauberflöte‹ in Wuppertal begeisterte, kehrt für die ›Ariadne‹ ans Haus zurück. Die Backstage-Geschichte lädt ein, hinter die Kulissen einer Theaterproduktion zu schauen und das Spiel der Eitelkeiten zu beobachten. Aufgrund der Distanzlosigkeit zum eigenen Tun entwickelt das Spiel der Bühnenpersönlichkeiten einen sehr eigenen Humor, den Bernd Mottl auf die Spitze zu treiben weiß.

Vollkommen gegensätzlich und mit einer eigenen Regie-Handschrift führt ›Herzog Blaubarts Burg‹ den Abend weiter. An der Seite von Philipp Grigorian (Inszenierung und Bühne) steht neben Vlada Pomirkovanaya (Kostüme), Ilya Kukharenko als externer Dramaturg der Produktion. Während es sich für Philipp Grigorian um sein deutsches Regiedebüt handelt, war Ilya Kukharenko bereits zwei Mal für die Inszenierungen russischer Regieteams in Wuppertal, neben ›Rigoletto‹ in der Spielzeit 2016/17 zuletzt für ›Oedipus Rex‹ in der Spielzeit 2019/20. Grigorian und Pomirkovanaya sind zudem beide Preisträger des russischen Theaterpreises ›Goldene Maske‹. Die Arbeit an ihrem Konzept begann zwar bereits vor drei Jahren, es hat aber seitdem nur an Aktualität gewonnen. Die ursprüngliche im Werk angelegte Liebesgeschichte wird bei ihnen zu einem Familiendrama um Reichtum unbekannter Herkunft und dem Zusammentreffen einer fremden Tochter und ihrem schwerkranken Vater.

Es handelt sich um die zweite Opernpremiere des Wuppertaler Generalmusikdirektors an seiner aktuellen Wirkungsstätte, nachdem er bereits die Musikalische Leitung des ›Tannhäuser‹ aus März 2022 innehatte.

›Ariadne auf Naxos (Vorspiel) / Herzog Blaubarts Burg‹
Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel von Richard Strauss. Dichtung von Hugo von Hofmannsthal. Daraus das Vorspiel. / Oper in einem Akt von Béla Bartók. Dichtung von Béla Balázs. In ungarischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Künstlerisches Team ›Ariadne‹:
Musikalische Leitung: Patrick Hahn
Inszenierung: Bernd Mottl
Bühne und Kostüme: Friedrich Eggert
Choreografie: Luca Völkel
Dramaturgie: Marie-Philine Pippert

Besetzung ›Ariadne‹:
Der Haushofmeister: Simon Stricker
Ein Musiklehrer: Ralf Lukas
Die Komponistin: Catriona Morison
Der Tenor, Ein Offizier: Sangmin Jeon
Ein Tanzmeister: Mark Bowman-Hester
Primadonna: Mercy Malieloa
Zerbinetta: Anne Martha Schuitemaker
Ein Perückenmacher: Marco Agostini
Ein Lakai: Javier Horacio Zapata Vera
Echo: Stina Schnickmann, Luca Völkel
Najade: Elena Palombieri
Dryade: Irene Nocella
Harlekin: Oliver Müller
Scaramuccio: Thomas Weber
Truffaldino: Nadine Funk
Brighella: Kia Kirsch
Statisterie der Wuppertaler Bühnen
Sinfonieorchester Wuppertal

Künstlerisches Team ›Blaubart‹:
Musikalische Leitung: Patrick Hahn
Inszenierung und Bühne: Philipp Grigorian
Kostüme: Vlada Pomirkovanaya
Dramaturgie: Ilya Kukharenko, Marie-Philine Pippert

Besetzung ›Blaubart‹:
Herzog Blaubart: Ralf Lukas
Judith: Khatuna Mikaberidze
Blaubarts Mutter: Christine Kättner
Krankenschwester, Blaubarts Frau: Philippine Pachl
Judiths Mutter: Christine Mühlberger

Weitere Termine:
So. 15. Mai 2022, 19:30 Uhr, Opernhaus
Sa. 11. Juni 2022, 19:30 Uhr, Opernhaus
Fr. 17. Juni 2022, 19:30 Uhr, Opernhaus
Fr. 24. Juni 2022, 19:30 Uhr, Opernhaus
Weitere Informationen unter oper-wuppertal.de/ariadne

Statisterie der Wuppertaler Bühnen
Sinfonieorchester Wuppertal

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 19 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Realitätsverlust -- „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner in der Deutschen Oper am Rhein

Der Holländer fliegt dieses Mal nicht über Meere, sondern zeigt sein markantes Seebärengesicht auf einer Filmleinwand. In Vasily Barkhatovs Inszenierung des "Fliegenden Holländers" von Richard Wagner…

Von: Dagmar Kurtz

ZULETZT BRENNT DAS HOTEL -- "Hotel Savoy oder ich hol' dir vom Himmel das Blau" als Hybridoperette im Schauspielhaus STUTTGART

Joseph Roth war einer der großen Prosaisten Österreichs, der in seinen Romanen das Bild der erbarmungslosen modernen Welt zeichnete. So auch in "Hotel Savoy", das jetzt das Schauspiel Stuttgart als…

Von: ALEXANDER WALTHER

KOMPAKTE WUCHT -- Neue CDs: Bruckners 7. und 8. Sinfonie mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR (jetzt SWR Symphonieorchester) unter Eliahu Inbal bei Naxos erschienen

Seit ihrer Uraufführung im Jahre 1884 ist die siebte Sinfonie in E-Dur von Anton Bruckner bis heute am häufigsten gespielt worden. Die reiche Melodienherrlichkeit des Werkes kommt auch in der…

Von: ALEXANDER WALTHER

STÜRMISCHER SCHWUNG -- Maximilian Schairer im Konzertsaal der Musikhochschule Stuttgart mit Beethoven, Chopin und Prokofjew

Dies war ein weiteres interessantes Konzert in der verdienstvollen Reihe "Rising Star". Maximilian Schairer, der momentan sein Konzertexamen bei Professor Michael Hauber an der Hochschule für Musik…

Von: ALEXANDER WALTHER

SPIELTECHNISCHE RASANZ -- 6. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart unter Cornelius Meister im Beethovensaal der Liederhalle STUTTGART

Ein abwechslungsreiches Programm präsentierte das Staatsorchester Stuttgart unter der inspirierenden Leitung von Cornelius Meister im Beethovensaal der Liederhalle. Gleich zu Beginn überzeugte die…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑